Der frühere Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, ist am Dienstagmorgen unter Spionageverdacht festgenommen worden. Das berichteten mehrere Medien übereinstimmend. Nach Informationen des Rechercheverbunds von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt) ermittelt der Generalbundesanwalt gegen den 80-Jährigen unter anderem wegen des Verdachts der landesverräterischen Ausspähung, des Auskundschaftens von Staatsgeheimnissen, des versuchten Landesverrats und geheimdienstlicher Agententätigkeit.
- Zum Artikel von NDR und WDR auf tagesschau.de: Ermittler nehmen Ex-BND-Chef Hanning fest
Festnahme am frühen Morgen
Ermittler des Bundeskriminalamts (BKA) nahmen Hanning demnach am frühen Morgen in seinem Haus in Nordwalde bei Münster fest. Auch ein weiterer ehemaliger hochrangiger BND-Mitarbeiter wurde festgenommen. Nach Recherchen von NDR, WDR und SZ handelt es sich dabei um Manfred D., Hannings früheren Büroleiter. Er wurde demnach in Bayern, im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, festgenommen und arbeitete noch bis zum Frühjahr 2026 für den BND. Ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe erließ gegen D. Haftbefehl wegen Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung, wie die Bundesanwaltschaft am Dienstagnachmittag mitteilte. Hanning soll an diesem Mittwoch dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden.
Ex-BND-Mitarbeiter in Bayern festgenommen
Laut Bundesanwaltschaft soll Manfred D. seinen ehemaligen Chef auch nach dessen Zeit beim BND weiter mit Informationen des Nachrichtendienstes versorgt haben. Den Ermittlungsbehörden zufolge arbeitete D. von März 2012 bis März 2026 weiter als Büroleiter für BND‑Präsidenten. Hanning leitete den Bundesnachrichtendienst von 1998 bis 2005, danach war er Staatssekretär im Bundesinnenministerium. Im Anschluss wechselte Hanning in die Privatwirtschaft und arbeitete als Sicherheitsberater. Nach dem Ende von Hannings Amtszeit beim BND sollen beide Männer verabredet haben, dass Manfred D. gegen Geld auch weiter Erkenntnisse des Dienstes an Hanning weitergibt. Diese habe Hanning für seine Beratertätigkeit nutzen können, hieß es.
Es geht um tausende Dokumente
Gut 2.000 Dokumente soll D. laut Bundesanwaltschaft Hanning über die Jahre so zur Verfügung gestellt haben. Viele davon seien als Verschlusssache eingestuft und ausschließlich für die interne Verwendung bestimmt gewesen, etwa für Lagebesprechungen verschiedener Spitzenbeamter im Kanzleramt. Bei den Unterlagen soll es sich laut Recherchen um äußerst sensible Berichte handeln, etwa zum iranischen Atomprogramm oder zur russischen Armee. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen sollen darunter auch Informationen ausländischer Partnerdienste sein. Ein Abfluss solchen Materials gilt unter Nachrichtendiensten als schlimmstmögliches Ereignis. Befreundete Geheimdienste könnten das Vertrauen in den BND verlieren und die Behörde von essenziellen Informationen abschneiden.
Ermittlungen kamen durch Block-Fall ins Laufen
Zuletzt stand er auch im Fokus wegen einer möglichen Beteiligung an der Entführung der Kinder der Hamburger Unternehmerin Christina Block. Der frühere Präsident des Bundesnachrichtendienstes und ein pensionierter Beamter des Landeskriminalamts (LKA) Hamburg stünden im Verdacht, als Verantwortliche einer Sicherheitsfirma 2022 einen Auftrag von Christina Block zur Kindesentziehung angenommen zu haben, hatte die Staatsanwaltschaft im Herbst 2025 mitgeteilt.
Durch die Ermittlungen in diesem Fall waren die Beamten Hanning und seinem Mitarbeiter auf die Spur gekommen. Das aktuelle Verfahren gehe auf Funde aus einer Durchsuchung bei Hanning im Zusammenhang mit dem Block-Fall zurück, teilte die Bundesanwaltschaft mit.
BND-Chef Jäger bekräftigt Unterstützung bei Aufklärung
Dass die Tätigkeit der Verdächtigen offenbar jahrelang unentdeckt blieb, wirft kein gutes Licht auf den Bundesnachrichtendienst. "Der BND hat frühzeitig und unverzüglich umfangreiche interne Ermittlungen einleiten lassen, die den Verdacht erhärteten", teilte der aktuelle BND-Präsident Martin Jäger mit. "Für den BND und mich gibt es bei der internen Sicherheit keine Kompromisse. Keines meiner Ziele, keine meiner Prioritäten wird durch diesen Vorgang in Frage gestellt."
Erst am Montag hatte Jäger vor einer verschärften Sicherheitslage und einem möglichen gewalttätigen Konflikt mit Russland gewarnt. Er sprach von einem "Schattenkrieg", den Russland gegen den Westen und vor allem Deutschland führe. Offenbar stand Russland aber nicht auf der Liste der Länder, die Hanning mit Informationen versorgt haben soll. Als möglich gilt, dass der ehemalige BND-Chef etwa Staaten wie Israel vertrauliche Papiere zugespielt haben könnte.
Mit Informationen von dpa
Der frühere Chef des BND August Hanning ist heute Morgen festgenommen worden. Im Interview: ARD-Terrorismusexperte Holger Schmidt.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

