Zwei ICE Fernzüge der Deutschen Bahn fahren in den Bahnhof Köln-Deutz ein.
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Die Bahn verdient wieder Geld – und wird trotzdem unpünktlicher

Die Bahn verdient wieder Geld – und wird trotzdem unpünktlicher

Erstmals seit 2019 schreibt die Deutschen Bahn schwarze Zahlen. Die Hauptprobleme auf der Schiene sind damit aber nicht gelöst. Für den neuen Verkehrsminister Bilger bleibt die Bahn ein Sorgenkind.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

Er ist gerade einmal 24 Stunden im Amt, da bekommt Steffen Bilger (CDU) eine gute Nachricht geliefert: Die Deutsche Bahn schreibt erstmals seit 2019 wieder schwarze Zahlen: ein Plus von 147 Millionen Euro. Aber: auch die Schulden des Konzerns steigen, Züge sind weiterhin unpünktlich. Der Druck auf den Konzern und den neuen Verkehrsminister bleiben enorm. Ein Überblick.

Mehr Bahn-Reisende – auch dank teurem Sprit

Am Münchner Hauptbahnhof fragt BR24 Reisende, was sie an der Bahn schätzen: Ein Paar aus Österreich lobt die günstigen Verbindungen. Eine Berlinerin schwört auf den Sprinter nach München – mit dem Auto wäre sie länger unterwegs. Eine jüngere Frau nennt die Nachhaltigkeit und die Zeit zum Lesen.

Die Halbjahresbilanz der Deutschen Bahn zeigt: Immer mehr Menschen fahren Zug. Über 960 Millionen Menschen waren es im ersten Halbjahr, rund 17 Millionen mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Konzern führt die gestiegene Anzahl an Bahn-Reisenden vor allem auf Sonderangebote zurück: günstige Preise für Familien, junge Reisende und Kurzentschlossene. Auch der Nahverkehr legte zu: "Vor allem auf Pendlerstrecken stieg die Nachfrage, weil Berufstätige wegen der hohen Spritpreise vom Auto zum Zug wechselten", wie die Bahn mitteilt.

Dauerbaustelle: Verspätete Züge

Der Grünen-Verkehrspolitiker Matthias Gastel sieht darin ein gutes Zeichen: "Dass mehr Fahrgäste die Züge genutzt haben, daran sieht man, dass da ein Potenzial besteht", sagt er im BR24-Interview. Ihn treibt vor allem eine Frage um: "Wie viele Leute würden wohl mit der Bahn fahren, wenn die Züge pünktlicher wären?"

Denn genau hier liegt das Problem: Nicht mal 60 Prozent der Fernverkehrszüge waren im ersten Halbjahr pünktlich – dieses Ziel hatte sich der Konzern eigentlich selbst gegeben. Mobilitätsforscher Andreas Knie sagt im BR24-Interview, "beim Fernverkehr sieht es katastrophal aus". Dazu kommt: "Die Züge, die ganz ausfallen, zählen gar nicht rein in die Statistik." Als Hauptgrund für unpünktliche Züge nennt der Konzern vor allem die marode Infrastruktur und die damit verbundene "Rekordzahl an Baustelle". Die werden auch in den kommenden Jahren nicht weniger.

Der Grünen-Politiker Gastel meint: "Dort, wo anständig saniert wurde, sollte die Pünktlichkeit besser sein. Das ist auch ein Teil des Sinns der Generalsanierung". Als gelungenes Beispiel nennt er die Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim, auf der es inzwischen weniger Störungen gebe. Aber auch er weist darauf hin: Solange so viel gebaut werde, sei bei der Pünktlichkeit kaum Besserung zu erwarten. Damit dürfte auch die Unzufriedenheit der Fahrgäste bleiben.

Genau hier liegt das Problem des neuen Verkehrsministers Bilger, der daran gemessen wird – das weiß er. Im ARD-Morgenmagazin sagt er: "Es muss gelingen, dass die Pünktlichkeit besser wird, dass man saubere Züge hat, dass man sich sicher fühlt in Zügen und am Bahnhof, dass auch die Kommunikation mit den Kunden besser wird."

Druck auf neuem Verkehrsminister: Schnell und spürbar investieren

Der Druck kommt dabei vor allem aus dem Kanzleramt. Friedrich Merz hatte Bilgers Vorgänger Patrick Schnieder (alle CDU) wohl entlassen, weil er keine schnellen Fortschritte sah. Der Kanzler will Investitionen, die sichtbar ankommen und die Schuldenaufnahme von hunderten Milliarden Euro für die Infrastruktur rechtfertigen.

Aber: Die Mittel dürfen ausschließlich in Sanierung und Erhalt fließen, nicht in Aus- oder Neubau. Eine Infrastruktur, die über Jahrzehnte verschlissen wurde, lässt sich nicht in einer Legislaturperiode reparieren. Darauf hatte schon Schnieder immer wieder hingewiesen – und sein Nachfolger tut es ebenfalls. Bilger betreibt in Interviews Erwartungsmanagement: "Ich kann keine Wunder versprechen." Seine Hoffnung aber: "Wir haben insbesondere für die Bahn diese große Chance, mit den Infrastruktur-Mitteln viele Versäumnisse der Vergangenheit aufzuholen."

Er verweist damit auf politische Fehler ganzer Jahrzehnte in den eigenen Reihen: Von 2009 bis 2021 war das Verkehrsministerium durchgehend CSU-geführt, unter Peter Ramsauer, Alexander Dobrindt und Andreas Scheuer. Bilger selbst saß von 2018 bis 2021 als Staatssekretär im Verkehrsministerium unter Scheuer, der für das Desaster um die Pkw-Maut verantwortlich gemacht wird.

Im Video: Halbjahresbilanz - Bahn schreibt schwarze Zahlen

Ein ICE steht im Münchner Hauptbahnhof.
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Zum ersten Mal seit langem hat die krisengebeutelte Bahn wieder einen Gewinn eingefahren.

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