Polizei vor dem Haus von Lord Peter Mandelson im Rahmen einer Untersuchung wegen Amtsmissbrauchs.
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Bildrechte: picture alliance / empics | Ben Birchall
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Epstein-Enthüllungen bringen vor allem Europäer zu Fall

Epstein-Enthüllungen bringen vor allem Europäer zu Fall

Nach der jüngsten Veröffentlichung weiterer Dokumente im Fall Epstein ist der Ruf einiger Persönlichkeiten aus Gesellschaft und Politik stark angeschlagen. Vor allem in Europa hat das Konsequenzen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Ein Prinz, ein Botschafter, ranghohe Diplomaten und Politiker: Sie alle sind durch die Veröffentlichung von Dokumenten zu den Ermittlungen gegen den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zu Fall gebracht worden. Und zwar in Europa, nicht in den USA, wo die Dokumente vom Justizministerium veröffentlicht wurden.

Eine Entlassung und ein Titelverlust

Aus den Epstein-Dokumenten geht hervor, dass sich der Finanzier ein Netzwerk aus Mitgliedern von Königsfamilien, Politikern, Milliardären, Bankern und Akademikern aufgebaut hatte. Unter ihnen ist der frühere Botschafter Großbritanniens in den USA, Peter Mandelson. Er wurde entlassen. Womöglich droht ihm auch eine Haftstrafe, weil er vertrauliche Regierungsinformationen an den später verurteilten Sexualstraftäter weitergegeben haben könnte.

Der ehemalige britische Prinz Andrew hatte bereits Ende 2025, als die posthumen Memoiren des Missbrauchs-Opfers Virginia Giuffre erschienen, Konsequenzen zu spüren bekommen: Er verlor seinen Prinzentitel. Kürzlich musste er auch seinen Wohnsitz auf Schloss Windsor räumen.

Ermittlungen in Frankreich, Rücktritte in Schweden und Slowakei

In Frankreich gibt es angesichts der jüngsten Epstein-Enthüllungen Ermittlungen: Dem früheren Kulturminister Jack Lang wird schwerer Steuerbetrug und Geldwäsche vorgeworfen.

Eine schwedische Vertreterin bei den Vereinten Nationen, Joanna Rubinstein, trat zurück, nachdem ein Besuch auf Epsteins Insel bekannt geworden war. Der nationale Sicherheitsberater des slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico, Miroslav Lajcak, gab seinen Posten wegen eines Austauschs mit Epstein auf, in dem die beiden über "wunderschöne" Mädchen diskutierten.

Besonders viele Verbindungen nach Norwegen

Kaum ein Land in Europa ist jedoch so stark von den Epstein-Enthüllungen erschüttert worden wie Norwegen. Dort wurden Korruptionsermittlungen gegen den früheren Ministerpräsidenten Thorbjørn Jagland wegen dessen Verbindungen zu Epstein eingeleitet. Das norwegische Diplomatenehepaar Terje Rød-Larsen und Mona Juul wurde ebenfalls von dem Skandal erfasst. Juul wurde als Botschafterin in Jordanien suspendiert.

Auch der Ruf des norwegischen Königshauses ist wegen neuer Details zur Freundschaft zwischen Epstein und Kronprinzessin Mette-Marit angeschlagen. Aus Dokumenten geht hervor, dass die beiden über Besuche auf Epstein-Anwesen, Termine für eine Zahnaufhellung und Shopping-Touren miteinander kommunizierten. Der Palast veröffentlichte am Freitag eine Entschuldigung.

Ermittlungen in Lettland, Litauen und Polen

In Lettland, Litauen und Polen gibt es offizielle Ermittlungen zu den Epstein-Files. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk teilte mit, dass die Dokumente auf mögliche polnische Opfer sowie mögliche Verbindungen zwischen Epstein und dem russischen Geheimdienst hin untersucht würden.

Experte: Es gibt noch "ein gewisses Maß an Schamgefühl"

In den USA scheinen die Dokumente weniger hohe Wellen geschlagen zu haben – zumindest vorerst. Der Politikwissenschaftler Rob Ford von der Universität Manchester sagte, in Großbritannien sei es "sofort eine große Story", wenn jemand in den Dokumenten auftauche. "Das legt nahe, dass wir funktionsfähigere Medien haben, wir eine funktionsfähigere Struktur der Rechenschaftspflicht haben, dass es noch immer ein gewisses Maß an Schamgefühl in der Politik gibt", sagte er.

Nur wenige prominente Amerikaner haben die Auswirkungen ihrer freundschaftlichen Beziehungen zu Epstein zu spüren bekommen. Zu ihnen zählt der frühere US-Finanzminister Larry Summers, der sich im vergangenen Jahr von seinen Lehrposten an der Harvard Universität beurlauben ließ. Die National Football League kündigte Ermittlungen zum Verhältnis zwischen Epstein und dem Co-Besitzer der American-Football-Mannschaft New York Giants, Steve Tisch, an. Dieser tauschte mitunter vulgäre E-Mails mit Epstein über potenzielle Dates mit Frauen aus.

Bislang keine Folgen für Personen aus Trump-Lager

Für andere Kontaktpersonen von Epstein in den USA hatten die Enthüllungen bislang keine größeren Konsequenzen. Die Beziehungen von US-Präsident Donald Trump zu Epstein haben zwar immer wieder für Gesprächsstoff gesorgt, jedoch keine Ermittlungen zur Folge gehabt. Trump selbst bestreitet, in kriminelle Aktivitäten verwickelt gewesen zu sein.

Ebenfalls unbescholten blieb Trump-Stratege Steve Bannon, der Hunderte Textnachrichten mit Epstein austauschte. Ebenso wie US-Handelsminister Howard Lutnick, der eine Einladung zu einem Besuch auf Epsteins Privatinsel an. Milliardär Elon Musk sprach in E-Mails von einem Besuch der Insel, mit dem Ziel, die "wildeste Party" zu erleben. Die Reise habe aber nie stattgefunden, sagt er.

Der frühere demokratische US-Präsident Bill Clinton und dessen Frau Hillary sind indessen von den Republikanern dazu gezwungen worden, vor dem Kongress über ihre einstige Freundschaft zu Epstein auszusagen.

Mit Informationen von AP

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