(Archivbild) Mehrere verschleierte Frauen stehen an einer Wand, an ihnen geht ein Mann in Uniform und Waffe vorbei.
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(Archivbild) Taliban: Unterdrückung im Innern – mehr Kontakte nach außen.
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Taliban bauen Beziehungen aus - trotz Kritik an Unterdrückung

Taliban bauen Beziehungen aus - trotz Kritik an Unterdrückung

Die Taliban bauen ihre internationalen Kontakte aus – obwohl sie bislang nur von Russland anerkannt wurden. Fünf Jahre nach der Machtübernahme warnen Menschenrechtler vor massiver Unterdrückung und kritisieren Abschiebungen nach Afghanistan.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio Nachrichten am .

Fünf Jahre nach der Rückkehr der Taliban an die Macht hat nur Russland ihre Regierung in Afghanistan offiziell anerkannt. Dennoch pflegen viele Staaten Arbeitsbeziehungen zu den radikalislamischen Herrschern – darunter Deutschland und andere EU-Länder. "Wir streben Beziehungen zu allen Ländern an", sagt Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid.

Taliban in Brüssel

Jenseits der hohen Mauern des Außenministeriums im Zentrum von Kabul reihen sich Botschaften und Reisebüros aneinander. Eine Fluggesellschaft wirbt mit dem Versprechen: "Wir sind alle miteinander verbunden." Zwar haben nur wenige Afghanen die Mittel, ins Ausland zu reisen. Aber die Regierung empfängt immer wieder ausländische Gesandte; es waren schon Vertreter aus Ländern wie China, Japan, der Türkei, Saudi-Arabien und auch Großbritannien in Kabul.

Genauso reisen Vertreter der Taliban ins Ausland. Eine Delegation flog im Juni nach Brüssel, um mit 15 EU-Staaten über die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber nach Afghanistan zu verhandeln. Auch am Beispiel des Generalkonsulats in Grünwald bei München zeigt sich, wie die Taliban an Einfluss gewinnen.

Experte: Länder werden im Umgang mit den Taliban pragmatischer

"Die Länder der Region und unsere Nachbarstaaten sind von besonderer Bedeutung, da unsere wirtschaftlichen Verbindungen und Interessen eng miteinander verknüpft sind", sagt Taliban-Sprecher Mudschahid. In diesem Jahr trafen sich Repräsentanten aus Tadschikistan, Turkmenistan, Kirgistan, Usbekistan und Kasachstan in Kabul. Ihnen geht es vor allem um Handelsrouten durch Afghanistan auf dem Weg zum Persischen Golf.

Die Länder der Region würden im Umgang mit den Taliban "immer pragmatischer", sagt Erica Gaston, die das Programm für Konfliktprävention und nachhaltige Friedenssicherung an der Universität der Vereinten Nationen leitet. "Das ist die Realität, mit der wir in unserer Region konfrontiert sind, und Kontakte sind unvermeidlich", beschreibt sie die Haltung dieser Staaten.

Neben der Zusammenarbeit in Fragen der Sicherheit werben die Taliban für grenzüberschreitende Infrastrukturprojekte und mit unerschlossenen Bodenschätzen, um die Wirtschaft des Landes anzukurbeln. Ausländische Investoren sind jedoch zurückhaltend, solange die Regierung nicht von mehr Staaten anerkannt wird.

Amnesty: Abschiebungen nach Afghanistan stoppen

Nach jahrelanger westlicher Militärpräsenz hatten die radikalislamischen Taliban im August 2021 die Macht in Afghanistan zurückerobert und ein islamisches Emirat ausgerufen. Viele Staaten machen eine Verbesserung der Menschenrechtslage zur Bedingung, um die Taliban-Herrschaft anzuerkennen. Die Missachtung grundlegender Rechte in Afghanistan ist jedoch für einige westliche Regierungen kein Grund, Afghanen nicht in ihre Heimat abzuschieben – auch nicht für Deutschland.

"Wer kein gesetzliches Aufenthaltsrecht in Europa hat, muss zurückgeführt werden", sagt ein Sprecher der EU der Nachrichtenagentur AFP. Deutschland hat dabei eine Vorreiterrolle übernommen und im Juli zum ersten Mal seit der Machtübernahme der Taliban einen Afghanen abgeschoben, der kein Straftäter war. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) erklärte dazu, für Abschiebungen kämen auch "ausreisepflichtige Personen" in Frage, "wenn es keine Integrationsleistungen in Deutschland gibt".

Amnesty fordert, Abschiebungen nach Afghanistan auszusetzen und schwere Menschenrechtsverletzungen aufzuarbeiten. Auch sonst zieht die Menschenrechtsorganisation eine düstere Bilanz. Frauen und Mädchen würden systematisch unterdrückt und aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen.

Afghanistan: Einziges Land mit Verbot weiterführender Schulen für Mädchen

Der Internationale Strafgerichtshof erließ vergangenes Jahr Haftbefehle gegen Taliban-Führer Haibatullah Achundsada und den obersten Richter Abdul Hakim Hakkani wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und der Verfolgung von Frauen und Mädchen.

Die UN-Kulturorganisation Unesco geht von 2,4 Millionen Mädchen im Land aus, die von weiterführender Schulbildung ausgeschlossen sind. Bis 2030 könnte die Zahl gar auf knapp vier Millionen steigen. Die Unesco bezieht sich bei der Schätzung auf die Zahl der Mädchen, die bereits an einer weiterführenden Schule eingeschrieben waren und diese nach der Machtübernahme verlassen mussten, sowie auf Mädchen, die die Grundschule nun erfolgreich abschließen. Als einziges Land der Welt verbiete Afghanistan Mädchen und Frauen Bildung über die Grundschule hinaus. Zwei Jahrzehnte voller Fortschritte würden so rückgängig gemacht.

"Für viele afghanische Kinder sind Krisen, Unsicherheit und Entbehrungen inzwischen Teil ihres Alltags", heißt es von der Kindernothilfe. Nach Schätzungen seien fast 3,7 Millionen Kinder im Land von akuter Unterernährung betroffen.

Mit Informationen von dpa, epd und AFP.

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