Der Youtuber Marvin Wildhage hatte viel Zeit und Geld in Planung und Ausstattung für seinen Auftritt als falsches Maskottchen beim Eröffnungsspiel der Fußball-EM in München investiert. Und der Plan ging auf: Es gelang ihm, mit Kostüm und gefälschten Ausweisen an den Spielfeldrand zu kommen und neben dem echten Maskottchen zu jubeln.
Ermittlungen gegen Wildhage
Doch der Schwindel flog auf und gegen Wildhage wurde seit 2024 wegen Urkundenfälschung, Erschleichens von Leistungen und Hausfriedensbruchs ermittelt. Jetzt wurde ihm ein Strafbefehl in Höhe von 23.000 Euro vom Amtsgericht München zugestellt, wie er selbst auf einem Social-Media-Account mitteilt. Eine Pressesprecherin des Amtsgerichts München bestätigte BR24 diesen Strafbefehl.
Wildhage legt Einspruch ein
70 Tagessätze à 250 Euro soll Wildhage nach eigenen Angaben zahlen. Sechsfache Urkundenfälschung und das Erschleichen von Leistungen lautet der Tatbestand , so die Justiz. Die Staatsanwaltschaft sieht in Wildhages Aktion eine "Täuschung im Rechtsverkehr". Als falsches Maskottchen "Albärt" habe er nach Ansicht der Staatsanwaltschaft das Spiel im Stadion verfolgen wollen, ohne dafür zu bezahlen, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt]. Dass Wildhage die schwerwiegenden Sicherheitslücken beim Eröffnungsspiel der Fußball-EM in München am 14. Juni 2024 offenlegen wollte, glaubte das Gericht nicht.
Marvin Wildhage hat jetzt Einspruch gegen den Strafbefehl eingelegt. Ein Termin für die Fortsetzung des Verfahrens liege jedoch noch nicht vor, so die Pressesprecherin des Münchner Amtsgerichts.
Kritik von Polizeigewerkschaft
Nach Ansicht der Polizei hätte der Vorfall nicht passieren dürfen. Thorsten Grimm von der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) hatte von einer nicht wegzudiskutierenden Sicherheitslücke gesprochen. Mit Blick auf die Likes für Wildhages Youtube-Video hatte er aber auch betont, dass so eine Aktion "überhaupt nicht lustig" sei. Sie demonstriere vielmehr, "mit welcher Skrupellosigkeit Influencer für ihre Followerschaft bereit sind, Sicherheitsrisiken in Kauf zu nehmen", so Grimm, der auch stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft Bayern ist.
Die Aktion des YouTubers hatte dennoch auch Folgen für das Kontrollpersonal, mit dem ein ernstes Wort gesprochen wurde - oder wie es offiziell damals hieß: Das Polizeipräsidium habe den Veranstalter "nachdrücklich sensibilisiert, die erforderlichen strengen Zutrittskontrollen zuverlässig immer durchzuführen".
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