Nach dem Angriff auf das Stromnetz in Südbrandenburg gehen die Ermittler davon aus, dass auch die Störung an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln auf verfassungsfeindliche Sabotage zurückgeht. Unbekannte hätten Kabel über die Oberleitung gebracht und so einen Kurzschluss verursacht, sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU). "Das war Absicht. Wer da rangeht, greift unser Land an."
Zwei Angriffe innerhalb von zwei Tagen
Die Einsatzkräfte der Polizei entdeckten bei einer Suchaktion in einem Maisfeld insgesamt sechs Abschussvorrichtungen, "die vermutlich mit der Tat in Zusammenhang stehen", sagte der Kölner Kriminaldirektor Michael Esser vor Journalisten in Essen. Es sei davon auszugehen, dass die Vorrichtungen so gebaut waren, dass pyrotechnische Gegenstände vermutlich einen Draht in die Höhe transportieren konnten. Dieser habe sich möglicherweise über die Stromleitung gelegt, wodurch es zu einer Erdung kam. Ein dabei eingesetzter Draht sei verglüht und habe den Zaun beschädigt, sagte Esser weiter. Zeugen hätten kurze Lichtblitze beobachtet.
Die Ermittler sehen Parallelen zu dem Fall in Brandenburg, wo Unbekannte am Dienstagmorgen unweit des Umspannwerks Turnow-Preilack unweit des Kraftwerks Jänschwalde einen Angriff auf die Stromversorgung gestartet hatten. In der Nähe beider Orte wurden nach Angaben der Behörden Abschussvorrichtungen und Pyrotechnik gefunden, die womöglich bereits vor längerer Zeit dort installiert worden waren.
Keine Stromausfälle – Ermittler vernetzen sich
Auswirkungen auf die allgemeine Stromversorgung gab es weder in Brandenburg noch in Nordrhein-Westfalen. Ob es einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen gibt und wer dahinterstecken könnte, ist noch offen. "Wir prüfen zwei Richtungen: fremdstaatlich gelenkte Sabotage und Linksextremismus", sagte Reul.
Breiter in den Blick nehmen die Ermittler nun auch den Brand in einem Umspannwerk in Reutlingen im Juni, der dazu geführt hatte, dass rund 7.600 Gebäude und etwa 40.000 Menschen zeitweise ohne Strom waren. Die Ermittler gehen von Brandstiftung aus. In der Vergangenheit gab es bundesweit eine Reihe weiterer mutmaßlicher Sabotageversuche. Die betroffenen Länder wollen sich nun stärker vernetzen.
Brandenburgs Innenminister: "Verdammtes Glück gehabt"
Innenminister Redmann sprach davon, dass man in Brandenburg "verdammtes Glück" gehabt habe. Denn nach jetzigem Stand habe nur einer der mehr als einem Dutzend "raketenähnlichen Gegenständen" mit Treibsatz sein Ziel erreicht. Dies blieb jedoch ohne Auswirkungen – anders als in Berlin Anfang des Jahres, wo ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke einen großflächigen Stromausfall auslöste, von dem Zehntausende Menschen betroffen waren. Hier gehen die Ermittler von linksextremistischen Tätern aus.
Redmann erklärte, die Tatausführung in Brandenburg sei aber anders als bei bisherigen Anschlägen auf die Stromversorgung, die der linksextremistischen Szene zugeordnet werden. Die Polizei ermittelt nun unter anderem wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung. Das betroffene Umspannwerk zählt dem Innenminister zufolge zu einem der relevantesten in Deutschland.
CDU-Innenpolitiker: Anschläge sollen Bevölkerung verunsichern
Der CDU-Innenpolitiker Alexander Throm sieht eine direkte Verbindung zwischen den Anschlägen auf das deutsche Stromnetz und den bevorstehenden Landtagswahlen. "Es ist extrem auffällig, dass jetzt wieder eine Häufung dieser Anschläge und Vorkommnisse unmittelbar im Vorfeld von Wahlen stattfindet", sagte Throm der Nachrichtenagentur Reuters. "Es ist ganz klar das Ziel, die Bevölkerung zu verunsichern."
Mit Informationen von dpa und Reuters
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