"Verschwenden wir keine Zeit mit verrückten Ideen", ruft Frankreichs Präsident Emmanuel Macron von der Bühne des Weltwirtschaftsforums in Davos. "Es ist nicht die Zeit für neuen Imperialismus oder neuen Kolonialismus." Wen er damit meint, ist klar – auch wenn der Franzose Donald Trump nicht ein einziges Mal beim Namen nennt.
Programm in Davos spielt Europäern in die Karten
Heute ist der US-Präsident genau ein Jahr im Amt, morgen will er in Davos sprechen – eine Rede, auf die die ganze Welt blickt: Trump spricht dieser Tage offen über eine Annexion Grönlands und droht Verbündeten mit Zöllen. Das Weltwirtschaftsforum wird zum Krisengipfel – und aus Sicht der Europäer hätte man das Treffen in den Schweizer Bergen kaum besser choreographieren können.
Heute hatten die von Trump in die Enge getriebenen Europäer die Chance, vorzulegen. Erst EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen, dann Macron selbst. Er war zuletzt als schärfster Kritiker des US-Präsidenten aufgetreten. Auf Trump antworten kann dann einen Tag später Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Die Europäer könnten – Einigkeit vorausgesetzt – Trump quasi in die Zange nehmen.
Macron: "Wir bevorzugen Respekt statt Tyrannen"
Macron und von der Leyen blieben dabei noch zurückhaltend – anders als der deutsche Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD), der Trump direkt Erpressung vorgeworfen hatte. Von der Leyen verurteilte Trumps Vorgehen zwar, blieb im Ton aber eher mild. Macron sprach für Europa: "Wir bevorzugen Respekt statt Tyrannen, wir ziehen Wissenschaft Verschwörungstheorien vor, und wir bevorzugen Rechtsstaatlichkeit statt Brutalität." Doch sagte er nicht klar, ob er sich damit auf Trump bezog.
Den USA allgemein warf Macron vor, Europa schwächen zu wollen, und sprach von einer "Konkurrenz aus den Vereinigten Staaten durch Handelsabkommen, die unsere Exportinteressen untergraben, maximale Zugeständnisse verlangen und offen darauf abzielen, Europa zu schwächen und zu unterwerfen, verbunden mit einer endlosen Anhäufung neuer Zölle, die grundsätzlich inakzeptabel sind, umso mehr, wenn sie als Druckmittel gegen die territoriale Souveränität eingesetzt werden".
Von der Leyen und Frederiksen betonen Souveränität
Die von Trump angekündigten Zusatzzölle gegen europäische Alliierte seien ein Fehler, sagte auch von der Leyen. Die EU werde entschlossen, aber mit Augenmaß reagieren. Macron pochte erneut darauf, das EU-Gesetz zur Abwehr wirtschaftlicher Nötigung – die sogenannte Handels-Bazooka – als "mächtiges Instrument" zu nutzen. Damit lägen Gegenzölle sowie Ein- und Ausfuhrbeschränkungen für Waren und Dienstleistungen auf dem Tisch. "Europa verfügt heute über sehr wirksame Instrumente, und wir müssen sie einsetzen, wenn wir nicht respektiert werden und wenn übrigens das gesamte Spiel nicht respektiert wird", warb Macron.
Von der Leyen betonte, Grönland und Dänemark hätten die volle Solidarität der EU, die Souveränität und Integrität ihres Territoriums seien nicht verhandelbar. Ähnlich äußerte sich Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen. Man könne nicht über Souveränität, Identität, Grenzen und Demokratie verhandeln. Das sei eine Frage der Weltordnung, sagt sie vor dem Parlament und bekräftigte: "Ich werde Grönland nicht preisgeben."
Trump provoziert mit Fotomontagen
US-Präsident Trump hatte seine Forderung nach dem Erwerb Grönlands durch die USA in der Nacht noch einmal bekräftigt. Er habe deswegen ein "sehr gutes" Telefonat mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte geführt, schreibt Trump auf seiner Online-Plattform Truth Social.
Mit einer Fotomontage deutete er an, dass er neben Grönland auch Kanada unter die Kontrolle der Vereinigten Staaten bringen will. Auf dem KI-Bild wird Trump im Oval Office mit europäischen Staats- und Regierungschefs und einem Plakat gezeigt, auf dem neben den USA auch Venezuela, Grönland und Kanada in Farben der US-Flagge dargestellt werden.
In die Debatte schaltete sich auch der demokratische Gouverneur des US-Bundesstaats Kalifornien ein, Gavin Newsom, ebenfalls ein Gast in Davos, der als möglicher Herausforderer Trumps bei der Wahl 2028 gehandelt wird. Er rief die Europäer auf, endlich gegen Trump aufzustehen und "Rückgrat" zu beweisen. Die Reaktion auf die Zolldrohungen sei "erbärmlich".
Im Video: Europäer kritisieren Trump
Das Weltwirtschaftsforum läuft - die Schlagzeilen bestimmt aber jemand, der erst morgen erwartet wird — Donald Trump.
Mit Informationen von dpa und Reuters
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
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