Angesichts zunehmender Gewalt gegen Bahnpersonal droht die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG mit Maßnahmen, die zu massiven Zugausfällen führen könnten. Wenn die Politik nicht bis Ende des Jahres für mehr Sicherheit sorge, würden die Betriebsräte Dienstpläne ablehnen, sagte Gewerkschaftschef Martin Burkert im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk.
Burkert: Vorgehen "juristisch abgedeckt"
Burkert machte klar, dass es sich dabei nicht um einen politischen Streik handelt, so etwas gebe es in Deutschland nicht. Dennoch wäre die Folge, dass Züge nicht besetzt werden könnten und stehen blieben. Er bezeichnete den Schritt als "juristisch abgedeckt" und durch die aktuelle Sicherheitslage gerechtfertigt.
Als Grund für die drastische Ankündigung nannte Burkert die gestiegene Zahl von Übergriffen auf Zugpersonal. Im ersten Halbjahr hätten Körperverletzungen und verbale Attacken erneut zugenommen. Täglich komme es zu fünf bis acht Übergriffen. Eine Umfrage unter mehr als 4.000 Beschäftigten habe ergeben, dass 83 Prozent bereits körperlich oder verbal angegriffen wurden. Das sei nicht hinnehmbar, so Burkert. Ein halbes Jahr nach einem Sicherheitsgipfel sei politisch "Stillstand" eingetreten.
"Hilferuf der Kolleginnen und Kollegen"
Die Gewerkschaft fordert konkrete Maßnahmen von der Politik. Dazu gehören Strafverschärfungen bei Übergriffen auf Bahnpersonal, wie sie bereits für Polizisten oder Feuerwehrleute gelten. Zudem brauche es mehr Bundespolizei in Fernverkehrszügen und auf Bahnhöfen.
Burkert fordert auch eine gesetzliche Grundlage, um Tonaufzeichnungen von Bodycams gerichtsfest zu machen. Solche Tonaufzeichnungen würden derzeit im Rheinland erprobt. Die angedrohten Maßnahmen seien ein "Hilferuf der Kolleginnen und Kollegen", die sicher von der Arbeit nach Hause kommen müssten.
Im Video: Gewalt gegen Bahnmitarbeiter – EVG droht mit Zugausfällen
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