Im Chiemgau laufen die Löscharbeiten des Bergwaldbrandes bei Oberwössen. In der Nacht waren weniger Feuerwehrleute im Einsatz – und nur in Bereichen, in denen gefahrlos gearbeitet werden konnte. In den frühen Morgenstunden wurde das Gelände mit einer Wärmebilddrohne nach Glutnestern abgesucht. Nach ersten Erkenntnissen habe sich das Feuer am Lackenberg nicht weiter ausgebreitet, teilte der Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein, Hubert Hobmaier, dem Bayerischen Rundfunk auf Nachfrage mit. Der Katastrophenfall besteht weiterhin.
Löscharbeiten auch über Nacht
Die rund 300 Einsatzkräfte waren in der Nacht auf etwa ein Drittel reduziert worden. Sie fuhren Wasser in Lösch-Fahrzeugen so weit wie möglich den Berg hinauf, löschten dort – soweit gefahrlos möglich – händisch den Brand, der sich vor allem im Gipfelbereich der etwa 1.000 Meter hohen Wand ausbreitet. Und sie sorgten unten im Tal dafür, dass das Feuer sich nicht weiter den Hang runterfrisst – und die im Tal lebenden Anwohner bedroht.
Seit 06:00 Uhr früh fliegen auch schon wieder zwei österreichische Lösch-Hubschrauber, um sieben Uhr starteten auch die Hubschrauber der Bayerischen Polizei. Sie sind in dem steilen, alpinen Gelände von besonderer Bedeutung.
Die Nachlöscharbeiten am Boden werden ausgeweitet. Bergwacht und Polizei sichern die Feuerwehrkräfte im steilen Gelände. Ein Feuerwehrmann verletzte sich am Donnerstagabend leicht am Sprunggelenk.
2,5 Hektar Fläche betroffen – Bundesstraße und Badesee gesperrt
Den Verlauf der Löscharbeiten bewertete Hobmaier bereits am Donnerstagabend vorsichtig positiv. Es sei zumindest gelungen, eine signifikante Ausbreitung des Feuers zu verhindern. Immer noch seien rund 2,5 Hektar Fläche betroffen, endgültig abschätzbar sei das aber mit Blick auf das schwierige Gelände vorerst nicht.
Eine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung besteht derzeit nicht, die Lage bleibt aber dynamisch – das Gelände ist steil und felsig, auffrischender Wind könnte das Feuer wieder anfachen.
Die Bundesstraße 305 sowie gesperrte Bereiche an der Lackenbergwand und am Wössener See bleiben bis auf Weiteres geschlossen. Die Bevölkerung wird gebeten, den Einsatzbereich zu meiden und Zufahrtswege für Rettungskräfte freizuhalten.
Schnelle Hilfe nötig: Katastrophenfall ausgerufen
Der Landkreis Traunstein hatte in Absprache mit den zuständigen Ministerien den Katastrophenfall ausgerufen. "Wir haben uns entschieden, dass wir gleich voll durchstarten", sagte Landrat Andreas Danzer (Freie Wähler). Die örtlichen Einsatzmöglichkeiten in dem Ortsteil der Gemeinde Unterwössen reichten angesichts der Lage nicht aus. Man brauche schnellen Zugriff und "schlagkräftige Hilfe" bei der Brandbekämpfung. Die Brandursache ist derzeit unbekannt.
Im Video: BR-Reporterin Laura Goudkamp zum Großeinsatz in den Chiemgauer Alpen
BR-Reporterin Laura Goudkamp zum Großeinsatz in den Chiemgauer Alpen
Herausforderung Bergwaldbrand
"Die Vegetationsbrandbekämpfung im Bergwald ist sehr schwierig", erklärte der Traunsteiner Kreisfeuerwehrverbands-Sprecher Hobmeier am Donnerstag. "Das ist nicht wie ein Feld zu sehen, das 100 Meter lang und 60 Meter breit ist, und dann habe ich 6.000 Quadratmeter. Da geht es nach oben und unten, nach hinten und vorne."
Auch Deutschlands Waldbrandexperte Ulrich Cimolino beschreibt Bergwaldbrände als besonders schwierig zu bekämpfen. Bergwald sei vor allem wegen der Steilhänge eine besondere Herausforderung, weil sich Feuer dort sehr schnell nach oben ausbreite. Gleichzeitig könnten brennende Teile nach unten rutschen, sagte er am Abend im Interview mit BR24 im BR Fernsehen. Zudem könne sich das Feuer unter anderem durch Wind seitlich ausbreiten. Insgesamt sei das eine deutlich komplexere Lage als auf ebener Fläche oder bei einem Gebäudebrand.
Badesee gesperrt – Evakuierungen derzeit nicht nötig
Weiterhin seien keine Evakuierungen erforderlich, vorsorglich seien aber entsprechende Vorbereitungen getroffen worden. Alle Anwohnerinnen und Anwohner seien informiert, sagte der Sprecher des Kreisfeuerwehrverbands Traunstein am Donnerstag. Die Sicherheit der Bevölkerung habe absoluten Vorrang und man habe darauf "ein wachsames Auge".
Der Badesee in Unterwössen wurde gesperrt; das Seewasser wird zum Löschen benutzt. Für den Bereich der Lackenberg-Wand gilt ebenfalls ein Betretungs- und Befahrungsverbot. Auch die Bundesstraße 305 ist in beide Richtungen gesperrt. Für Anwohnerinnen und Anwohner bestehen derzeit keine Einschränkungen.
Der Oberwössener Bürgermeister Johannes Weber (CSU) erklärte, die Bevölkerung reagiere sehr ruhig auf die Situation. Für Fragen wurde ein Bürgertelefon eingerichtet. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde niemand verletzt.
Mit Informationen von dpa.
Zum Nachschauen: BR24live - Sommer in Bayern: Hitze, Trockenheit, Waldbrandgefahr
Waldbrand Bayern
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!


