Die Deutsche Bahn will das in die Kritik geratene Konzept mit monatelangen Vollsperrungen zur Sanierung des Schienennetzes überarbeiten. Laut Konzernchefin Evelyn Palla werde es voraussichtlich weniger Sanierungen pro Jahr geben, um die Belastungen für den Fern- und Güterverkehr in Grenzen zu halten. Sie sprach von noch zwei bis drei Korridorsanierungen pro Jahr. Die Beratungen dazu mit dem Verkehrsministerium seien in den letzten Zügen. Die zeitliche Abfolge und regionale Belastungen sollten besser aufeinander abgestimmt werden.
Wichtige Abschnitte werden monatelang gesperrt
Bei den Korridorsanierungen werden vielbelastete Streckenabschnitte komplett gesperrt und generalüberholt. Vor allem die Güterbahnen kritisieren das Konzept, weil die Umleitungen aus ihrer Sicht nicht gut funktionieren. Die Bahn-Infrastrukturtochter DB InfraGO hatte am Mittwoch mitgeteilt, das Bau- und Verkehrskonzept für die Sanierung der wichtigen Ost-West-Achse zwischen Berlin und Lehrte anpassen zu müssen. Das Problem ist, dass die sogenannte Lehrter Stammbahn, die parallel zur Schnellstrecke Hannover - Berlin verläuft, nicht wie ursprünglich geplant ab Dezember 2026 als Umleitung zur Verfügung steht. Bei anderen Korridorsanierungen hatte es schon monatelange Verzögerungen gegeben.
Palla: 28.000 Baustellen sind alternativlos
In Regierungskreisen hieß es, der neue Verkehrsminister Steffen Bilger sei unzufrieden mit der Bilanz der Sanierung zwischen Berlin und Hamburg. Der CDU-Politiker sei im Gespräch mit Palla. Das Konzept der Generalsanierungen wurde bereits bis 2036 gestreckt, um die Belastung zu verteilen. Es wurde damit an den Zeitplan des 500 Milliarden Euro schweren Infrastruktur-Sondervermögens gekoppelt.
Palla, die seit knapp einem Jahr im Amt ist, sieht zwar Fortschritte bei der Bahn. "Aber wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen", sagte die Managerin. Vor allem die Sanierung der Infrastruktur sei ein beschwerlicher Weg. Hier bräuchten Bahn und Kunden einen langen Atem.
Die seit Jahren schlechten Pünktlichkeitswerte im Fernverkehr – zuletzt im Monat meist zwischen 50 und 60 Prozent – seien Ausdruck des maroden Netzes. Es werde so viel wie nie zuvor gebaut, was kurzfristig aber Einschränkungen für Kunden bedeute. Die Sanierung mit aktuell rund 28.000 Baustellen sei alternativlos, so Palla. Die Pünktlichkeitswerte sollten zunächst stabilisiert werden.
DB InfraGO aus Bahn-Konzern herauslösen?
Die Lokführergewerkschaft GDL forderte von Bilger eine völlig neue Aufstellung der DB InfraGO. "Das grundlegende Problem beginnt bereits bei der Konstruktion." Die DB InfraGO solle gemeinnützig und im Interesse aller Unternehmen der Branche arbeiten, sei aber Teil des Konzerns des Marktführers, so GDL-Chef Mario Reiß. "Milliarden-Investitionen können ihre Wirkung nur entfalten, wenn die Organisation dahinter funktioniert. Wer immer mehr Geld in eine fehlerhafte Architektur gibt, löst den Konstruktionsfehler nicht – er macht ihn nur teurer."
Es wird nicht damit gerechnet, dass Bilger die DB InfraGo aus dem Konzern herauslöst. Hier ist vor allem der Koalitionspartner SPD dagegen. Im schwarz-roten Koalitionsvertrag heißt es, die DB InfraGO solle zwar entflochten werden, dies aber innerhalb des integrierten Konzerns geschehen.
Palla sagte, sie könne nicht in zwölf Monaten aufholen, was bei der Bahn 25 Jahre versäumt worden sei. Sie verwies darauf, dass die Vorstände im Konzern und bei den Töchtern kleiner geworden seien, auch die Führungsstrukturen darunter. Die Bahn investiere zudem mehr Geld, um Züge sauberer zu machen und die Kommunikation mit den Kunden zu verbessern, auch durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Auch seien die Ticketpreise im Fernverkehr nicht erhöht worden, während die Benzinpreise für Autofahrer deutlich höher lägen.
Konzerngewinn im dreistelligen Millionenbereich
Und im Gesamtjahr 2026 sei mit einem Konzerngewinn im dreistelligen Millionenbereich zu rechnen, nachdem 2025 unter dem Strich noch ein Verlust von 2,3 Milliarden stand. Ohne positive Sondereffekte hatte die Bahn letztmals 2019 einen Nettogewinn eingefahren. Beim Konzernumbau und den ab 2028 geplanten Einsparungen von 500 Millionen Euro pro Jahr bei den Sach- und Personalkosten sei der Konzern auf einem guten Weg.
Mit Informationen von Reuters.
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