Bahnchefin Evelyn Palla appelliert an die Fahrgäste, Geduld für die laufenden Sanierungsarbeiten am Gleisnetz aufzubringen. Trotz erheblichem finanziellen Einsatz seitens des Bundes, erwartet sie, dass die Erneuerung des maroden Systems mindestens zehn Jahre in Anspruch nehmen wird. "Es wird lange dauern", erklärte Palla der Deutschen Presse-Agentur. Sie verteidigte dabei auch den Ansatz, größere Bauabschnitte mit längeren Vollsperrungen zu kombinieren, um effizienter voranzukommen.
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Palla will den Reiz des Bahnfahrens zurückbringen
Die jüngsten Mängel, wie Zugausfälle und defekte Toiletten in ICEs, haben das Image der Deutschen Bahn stark belastet. Palla betonte, dass das Reisen mit der Bahn für viele ein Ausdruck von Freiheit und Lebensgefühl sei und dass dies auch wieder in den Mittelpunkt gerückt werden müsse. "Deswegen müssen wir jetzt handeln, um den Reiz des Bahnfahrens zurückzubringen", so die Bahnchefin.
Ihre Mission sei es, eine Bahn zu schaffen, auf die alle stolz sein können – nicht nur die Mitarbeiter, sondern das gesamte Land. Doch der Weg dahin sei steinig, räumt Palla ein. Sie verspricht jedoch, dass bereits kurzfristige Maßnahmen, wie mehr Sauberkeit und Sicherheit an den Bahnhöfen sowie eine verbesserte Reiseinformation, erste Veränderungen für die Fahrgäste bringen sollen.
28.000 Bahn-Baustellen in 2026 - Palla verteidigt Vollsperrungen
Das Gleisnetz leidet unter jahrelang vernachlässigten Instandhaltungen, weshalb umfassende Sanierungen notwendig sind. Bis 2036 sollen mehr als 40 stark frequentierte Strecken grundlegend erneuert werden. Um diese ambitionierten Vorhaben zu finanzieren, fließen Mittel aus dem schuldenfinanzierten Sondervermögen des Bundes. In diesem Jahr will die Bahn mehr als 23 Milliarden Euro verbauen. Nach rund 26.000 Baustellen 2025 werden es in diesem Jahr voraussichtlich 28.000 sein.
Palla verteidigte das Konzept von Vollsperrungen trotz der Kritik an Verzögerungen, etwa im Abschnitt zwischen Hamburg und Berlin. Die Sanierung dieses Korridors verzögert sich aufgrund des extremen Winters, aber Palla versichert, dass die Arbeiten bis spätestens Ende April abgeschlossen sein sollen. Die Bahn werde rechtzeitig über den aktuellen Stand informieren.
Überlastete Bahnknoten: Weniger Züge - dafür pünktlicher
Neben den notwendigen Sanierungen kämpft die Bahn auch mit überlasteten Bahnknoten wie in Hamburg, Berlin oder Frankfurt. Um dort Abhilfe zu schaffen, werden derzeit Lösungen mit den Ländern erarbeitet. Palla erklärte, dass es künftig weniger Züge auf den besonders stark frequentierten Strecken geben könnte, dafür sollen die verbliebenen Züge pünktlicher und zuverlässiger werden.
Trotz der Winterprobleme zu Beginn des Jahreshält die Bahn am Ziel fest, 60 Prozent Pünktlichkeit im Fernverkehr bis 2026 zu erreichen. Bei den Ticketpreisen gab es für Fahrgäste in den letzten Monaten keine Erhöhung. Palla kündigte jedoch an, dass die Preise auch weiterhin jedes Jahr überprüft werden, wobei die Qualität des Services und betriebswirtschaftliche Aspekte berücksichtigt werden.
Mit Informationen von dpa
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