Die AfD-Politiker Alice Weidel und Björn Höcke.
Die AfD-Politiker Alice Weidel und Björn Höcke.
Bild
Wird 2026 das Jahr der AfD? Possoch klärt!
Bildrechte: colourbox/329113, picture alliance/dpa/dpa-Pool | Sören Stache, picture alliance / Geisler-Fotopress | Matthias Wehnert/Geisler-Fotopress, colourbox/1444, colourbox/Andreas Berheide; Montage: BR/Maxi Schumann
Schlagwörter
Bildrechte: colourbox/329113, picture alliance/dpa/dpa-Pool | Sören Stache, picture alliance / Geisler-Fotopress | Matthias Wehnert/Geisler-Fotopress, colourbox/1444, colourbox/Andreas Berheide; Montage: BR/Maxi Schumann
Bildbeitrag

Wird 2026 das Jahr der AfD? Possoch klärt!

Aktualisiert am
Bildbeitrag
Erschien zuerst am
>

2026: Das Jahr der AfD?

2026: Das Jahr der AfD?

Dieses Jahr darf die AfD auf neue Rekord-Wahlergebnisse hoffen – und könnte sogar erstmals eine Landesregierung stellen. Welche Folgen hätte das für Deutschland – und für die AfD selbst?

Über dieses Thema berichtet: Possoch klärt am .

2026 stehen in acht Bundesländern Landtags- oder Kommunalwahlen an – Wahlforscher prognostizieren der AfD große Zugewinne. "Im Moment sieht es so aus, als sei das Momentum der AfD sehr stark", sagt der Politikwissenschaftler Thomas Biebricher (Universität Frankfurt am Main) im BR24-Interview. Die AfD fungiere für viele als Projektionsfläche, verknüpft mit der Vorstellung, "dass die Dinge so ganz anders laufen könnten, wenn sie an der Macht wäre." Laut Wahlforscher Stefan Merz (infratest dimap) sind Wirtschaft und Migration für viele Wähler die drängendsten Themen, und in beiden Bereichen hätten Bürger das Gefühl, dass die etablierten Parteien nicht wirklich etwas verändern konnten.

Hälfte der AfD-Anhänger sind Protestwähler

2025 hat der Verfassungsschutz die AfD in ganz Deutschland als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Die AfD hat dagegen Klage eingereicht, das Urteil im Hauptsacheverfahren steht aus. Fünf Landesverbände der Partei gelten offiziell schon als gesichert rechtsextremistisch.

Wahlforscher Stefan Merz weist darauf hin, dass nicht alle Wähler der AfD extremistische Positionen verträten. Etwa die Hälfte wähle die AfD aus Protest gegen die etablierten Parteien – ungefähr die andere Hälfte stehe aber durchaus hinter den Forderungen der Partei. Im Regierungsprogramm der AfD Sachsen-Anhalt ist der Begriff "Remigration" ein zentrales Motiv; außerdem sollen Vereine ein Bekenntnis zu einer "patriotischen Grundhaltung" ablegen.

Im Video: Wird 2026 das Jahr der AfD? Possoch klärt!

Sachsen-Anhalt: Theoretische Chance auf AfD-Landesregierung

In Sachsen-Anhalt steht die AfD in Umfragen derzeit bei etwa 40 Prozent. Sie könnte erstmals eine Landesregierung stellen. Dies könnte "verheerende Folgen" für das Bundesland und auch die Republik haben, da die AfD somit auch auf Bundesebene viel blockieren und verändern könne, sagt der Politikexperte Albrecht von Lucke (Blätter für deutsche und internationale Politik [externer Link]).

Allerdings biete die Aussicht auf die Macht auch für die AfD Herausforderungen, sagt der Extremismusforscher Philipp Adorf von der Uni Bonn. Bisher habe die Partei "immer von der Oppositionsbank gegen die Regierung wettern" können. Nun könnte sie erstmals vor der Aufgabe stehen, "Politik wirklich gestalten" zu müssen – mit der Aussicht, populistische Versprechen an die Anhängerschaft gar nicht umsetzen zu können.

Schreckgespenst "Melonisierung"

Politikwissenschaftler Biebricher spricht in dem Zusammenhang von der Möglichkeit einer "Melonisierung" der Partei: also der Entradikalisierung an der Macht, so wie es bei der postfaschistischen Fratelli d'Italia von Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni zu beobachten war. Diese Möglichkeit sei ein "großes Schreckgespenst" für den radikalen Flügel der AfD, und könne diejenigen Wähler verprellen, die sich eine Anti-System-Partei wünschten.

Allerdings sei nicht gesagt, dass sich die Partei an der Macht wirklich mäßige. Insbesondere im Falle einer Regierungskoalition könne die AfD an ihren radikalen Forderungen festhalten – und dem Koalitionspartner die Schuld daran geben, dass sie ihr Programm nicht umsetzen könne.

Brandmauer: Auch problematisch, aber nicht undemokratisch

Zu einer Regierungskoalition mit Beteiligung der AfD werde es nicht kommen, meint Politikexperte von Lucke. Eine Zusammenarbeit der CDU mit der AfD, die manche trotz gegenteiliger Bekundungen befürchten, würde der Union bundesweit massiv schaden. Auch die anderen etablierten Parteien schließen eine Zusammenarbeit mit der AfD weiterhin kategorisch aus.

Diese Praxis der sogenannten Brandmauer habe allerdings auch problematische Aspekte. Für eine pluralistische politische Kultur sei es mittelfristig "ungünstig oder beinahe schädlich", wenn eine Partei mit 20 bis 30 Prozent Wählerschaft dauerhaft ausgeschlossen würde, sagt Politikwissenschaftler Biebricher.

Für Extremismusforscher Philipp Adorf haben sich in den vergangenen Jahren die Mehrheitsverhältnisse nach rechts bewegt. Trotzdem hätten Mitte-Links-Koalitionen immer häufiger die Regierungen gestellt, um gemeinsam die AfD zu umgehen. Thomas Biebricher macht gleichzeitig klar: "Die Brandmauer ist nicht undemokratisch. Es steht in einer pluralistischen Demokratie jeder Partei frei, sich auszusuchen, mit wem man zusammenarbeiten will."

BR24 auf TikTok: Wird 2026 das Jahr der AfD?

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!