Berater von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) machen in einem aktuellen Kurzgutachten mit dem Titel "Eskalation im Nahen Osten: Auswirkungen auf Europa – und was (nicht) zu tun ist" Vorschläge, wie mit den erheblichen wirtschaftlichen Folgen des Nahost-Kriegs für Deutschland umgegangen werden sollte. Darin sprechen sie sich gegen Entlastungen bei den Spritpreisen aus und bringen heimisches Fracking ins Spiel.
Berater gegen Preisdeckel
Der Wissenschaftliche Beraterkreis um die Ökonomen Veronika Grimm, Justus Haucap, Stefan Kolev und Volker Wieland rät, rechtzeitig Vorbereitungen zu treffen, jedoch ohne überstürzten Aktionismus. Eingriffe wie Preisdeckel, Tankrabatte oder Übergewinnbesteuerung sollten demnach vermieden werden, da sie Anpassungseffekte verhindern.
Die Preissteigerungen an den Zapfsäulen infolge des Iran-Krieges halten die Experten für nachvollziehbar: "Wenn Dinge wie etwa Öl knapp sind oder – bei lagerfähigen Gütern – knapp zu werden drohen, so steigen die Preise", schreiben sie. "Manche Nachfrager schränken dann den Konsum mehr oder weniger ein. Genau dies ist bei Knappheiten auch erwünscht."
Das Gutachten kritisierte zudem den Verzicht auf langfristige Lieferverträge aufgrund von Klimazielen, was Deutschland anfällig für schwankende Marktpreise mache.
Heimisches Fracking für mehr Unabhängigkeit
Eine mögliche Antwort auf die Iran-Krise sehen die Berater in heimischer Gasförderung, zum Beispiel durch Fracking. So könne die Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten reduziert werden.
Derzeit wird in Deutschland kaum Gas gefördert. Beim Fracking wird Erdgas aus unterirdischem Gestein gelöst. Kritiker fürchten Verunreinigungen des Grundwassers durch Chemikalien, auch das Umweltbundesamt sieht dies als Risiko.
Strategie zur Befüllung der Gasspeicher
Die Ökonomen fordern die Regierung auf, eine Strategie zur Befüllung der Gasspeicher bei Versorgungsengpässen zu entwickeln. Sie fordern außerdem, den europäischen Emissionshandel nicht zu schwächen. Er macht fossile Energieträger mit der Zeit teurer. Dies sei für eine effiziente Verfolgung der Klimaziele notwendig.
Ifo-Präsident: Folgen fürs Wirtschaftswachstum, aber nicht dramatisch
Ifo-Präsident Clemes Fuest rechnet derzeit nicht mit dramatischen Folgen für das Wirtschaftswachstum. Im ARD-Morgenmagazin sagte Fuest, er gehe von einem Wachstum von 0,8 Prozent in diesem Jahr aus – das wären 0,2 Prozentpunkte weniger, als ansonsten zu erwarten gewesen wären Sollte der Krieg länger andauern, sei dagegen von 0,6 Prozent Wachstum auszugehen.
Mit Informationen von Reuters, dpa und AFP
Im Video: Ifo-Präsident Fuest - Der Iran-Krieg wird sich negativ auf das deutsche Wirtschaftswachstum auswirken
Der Iran-Krieg wird sich laut Ifo-Präsident Fuest negativ auf das deutsche Wirtschaftswachstum auswirken - dramatische Folgen sieht er nicht.
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