Passagiere der Hondius werden am Airport Teneriffa desinfiziert
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Hantavirus: Eine Kontaktperson wird nach Bayern gebracht

Hantavirus: Eine Kontaktperson wird nach Bayern gebracht

Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff "Hondius" läuft auf Teneriffa die Evakuierung. Vier deutsche Passagiere wurden unter strengen Sicherheitsvorkehrungen nach Frankfurt gebracht und sollen die Quarantäne dann daheim verbringen.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

Die Evakuierung der Menschen an Bord des von einem Hantavirus-Ausbruch betroffenen Kreuzfahrtschiffs ist auf Teneriffa unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen und ohne Probleme angelaufen. Erste Passagiere und Crewangehörige wurden bereits wenige Stunden nach der Einfahrt der "Hondius" in den Hafen Granadilla im Süden der Urlaubsinsel in kleineren Gruppen in Booten an Land gebracht, anschließend in Bussen zum nahe gelegenen Flughafen Tenerife Sur gefahren und ausgeflogen.

Deutsche "Hondius"-Passagiere in Frankfurt angekommen

Der erste Evakuierungstag der MV Hondius, an deren Bord es zu acht mutmaßlichen Infektionen mit dem Hantavirus kam, ist erfolgreich verlaufen. Die vier ausgeflogenen deutschen Passagiere des betroffenen Kreuzfahrtschiffs sind am späten Abend von Eindhoven in den Niederlanden aus nach Hessen gebracht worden. Der Sonderisoliertransport fuhr über 300 Kilometer nach Frankfurt in die Uniklinik und traf dort kurz nach 2 Uhr ein.

Laut Bundesministerium steht zu erwarten, "dass die Kontaktpersonen an ihren Wohnorten in häusliche Quarantäne abgesondert werden", wegen der langen Inkubationszeit voraussichtlich für bis zu 45 Tage. Daher sollen sie im Laufe des Montags von Frankfurt am Main nach Berlin, Baden-Württemberg, Sachsen und auch Bayern gebracht werden. Sie seien alle "vollständig ohne Symptome", hieß es vom Bundesgesundheitsministerium. "Während der nächsten Wochen werden die Kontaktpersonen kontinuierlich und engmaschig auf Symptome überwacht." Über die konkreten Maßnahmen entscheiden die jeweils zuständigen Gesundheitsämter. 

Ein weiterer deutscher Passagier wurde nach Großbritannien geflogen, wie die britische Nachrichtenagentur PA berichtete. Der Deutsche, der in Großbritannien lebe, sei zusammen mit 20 britischen Staatsbürgern und einem Japaner zum Arrowe Park Hospital auf der Halbinsel Wirral im Nordwesten Englands gebracht worden.

Drei Reisende aus Bayern

Auf dem Schiff waren laut BR-Informationen mindestens drei Reisende aus Bayern. Eine 65-jährige Frau, die bereits seit Mittwochabend in der Uniklinik Düsseldorf beobachtet wird, stammt nach Angaben des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit ebenfalls aus Bayern. Das bestätigte die Behörde dem BR. Die Frau war als Kontaktperson der verstorbenen Bayerin auf dem Schiff neben zwei erkrankten Besatzungsmitgliedern schon vergangene Woche nach Europa geflogen worden. Eine Infektion wurde bei ihr bislang nicht festgestellt.

Aus Bayern stammte zudem auch eine Frau, die noch auf der Fahrt des Schiffes am 2. Mai starb, sowie eine Person, die heute Nachmittag zur Quarantäne in eine bayerische Klinik gebracht wird – sie blieb bisher ebenfalls ohne Symptome.

Französin positiv auf das Hantavirus getestet

Zuvor waren im Rahmen der Evakuierungsaktion auf der spanischen Urlaubsinsel drei Flugzeuge jeweils mit Spaniern, Franzosen und Kanadiern gestartet. Weitere Maschinen aus Großbritannien, Irland, der Türkei und den USA sollen bis zum Abend folgen. Am Montag sollen eine weitere Maschine aus den Niederlanden sowie ein Flugzeug aus Australien zum Einsatz kommen.

