Die Reaktionen in Europa auf den wieder eskalierten Nahost-Konflikt sind eindeutig: Zurückhaltung aller Kriegsparteien sei das Gebot der Stunde. Gleichzeitig schwingt in Brüssel die Sorge mit, dass sich der Krieg weiter verschärfen könnte. BR24 fasst einige Reaktionen zusammen.
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EU-Kommission mahnt zur Deeskalation
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen beschrieb die Entwicklung als "äußerst besorgniserregend". "Wir rufen alle Parteien zu größtmöglicher Zurückhaltung auf", erklärte sie in den sozialen Medien. Die EU-Kommission werde in "enger Koordination" mit den EU-Mitgliedsstaaten "alle notwendigen Schritte" unternehmen, um EU-Bürger in der Region zu unterstützen.
Schutz von Zivilisten und Respekt des Völkerrechts wichtig
In einer gemeinsamen Mitteilung mit EU-Ratspräsident António Costa mahnte sie zudem, die Zivilbevölkerung zu schützen und das Völkerrecht uneingeschränkt zu achten. Die EU setze weiter auf Stabilität und Diplomatie, teilten beide mit.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sprach von einer "gefährlichen" Lage im Nahen Osten. Sie habe mit Israels Außenminister Gideon Saar und weiteren Ministern in der Region gesprochen, schrieb Kallas in den sozialen Medien. Die EU arbeite zudem eng mit arabischen Partnern zusammen, um diplomatische Wege auszuloten. Darüber hinaus bleibe die EU-Marineoperation "Aspides" im Roten Meer "in höchster Alarmbereitschaft" und stehe bereit, "um die Durchgängigkeit des Seewegs zu sichern".
Bundesregierung in engem Austausch mit Partnern
Aus Berlin hieß es, die Bundesregierung beobachte die Entwicklung genau. Man befinde sich in enger Abstimmung mit den europäischen Partnern, so Regierungssprecher Stefan Kornelius. Kanzler Friedrich Merz (CDU) habe sich außerdem mit seinen Fachministern der sicherheitsrelevanten Ressorts beraten und werde im Laufe des Tages weitere Gespräche führen. Auch ein Sprecher von Außenminister Johann Wadephul (CDU) erklärte, das Auswärtige Amt stehe "in engem und ständigem Kontakt mit den Botschaften in Iran und Israel sowie den weiteren Vertretungen in der Region".
Wadephul als erster ausländischer Minister von Israel informiert
Dem Sprecher zufolge war Wadephul der erste ausländische Minister, der vorab über den bevorstehenden israelischen Militäreinsatz informiert wurde. Sein israelischer Amtskollege Saar habe ihn am Morgen in Kenntnis gesetzt. Wadephul habe daraufhin Kontakt zu Kollegen in der Region aufgenommen und weitere Maßnahmen koordiniert.
Das Auswärtige Amt rief Deutsche im Iran, in Israel und der weiteren Region dazu auf, sich in der Krisenvorsorgeliste "Elefand" zu registrieren. Zudem solle man den Anweisungen der Behörden vor Ort Folge leisten. Auch die Reise- und Sicherheitshinweise würden laufend aktualisiert.
Berliner Polizei in Habachtstellung vor Iran-Demo
Mit Blick auf eine für den Nachmittag angekündigte Iran-Demonstration in Berlin-Mitte hat die Polizei in der Bundeshauptstadt mehr Einsatzkräfte mobilisiert. "Die Polizei ist präsent, wachsam und vorbereitet. Wir schützen nach wie vor besonders sensible Einrichtungen", sagte die Berliner Polizeisprecherin. Dazu zählten auch jüdische und israelische Einrichtungen, die bereits einen hohen Schutz durch die Polizei hätten. Für Berlin bestehe nach derzeitigem Kenntnisstand keine akute Gefährdung.
London und Paris sorgen sich um internationale Sicherheit
Die britische Regierung warnte vor einer weiteren Eskalation des Konflikts zwischen Israel, den USA und dem Iran. London wolle "keine weitere Eskalation zu einem weiteren regionalen Konflikt", zitierte die Nachrichtenagentur PA einen Sprecher von Premier Keir Starmer. Iran dürfe niemals Atomwaffen entwickeln, deswegen habe man stets Bemühungen um eine Verhandlungslösung unterstützt, so der Sprecher weiter.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wies auf die schweren Konsequenzen eines Krieges zwischen den USA und Israel einerseits und dem Iran andererseits für den Frieden und die internationale Sicherheit hin. Die aktuelle Eskalation sei für alle gefährlich und müsse gestoppt werden, erklärt Macron. Frankreich stehe bereit, auf Anfrage die notwendigen Mittel zum Schutz seiner engsten Partner bereitzustellen.
Rotes Kreuz warnt vor "gefährlicher Kettenreaktion" in Nahost
Das Internationale Rote Kreuz befürchtet eine "gefährliche Kettenreaktion" nach dem Angriff der USA und Israels auf den Iran und dessen Gegenschlägen auf verschiedene Ziele in der Golfregion und Israel. Die militärische Eskalation könne für die Zivilbevölkerung in der Region verheerende Folgen haben, erklärte die Präsidentin der Hilfsorganisation, Mirjana Spoljaric. Nachdrücklich appellierte sie zur Einhaltung des humanitären Völkerrechts.
Mit Informationen von dpa, AFP, kna und Reuters
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