Der Bosnien-Beauftragte der internationalen Staatengemeinschaft, der Deutsche Christian Schmidt, hat seinen Rücktritt angekündigt. "Nach fünf Jahren in der Funktion des Hohen Repräsentanten (...) hat Christian Schmidt die persönliche Entscheidung getroffen, seine Dienste für die Umsetzung des Friedens in Bosnien-Herzegowina zu beenden", teilte sein Amt in Sarajevo mit. Zuvor hatte die "FAZ am Sonntag" (externer Link, möglicherweise Bezahl-Inhalt) über die Rücktrittsabsicht des CSU-Politikers, der aus Obernzenn in Mittelfranken stammt, berichtet.
"Es muss eindeutig mehr getan werden"
Schmidts Büro erklärte, es habe in den vergangenen Jahren "bedeutende Fortschritte" darin gegeben, das Nachkriegsland zu einem funktionierenden Staat zu machen. Zugleich habe es noch einen weiten Weg vor sich. "Es muss eindeutig mehr getan werden, wenn Bosnien und Herzegowina seine euro-atlantischen Bestrebungen verwirklichen will", hieß es. Dazu brauche es die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft und das Amt des Hohen Repräsentanten.
Er werde weiterhin die Funktion des Hohen Repräsentanten ausüben, bis ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin gefunden sei, hieß es in der Mitteilung weiter. Nähere Informationen über Motive und Hintergründe der "persönlichen Entscheidung" wurden nicht genannt.
Schmidt seit 2021 im Amt
Bosnien-Herzegowina besteht seit Ende des Krieges (1992 bis 1995) mit mehr als 100.000 Toten aus zwei Landesteilen: aus der Föderation Bosnien-Herzegowina (FBiH), die hauptsächlich von Bosniaken und Kroaten bewohnt wird, und der hauptsächlich von Serben bewohnten Republika Srpska (RS). Die Landesteile genießen weitgehende Autonomie.
Das Friedensabkommen von Dayton (externer Link) aus dem Jahr 1995 sah auch die Schaffung des Amtes des Hohen Repräsentanten (OHR) vor. Er soll die Umsetzung des Friedens überwachen und verfügt dabei über weitgehende Vollmachten. Schmidt, der früher deutscher Landwirtschaftsminister war, bekleidet das Amt seit dem 1. August 2021.
Druck aus den USA als Rücktrittsmotiv?
Adnan Cerimagic, Analyst der European Stability Initiative in Berlin, äußerte sich überrascht über den Zeitpunkt des Rücktritts. Politisch komme er aber "nicht aus dem Nichts". Cerimagic verwies auf einen möglichen Einfluss der USA: "In diplomatischen Kreisen ist seit Monaten bekannt, dass die Trump-Administration massiven Druck auf Christian Schmidt ausgeübt hat." Mit Rückendeckung der Biden-Regierung habe Schmidt seine Vollmachten "intensiv genutzt".
Auch das bosnische Nachrichtenportal "avaz.ba" (externer Link) berichtete unter Berufung auf diplomatische Quellen, Schmidt habe sich auf Druck Washingtons zum Rücktritt entschlossen. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump unterstützt zunehmend den bosnisch-serbischen Politiker Milorad Dodik, der die Abspaltung des serbischen Landesteils RS vom bosnischen Staat betreibt. Mit seinen Vollmachten als Bosnien-Beauftragter hatte Schmidt zahlreiche Gesetze der RS annulliert, die diese Abspaltung einleiten sollten.
US-Regierung bosnisch-serbischen Separatisten zugewandt
Dodik war im Sommer 2025 von einem Gericht in Sarajevo wegen seiner separatistischen Aktivitäten als RS-Präsident abgesetzt worden. Als Vorsitzender der Regierungspartei SNSD gilt er aber weiterhin als "starker Mann" des serbischen Landesteils. Die Trump-Administration hat die von der vorangegangenen US-Regierung verhängten Sanktionen gegen Dodik und seine Angehörigen aufgehoben.
Hinter der Zuwendung Washingtons zu dem bosnisch-serbischen Separatisten könnte dessen Unterstützung von Pipeline- und Gaskraftwerksprojekten stehen, die Geschäftsleute aus dem Umfeld Trumps vorantreiben. Auch die "FAZ am Sonntag" berichtete dies. Nach unbestätigten Informationen des bosnischen Portals "istraga.ba" sollen die Amerikaner Schmidt sogar angedroht haben, ihn auf ihre Sanktionsliste zu setzen, falls er nicht zurücktrete.
Mit Informationen von dpa und KNA
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
