Nach dem tödlichen Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantik geht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) von einer Übertragung von Mensch zu Mensch aus. "Wir vermuten, dass es bei sehr engem Kontakt eine Übertragung von Mensch zu Mensch gibt", sagte die WHO-Epidemiespezialistin Maria Van Kerhove am Dienstag in Genf. Der erste auf dem Schiff erkrankte Passagier habe sich vermutlich infiziert, bevor er an Bord gegangen sei.
Mittlerweile sieben bestätigte oder vermutete Infektionen
Auf dem vor Kap Verde festsitzenden Kreuzfahrtschiff "Hondius" hat sich die Zahl der Hantavirus-Fälle weiter erhöht. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden inzwischen sieben bestätigte oder vermutete Infektionen registriert. Darunter sind drei Tote (zwei Niederländer, ein Deutscher), eine schwer erkrankte Person sowie drei weitere Passagiere mit milden Symptomen. Rund 150 Menschen – überwiegend aus Großbritannien, den USA und Spanien – harren weiterhin auf dem Schiff aus, das sich vor der Küste der Kapverden befindet.
Ein schwer erkrankter Brite wurde von der Insel Ascension nach Südafrika ausgeflogen. Die südafrikanischen Behörden bestätigten, dass der in Johannesburg behandelte Patient positiv auf das Hantavirus getestet wurde. Die Niederlande bestätigten das Virus bei der verstorbenen Niederländerin. Der erste erkrankte Passagier, ein Niederländer, war bereits am 11. April gestorben.
Atmosphäre an Bord offenbar ruhig, Passagiere gefasst
Die Behörden von Kap Verde weigern sich, die Passagiere an Land zu lassen. Laut der WHO-Epidemiespezialistin soll das Schiff nun voraussichtlich zu den Kanarischen Inseln fahren. Spanien habe sich bereit erklärt, die "MV Hondius" anlegen zu lassen, sagte Van Kerkhove. Ziel sei es, den Vorfall zu untersuchen, das Schiff gründlich zu desinfizieren und das Risiko für die verbleibenden Passagiere zu bewerten.
Die UN-Gesundheitsorganisation bekräftigte ihre Einschätzung, dass das Risiko für die Allgemeinheit gering sei. Die Atmosphäre an Bord sei ruhig und die Passagiere im Allgemeinen gefasst, teilte der niederländische Betreiber Oceanwide Expeditions mit. Man arbeite daran, die Passagiere untersuchen und von Bord bringen zu lassen. Dafür werde erwogen, nach Las Palmas oder Teneriffa in Spanien weiterzufahren.
Anden-Typ des Hantavirus
Die "Hondius" hatte ihre als Naturexpedition in die Antarktis beworbene Reise im März in Ushuaia in Südargentinien begonnen. Die Preise für eine Koje lagen zwischen 14.000 und 22.000 Euro. Das Schiff hatte auf seiner Fahrt einige der am meisten entlegenen Orte der Welt besucht, darunter die Insel Tristan da Cunha im Südatlantik.
Das Hantavirus wird üblicherweise durch Ausscheidungen von Nagetieren übertragen. Doch bei dem Anden-Typ des Virus, der in diesem Fall vermutet wird, seien auch Infektionen zwischen Menschen bei engem Kontakt möglich, erklärte die WHO-Epidemiespezialistin Maria Van Kerhove.
Die Krankheit beginnt mit grippeähnlichen Symptomen und kann zu Herz- und Lungenversagen führen. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC enden etwa 40 Prozent der Fälle tödlich. Da es keine spezifischen Medikamente gibt, konzentriert sich die Behandlung auf die Linderung der Symptome.
Mit Informationen von Reuters, AFP
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