Deutsche Soldaten marschieren in Formation beim Übergabeappell. Die Bundeswehr-Brigade übernimmt das Kommando über den Nato-Kampfverband in Litauen.
Deutsche Soldaten marschieren in Formation beim Übergabeappell. Die Bundeswehr-Brigade übernimmt das Kommando über den Nato-Kampfverband in Litauen.
Bild
Die Bundeswehr-Brigade übernimmt das Kommando über den Nato-Kampfverband in Litauen.
Bildrechte: pa/dpa/ Alexander Welscher
Schlagwörter
Bildrechte: pa/dpa/ Alexander Welscher
Audiobeitrag

Die Bundeswehr-Brigade übernimmt das Kommando über den Nato-Kampfverband in Litauen.

Audiobeitrag
>

Appell bei Eiseskälte: Litauen-Brigade wächst

Appell bei Eiseskälte: Litauen-Brigade wächst

Es ist ein Signal der Abschreckung an das russische Regime. Die Litauen-Brigade der Bundeswehr hat diese Woche einen großen Sprung gemacht. Ein Nato-Verband wurde eingegliedert, begleitet von Trommelwirbel und Dauerfrost.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Auf den Dächern von Kaunas liegt Schnee. Der Himmel über Litauens zweitgrößter Stadt ist so blau, dass die angereisten Fotografen ihr Glück kaum fassen können. Nur die Temperaturen stellen alle hier auf eine Probe: Sie sind zweistellig im Minusbereich. So einen Winter habe man seit 15 Jahren nicht mehr erlebt, sagt eine litauische Journalistin.

Sollte die Kälte den Teilnehmern des sogenannten Übergabeappels etwas ausmachen, lassen sie sich nichts anmerken. 1.500 Soldaten sind auf dem Platz – auch aus Bayern. Mal verharren sie an Ort und Stelle, das Gewehr in der Hand. Mal marschieren sie im Gleichschritt über das weitläufige Gelände. Die Temperaturen mögen gnadenlos sein, aber auch das militärische Protokoll kennt kein Pardon.

Heereschef: Litauen-Brigade im Zeitplan

Fahnen werden übergeben, Offiziere salutieren, Regierungsvertreter halten Reden. Marschmusik und Trommelwirbel wechseln sich ab. Rund anderthalb Stunden dauert die Zeremonie. Danach steckt auch dem Reporter der Frost in den Knochen – trotz Skihose und dicken Socken.

Auch der Chef des deutschen Heeres wirkt etwas verfroren, als er vor die Kameras tritt. Und doch ist Christian Freuding an diesem Tag zufrieden. "Wir sind im Plan", stellt der General fest. Er spricht von einem klaren Zeichen "an unsere litauischen Freunde": Deutschland stehe an der Seite der baltischen Verbündeten.

Litauen-Brigade soll auf fast 5.000 Soldaten wachsen

Im Rahmen des Appells wurde ein in Litauen stationierter Nato-Verband der deutschen Brigade dort unterstellt. Damit ist der neue Großverband auf knapp 1.800 Soldaten gewachsen. Bis Ende nächsten Jahres sollen es fast 5.000 sein. Das entspricht etwa einem Drittel der gesamten litauischen Streitkräfte. Ein Grund dafür, dass das militärische Engagement Deutschlands hier sehr geschätzt wird.

Das bekräftigt der litauische Verteidigungsminister Robertas Kaunas beim Appell. Die deutsche Präsenz vermittele den Menschen hier ein Gefühl von Sicherheit und Stabilität. Keine Selbstverständlichkeit angesichts der wechselvollen Geschichte beider Länder. Während der NS-Besatzung Litauens im Zweiten Weltkrieg kam es zu Massenmorden an Zivilisten, wie auf den Internetseiten der Bundeswehr nachzulesen ist.

Litauer fürchten Bedrohung durch Russland

Jahrzehnte später ist die Hoffnung, die viele Litauer in Deutschland setzen, mit Händen zu greifen. Auf dem Appellplatz wird das auch durch vermeintliche Kleinigkeiten sichtbar: Fähnchen wurden verteilt, auf der einen Seite Schwarz-Rot-Gold, auf der anderen die litauischen Landesfarben Gelb-Grün-Rot.

Schon vor dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hatten die Balten vor imperialen Absichten des Putin-Regimes gewarnt. Die erzwungene Zugehörigkeit zur Sowjetunion brannte sich in ihr kollektives Gedächtnis.

Geografische Lage macht Litauen verletzlich

Litauen gilt wegen seiner Lage als besonders gefährdet: Im Westen das russische Gebiet Kaliningrad, im Osten – unweit der Hauptstadt Vilnius – die Grenze zu Belarus, einem Verbündeten Russlands.

Bei der Zeremonie in Kaunas spricht Verteidigungs-Staatssekretär Sebastian Hartmann (SPD) offen an, wer mit der Litauen-Brigade von weiteren Angriffen abgehalten werden soll. "Wir schrecken einen Aggressor ab, Russland, der bereit ist, militärische Gewalt anzuwenden."

Röwekamp: klares Signal an Moskau

Auch der ebenfalls angereiste Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag sieht im Übergabeappell ein "klares Signal" an "unseren potenziellen Gegner" in Moskau. Im Ernstfall könne man den Nato-Verbündeten verteidigen, sagt der CDU-Politiker Thomas Röwekamp zu BR24. Spätestens 2029 ist das Putin-Regime möglicherweise in der Lage, Nato-Länder zu attackieren – so die Einschätzung im Verteidigungsministerium.

Doch nicht alle mitreisenden Politiker sind davon überzeugt, dass die Bundeswehr auf Dauer eine Brigade in Litauen stationieren sollte. Der AfD-Abgeordnete Rüdiger Lucassen sagt im BR24-Gespräch: "Ob es die Aufstellung der Litauen-Brigade gebraucht hätte, da habe ich Zweifel." Aus seiner Sicht wäre es besser gewesen, Bundeswehreinheiten bei Bedarf von Deutschland aus an die Nato-Ostgrenze zu verlegen.

Allerdings sehen Befürworter gerade in der dauerhaften Stationierung das Abschreckungspotenzial der Brigade. Deren Kern bilden zwei Bataillone aus Bayern und Nordrhein-Westfalen. Die Panzergrenadiere aus Oberviechtach sind schon seit vergangener Woche der Brigade unterstellt. Sie steuern moderne Schützenpanzer bei. Und ein Bataillon aus Nordrhein-Westfalen stellt Kampfpanzer vom Typ Leopard 2.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht's zur Anmeldung!