Hand hält Smartphone mit SpaceX Starlink logo
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Geht es ohne Elon Musk? EU sucht Alternativen zu Starlink

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Geht es ohne Elon Musk? EU sucht Alternativen zu Starlink

Geht es ohne Elon Musk? EU sucht Alternativen zu Starlink

Elon Musks Firma SpaceX leistet Satellitenunterstützung für die Ukraine. Nun gibt es Überlegungen, umzusteigen - doch das ist schwierig, weil Starlink technisch weit vorne und die EU selbstverschuldet technologisch weit hinten liegt.

Für immer mehr Autokäuferinnen und -käufer in Europa geht es auch ohne Tesla. Der Absatz des E-Autoherstellers ist fast um die Hälfte eingebrochen, seitdem Firmenchef Elon Musk sich zugunsten von Rechtspopulisten in die Politik einmischt. Bei anderen Erzeugnissen aus Musks Firmenimperium fällt Europa der Umstieg deutlich schwerer. So greift die ukrainische Armee bei der Verteidigung gegen die russischen Angreifer auf Musks Satellitennetzwerk Starlink zurück.

Das Satellitennetzwerk des US-Raumfahrtunternehmens SpaceX versorgt nach eigenen Angaben Amerika, Australien, einige afrikanische Staaten und viele Länder Europas mit Internet. In der Ukraine ist Satellitenunterstützung unerlässlich, um Truppen im Gefecht zu koordinieren und Drohnen zu steuern. Sie ist außerdem notwendig, damit Behörden, Firmen und Bürger trotz zerstörter Infrastruktur das Internet nutzen können. Die Ukraine arbeitet nach eigenen Angaben mit rund 42.000 Starlink-Bodenstationen. Die Kosten übernimmt etwa zur Hälfte Polen. Warschau hat nach eigenen Angaben seit Kriegsbeginn insgesamt rund 77 Millionen Euro für Kiews Zugang zu Starlink gezahlt.

Eutelsat bringt sich ins Gespräch

Obwohl Musk versichert, sein System nicht abzuschalten, sieht sich die ukrainische Regierung nach Alternativen um. Ein EU-Kommissionssprecher gab sich für den Fall eines möglichen Starlink-Rückzuges selbstbewusst: "Wir halten tatsächlich Kapazitäten vor. Mit Blick auf die Verbindungsmöglichkeiten könnten wir heute liefern, was die Ukraine dann wohl benötigen würde, aber angesichts der jüngsten Entwicklungen ist das unwahrscheinlich. Die EU kann auch den Bedarf an militärischen Fähigkeiten decken".

Falls Starlink doch aussteigen sollte, bietet sich der französische Satellitenbetreiber Eutelsat als Alternative an. Eutelsat hat vor zwei Jahren die Satellitenkonstellation des englischen Anbieters One Web übernommen und ist schon jetzt in der Ukraine tätig. Eutelsat-CEO Eva Berneke berichtet in einem Interview mit Bloomberg TV von zunehmenden Anfragen von EU-Regierungen, Starlink zu ersetzen. "Bis jetzt haben wir dort mit Starlink zusammengearbeitet. Aber es ist klar, dass wir heute von allen gefragt werden: 'Könnt ihr wirklich die vielen Starlink-Terminals in der Ukraine ersetzen?' Wir ziehen das sehr aktiv in Betracht".

Starlink technisch vorne

One Web könnte zwar Aufgaben von Starlink übernehmen, das deutlich leistungsfähigere US-System allerdings nicht vollständig ersetzen, sagt Matthias Wachter, der beim Bundesverband der Deutschen Industrie die Abteilung Internationale Zusammenarbeit, Sicherheit, Rohstoffe und Raumfahrt leitet. "Starlink hat heute mehr als 7.000 Satelliten im Orbit, One Web weniger als 700. Es gibt hier also einen Unterschied im Faktor 10. Und dieser Unterschied in der Anzahl der Satelliten hat große Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit der jeweiligen Systeme".

Weil Starlink über deutlich mehr Satelliten verfügt, können diese nach Wachters Angaben tiefer fliegen und weniger Fläche genauer abdecken. Das ermöglicht es ihnen, viel größere Datenmengen praktisch verzögerungsfrei zu übertragen. Nach Wachters Worten hat Starlink außerdem die moderneren und leistungsfähigeren Bodenstationen. Eutelsat fertigt diese Terminals nicht selbst, sondern lässt sie von Partnerfirmen bauen. Die könnten kurzfristig mehr liefern, betont Eutelsat-Chefin Berneke: "Wir haben derzeit einige Tausend in der Ukraine. Um alle 40.000 Starlink-Terminals zu ersetzen, bräuchten wir ein Vielfaches davon. Das würde wohl ein paar Monate, aber nicht Jahre dauern. Innerhalb von Wochen könnten wir die Zahl mindestens verdoppeln oder verdreifachen. Das ist vor allem eine Frage der Logistik".

Europa muss schnell aufholen

Nach Angaben der EU-Kommission interessiert sich Kiew für das europäische Netzwerk Govsatcom, das bestehende nationale Satellitenkapazitäten in der EU bündelt und für Behörden, Organisationen und Drittländer bereitstellt. Zudem will die Ukraine von IRIS² profitieren, das flächendeckendes Internet verspricht, mit weniger Satelliten als Starlink, die aber drei verschiedene Umlaufbahnen nutzen und so eine vergleichbare Leistung erzielen – allerdings frühestens 2030. Europaabgeordnete fordern Kommission und Mitgliedstaaten deshalb auf, Tempo zu machen und Genehmigungsverfahren abzukürzen.

Nach Ansicht des BDI-Experten Wachter hat Europa das Thema Raumfahrt vernachlässigt: "Für uns war das lange nice to have, aber keine strategische Notwendigkeit. Das hat dazu geführt, dass wir sogar Satelliten der Bundeswehr lieber mit außereuropäischen Anbietern gestartet haben als mit eigenen Trägersystemen. Die Veränderungen in der Welt und der Krieg in der Ukraine führen hoffentlich dazu, dass wir eine andere Sichtweise auf das Thema Raumfahrt bekommen. Nur so können wir unseren Abstand auf die USA und auf China reduzieren."

Immerhin will die EU massiv aufrüsten und dafür nach Angaben von Kommissionschefin Ursula von der Leyen bis zu 800 Milliarden Euro mobilisieren. Nach Ansicht von BDI-Fachmann Wachter besteht dabei die große Herausforderung darin, diese Mittel effizient einzusetzen.

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