Die Eisheilige "kalte Sophie" sorgt bei kühlem Wetter nicht gerade für Andrang in den Freibädern. Doch die Saison hat begonnen und die Stadt Verl in Nordrhein-Westfalen steht in den Schlagzeilen. Das Freibad dort lässt Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren nur noch ohne Erwachsene ins Bad, wenn sie das Schwimmabzeichen in Bronze haben. Viele Kinder und Jugendliche könnten gar nicht oder nur schlecht schwimmen. Die Verantwortung für die Minderjährigen könne die Badaufsicht nicht übernehmen.
Kostenfrage Schwimmabzeichen
Die Reaktionen von Eltern und Jugendlichen sind laut einer Umfrage des BR gemischt. Für ihn sei das kein Problem, sagt etwa ein Jugendlicher, er habe so ein Abzeichen. Aus Elternsicht sagt eine Mutter, sei das eine "ganz schöne Kostenfrage, gerade auch in München, wenn man für fünf Stunden Schwimmunterricht 200 Euro bezahlt".
"Wer ein Schwimmbadzeichen abgelegt hat, kann sicher schwimmen"
Wie sinnvoll ist es, Kinder und Jugendliche unter 16 nur mit Schwimmabzeichen allein ins Freibad zu lassen? Da könne man sicherlich geteilter Meinung sein, sagt Martin Holzhause, Sprecher der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) im BR. "Fakt ist, wer ein Schwimmbadzeichen abgelegt hat, kann sicher schwimmen. Und das ist dann ein Beleg für den Badbetreiber, dass er Gäste hat, die schwimmen können und nicht gefährdet sind.
Verantwortung liegt bei den Eltern
Letztendlich sind es ja die Eltern oder Aufsichtspersonen, die auf Nichtschwimmerkinder aufpassen sollten. Gerade an heißen Tagen, so Martin Holzhause, könne die Badeaufsicht nicht für Gewähr sorgen.
Wie viele kritische Situationen es in Freibädern gibt, ist statistisch nicht erfasst. Es dürfte, so der Experte, von Bad zu Bad unterschiedlich sein. Deswegen sei es wichtig, dass Eltern sich bewusst sind, dass sie auf ihre Kinder auch im Bad aufpassen sollten.
Ausweichen auf unbewachten See
Noch einen Gedanken hat Holzhause: Wenn Jugendliche wegen eines fehlenden Schwimmabzeichens nicht ins Schwimmbad gehen können, dann habe das nicht zur Folge, dass sie ihre Eltern mitbrächten. Vielmehr "gehen die dann vielleicht zum See, der nicht bewacht ist".
Insofern sei es natürlich auch wichtig, wenn man sich als Betreiber oder als Kommune so eine Regelung überlegt, um die eigene Sicherheit im Bad zu gewähren, dass man eben auch Angebote schafft, das Schwimmabzeichen machen zu können.
Lange Wartezeiten für Schwimmkurse
Der Schwimmunterricht in den Schulen sei leider nicht überall gewährleistet, so Holzhause. Aus Sicht der DLRG sollten alle Jungen und Mädchen in der Schule das Schwimmen lernen können, denn dort würden alle Kinder erreicht. Die Kommunen müssten dafür die Voraussetzungen schaffen.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