Inzwischen wurde eine französische Passagierin positiv auf den Erreger getestet. Ihr Zustand verschlechtere sich, sagte die französische Gesundheitsministerin Stephanie Rist dem Radiosender France Inter. Die Frau gehöre zu einer Gruppe von fünf Franzosen, die sich an Bord befunden hätten. Die vier weiteren Passagiere seien negativ getestet worden, würden jedoch erneut untersucht. Zudem hätten die französischen Behörden bislang 22 Kontaktpersonen ermittelt, erklärte die Ministerin weiter.

Auf dem Kreuzfahrtschiff waren zuletzt insgesamt 140 bis 150 Reisegäste, Besatzungsmitglieder und begleitende Experten aus 23 Ländern. Die "Hondius" soll nach Ausschiffung der Menschen mit einem Teil der Crew in Richtung Niederlande steuern, unter deren Flagge sie fährt. Erst nach der Ankunft im Hafen Rotterdam soll die an Bord gestorbene Deutsche vom Schiff gebracht werden. Auch die Desinfektion des Schiffs wird in den Niederlanden erfolgen. Bis nach Rotterdam wird die "Hondius" rund fünf Tage unterwegs sein.

US-Passagier positiv getestet, aber symptomfrei

Einer von 17 evakuierten US-Passagieren wurde positiv auf das Hantavirus getestet. Die Person zeige jedoch keine Symptome, teilten US-Gesundheitsbehörden am späten Sonntagabend mit. Das Flugzeug soll am frühen Montagmorgen in Omaha im US-Bundesstaat Nebraska landen.

Die US-Bürger sollen zunächst an die Universität von Nebraska gebracht werden, die über eine staatlich finanzierte Quarantäneeinrichtung verfügt, um zu prüfen, ob sie engen Kontakt zu symptomatischen Personen hatten und welches Risiko für die Verbreitung des Virus besteht.

Australien schickte ebenfalls ein Flugzeug nach Teneriffa, dessen Ankunft für Montag erwartet wurde. Damit sollten eigene Staatsbürger sowie Bürger aus benachbarten Ländern wie Neuseeland abgeholt werden.

Nach Verdachtsfällen wird weiter gesucht

Das Schiff war am 1. April in Ushuaia in Argentinien zu einer Atlantik-Kreuzfahrt aufgebrochen. Ein erster Passagier aus den Niederlanden starb laut Oceanwide Expeditions am 11. April an Bord. Seine Frau ging am 24. April mit anderen Passagieren auf der Insel St. Helena im Südatlantik von Bord, flog nach Johannesburg und starb dort am 26. April in einem Krankenhaus. Anfang Mai starb auf dem Schiff eine Frau aus Passau.

Die WHO vermutet, dass sich der Niederländer mit dem Hantavirus infizierte, bevor er an Bord ging. Das Virus wird in der Regel von Nagetieren übertragen, kann bei engem Kontakt aber auch von Mensch zu Mensch überspringen. Da bei Zwischenstopps des Schiffes insgesamt mehr als 30 Passagiere und Besatzungsmitglieder ausgestiegen sind, wird nun weltweit nach potenziellen Verdachtsfällen gesucht.

Hantavirus vergleichbar mit Corona?

Der jetzige Fall ist anders gelagert als der Beginn der Corona-Pandemie vor mehr als sechs Jahren. Selbst wenn es zu einer Übertragung des Andesvirus durch evakuierte Schiffspassagiere käme, wäre das Virus laut der EU-Gesundheitsbehörde ECDC nicht leicht weiter übertragbar, sodass es unwahrscheinlich ist, dass es zu vielen Infektionsfällen oder einem großflächigen Ausbruch in der Bevölkerung käme.

Der Artikel wird regelmäßig aktualisiert.

Mit Informationen von dpa und AFP

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