Nach schweren Schäden an einem Hochhaus in Manhattan haben Arbeiter am Dienstagabend (Ortszeit) Notreparaturen durchgeführt, um das Gebäude zu stabilisieren. Jetzt bescheinigten die Behörden dem Wolkenkratzer ausreichende Stabilität, Evakuierungsanordnungen für umliegende Gebäude wurden aufgehoben.
"Wir beobachten das Gebäude seit vielen Stunden und haben keinerlei Bewegung festgestellt", sagte der Leiter der New Yorker Baubehörde, Ahmed Tigani, auf einer Pressekonferenz. Im Laufe der Nacht durften die Bewohner in mehrere der sieben Gebäude zurückkehren, die vorsorglich evakuiert worden waren.
Ziegelregen auf der 42nd Street
Wie die Behörden in der US-Metropole mitteilten, waren während der Hauptverkehrszeit gestern Morgen Ziegelsteine auf die Straße gefallen. Durch ein großes Fenster in der 21. Etage war eine stark verbogene Stützsäule zu erkennen. Die Böden zwischen dem 21. und 26. Stock hingen durch, das Gebäude 235 East 42nd Street mit 37 Stockwerken "bewegte sich".
Behörden ordneten daraufhin die Räumung des Gebäudes sowie mehrerer benachbarter Häuser an. Unter den evakuierten Gebäuden war nach Mamdanis Angaben auch eine nahegelegene Schule mit 400 Schülerinnen und Schülern. Polizisten riegelten Straßen ab.
Notreparaturen offenbar erfolgreich
New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani sprach zunächst von einer "äußerst ernsten Lage." Spätere Untersuchungen ergaben nach Angaben von Mamdanis Büro, dass sich die beschädigten Stahlstützen nicht weiter bewegt hatten. Daraufhin erhielten die Bauunternehmen grünes Licht für Notreparaturen. Arbeiter stützten das Tragwerk im Inneren des Hochhauses ab. Feuerwehr und Bauaufsicht prüften Gebäude in der Umgebung, um Straßensperrungen und Evakuierungen schrittweise aufheben zu können. Auch eine Drohne kam zum Einsatz.
Konzernzentrale wird zu Luxuswohnungen umgebaut
Das Gebäude ist das frühere Hauptquartier des Pharmakonzerns Pfizer an der 42nd Street, das derzeit zu einem Wohngebäude mit rund 1.600 exklusiven Wohnungen umgewandelt wird. Das für das Projekt verantwortliche Architekturbüro Gensler teilt auf seiner Website mit, zwei Bürogebäude aus den 1970er Jahren würden um 19 Etagen aufgestockt, ein angrenzender Turm werde neu gestaltet. Laut den Architekten handelt es sich um das größte derartige Umwandlungsprojekt in der Geschichte der Stadt, die Arbeiten sollten 2027 abgeschlossen werden.
Der Projektentwickler MetroLoft versucht nun, Befürchtungen über das Einsturzrisiko zu zerstreuen. Betroffen sei nur "ein kleiner Bereich eines der beiden Gebäude auf dem Gelände", erklärte das Immobilienunternehmen nach Angaben der "New York Times". Es handle sich um einen "typischen Konstruktionsfehler" des in den 1960er Jahren errichteten Gebäudes.
Statische Probleme durch Aufstockung?
Clifford Johnsen von der Baugewerkschaft Steamfitters Local 638 sieht das anders. Das Aufsetzen zusätzlicher Stockwerke auf das bestehende Bürogebäude habe Druck auf die Stützpfeiler ausgeübt, sagte er. Die Bauarbeiten seien offenbar nicht richtig geplant. "Ich bin seit 21 Jahren im Baugewerbe, und ich habe noch nie einen Träger gesehen, der sich in der Mitte durchbiegt – das ist hochgradig gefährlich", sagte Johnsen.
Aus den Unterlagen der Baubehörde geht hervor, dass die Stadt wegen Sicherheitsverstößen bereits mehrfach Bußgelder gegen das Projekt verhängt hat. Dazu zählten herabfallende Glas- und Metallteile sowie ein Vorfall, bei dem ein Arbeiter von einer Leiter stürzte.
Mit Informationen von AFP und dpa
Zum Audio: Einsturzgefahr: Wolkenkratzer in New York City geräumt
Einsturzgefahr: Straßen um New Yorker Wolkenkratzer geräumt
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