Nach einem Massenunfall mit 40 Fahrzeugen auf der A3 bei Würzburg hat das Würzburger Amtsgericht heute einen Mann verurteilt – wegen fahrlässiger Tötung in zwei Fällen und fahrlässiger Körperverletzung, ebenfalls in zwei Fällen. Er muss eine Geldstrafe in Höhe von 15.000 Euro zahlen, aufgeteilt in 150 Tagessätze zu je 100 Euro. Der Mann hat das Urteil akzeptiert, damit ist es direkt rechtskräftig.
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Zu schnell auf nasser Fahrbahn unterwegs, schlechte Sicht
Angeklagt war der Familienvater wegen fahrlässiger Tötung. Bei einer Verkettung von mehreren Verkehrsunfällen war er auf der A3 auf Höhe der Ausfahrt Helmstadt im Landkreis Würzburg in ein Stauende gekracht. "Die Sichtverhältnisse waren ungünstig, dafür ist der Mann zu schnell gefahren. Die Reaktion beim Bremsen hat gefehlt", so erklärt es die Vorsitzende Richterin in ihrer Urteilsbegründung. Die Fahrbahn sei nass gewesen, durch die Sonne und die aufgewirbelte Gischt sei die Sicht schlecht gewesen. Da waren sich alle Prozessbeteiligten einig.
Gericht: "Wir können die Schuld nur rechtlich würdigen"
Trotzdem war der Angeklagte laut Gutachten mit etwa 120 km/h auf der A3 unterwegs. Nahezu ungebremst sei er auf das Auto am Stauende aufgefahren. Zeit, zu bremsen, wäre da gewesen, so der Gutachter. Nach Ansicht der Richterin war der Angeklagte über mehrere Sekunden unachtsam, ansonsten hätte der Unfall vielleicht sogar verhindert werden können.
Die Richterin hat sich das Urteil nicht leicht gemacht. "Wir können nicht die Frage beantworten, wie viel zwei Menschenleben wert sind. Wir können die Schuld nur rechtlich würdigen", so die Richterin weiter.
Tödlicher Unfall auf der A3 bei Würzburg
Die A3 bei Würzburg war am 24. März 2024 ein einziges Schlachtfeld: Mehrere demolierte Autos waren ineinander verkeilt, Autoteile und Glasscherben überall daneben. Ein Großaufgebot der Feuerwehr war vor Ort, im Hintergrund staute es sich kilometerweit. Bei diesem Massenunfall sind zwei Menschen ums Leben gekommen – eine 52-jährige Frau und ein zweijähriges Kind. Das Auto der beiden hatte Feuer gefangen. Es war der Start der Osterferien in Bayern.
Mehrere Unfälle auf der Autobahn, 40 Autos beteiligt
Auf dem Autobahn-Abschnitt in Richtung Nürnberg waren an dem Tag vier Unfälle kurz hintereinander passiert. So hat es ein Polizist vor Gericht geschildert. Etwa 40 Autos waren beteiligt. Zum Teil haben Fahrzeuge gebrannt. Neben den beiden Toten gab es 27 Verletzte – beispielsweise ein weiteres Kind, das lebensgefährlich verletzt in ein Krankenhaus kam. Weitere Personen wurden ebenfalls lebensbedrohlich verletzt.
Ein beschädigtes Fahrzeug am Straßenrand soll zuvor mehrere Personen abgelenkt haben, die mit ihren Autos auf der A3 unterwegs waren. So hatte es die Polizei damals in ihrem Bericht gemeldet. Im darauffolgenden Stau sind dann die Auffahrunfälle passiert.
Belastende Situation für die Einsatzkräfte: "Kriegsähnliche Szenen"
Die Rettungskräfte hatten die Situation vor zwei Jahren als sehr chaotisch und belastend beschrieben. Für Paul Justice, den damaligen Einsatzleiter vom Bayerischen Roten Kreuz, war es einer der größten Verkehrsunfälle, die er in seiner langen Laufbahn erlebt hat.
"Beim Eintreffen bot sich mir in den ersten 60 Sekunden ein chaotisches Bild. Notärzte wiesen auf verschieden schwer verletzte Patienten an verschiedenen Orten hin", sagte Justice in einem BR-Interview. So habe etwa ein Mann versucht, Verunglückte aus einem brennenden Auto zu ziehen – doch er sei selbst schwer verletzt gewesen. Ein Polizist, der damals vor Ort war, sprach vor Gericht von kriegsähnlichen Szenen, mit schreienden und verletzten Menschen.
200 Einsatzkräfte vor Ort, Stelle als Unfallschwerpunkt bekannt
Insgesamt waren knapp 200 Rettungskräfte vor Ort. Den Schaden hat die Polizei damals auf knapp 200.000 Euro geschätzt. Die Stelle auf der A3 in Richtung Nürnberg, auf Höhe der Ausfahrt Helmstadt, gilt als unübersichtlich – und ist laut Polizei ein Unfallschwerpunkt.
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