"Mission erfüllt", sagte die spanische Gesundheitsministerin Mónica García Gómez im Hafen von Granadilla. Binnen zwei Tagen sind 125 Passagiere und Besatzungsmitglieder aus 23 Ländern auf Teneriffa von dem Kreuzfahrtschiff evakuiert worden. Das Schiff ist nun unterwegs nach Rotterdam in den Niederlanden. An Bord sind neben 25 Besatzungsmitgliedern und zwei medizinischen Mitarbeitern auch die Leiche einer Deutschen, die am 2. Mai an den Folgen einer Hantavirus-Infektion gestorben war.
Weiterer Passagier positiv auf das Hantavirus getestet
Kurz nach dem Verlassen des Kreuzfahrtschiffs wurde ein spanischer Passagier positiv auf das Hantavirus getestet und in ein Krankenhaus eingeliefert. Er zeige jedoch bislang keine Krankheitssymptome, gab das Gesundheitsministerium in Madrid bekannt. Zuvor waren zwei Passagiere - eine Französin und ein US-Bürger - nach Verlassen des Schiffs positiv getestet worden.
Am Montag hatten 28 Menschen in blauen Schutzanzügen die "Hondius" verlassen. In Bussen wurden sie zum Flughafen Teneriffa Süd gebracht und in zwei Maschinen in die Niederlande ausgeflogen. Am frühen Dienstagmorgen landeten sie in Eindhoven. An Bord waren hauptsächlich Ärzte und Besatzungsmitglieder, unter ihnen ein Deutscher, sowie mehrere Kreuzfahrtgäste aus Australien und Neuseeland.
Patientin aus Bayern im Schwabinger Krankenhaus
Eine der ausgeflogenen deutschen Kontaktpersonen kommt aus Bayern. Am Montag wurde sie im Klinikum Schwabing aufgenommen. Sie bleibe dort vorerst in einem isolierten Zimmer in Quarantäne, teilten das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und das Krankenhaus mit. Die Person sei in einer "stabilen klinischen Verfassung" und werde in der Klinik bleiben, bis die Inkubationszeit vorbei sei.
Die weiteren deutschen Passagiere stammen aus Berlin, Baden-Württemberg und Sachsen. Alle seien nach Angaben des Bundesgesundheitsministerium "vollständig ohne Symptome".
Passagiere müssen sich auf lange Quarantäne einstellen
Nach Angaben des Bundesgesundheitsministerium (BMG) steht für die vier Betroffenen nun häusliche Quarantäne an: "Während der nächsten Wochen werden die Kontaktpersonen kontinuierlich und engmaschig auf Symptome überwacht." Falls eine Person erkranken sollte, könne sie in speziellen Zentren nach besten medizinischen Standards und sicher behandelt werden.
Auch aus zunächst negativen PCR-Tests lasse sich nicht mit absoluter Sicherheit schließen, dass die Passagiere virusfrei sind, sagte Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). "Ein negativer PCR-Test zu einem frühen Zeitpunkt schließt eine spätere Erkrankung nicht sicher aus, wenn sich die Person noch in der Inkubationsphase befindet und das Virus im Blut noch nicht nachweisbar ist."
Lange Inkubationszeit – weitere Infektionsfälle möglich
Das Hantavirus ist nach Angaben der Weltgesundheitsrganisation (WHO) unmittelbar nach dem Auftreten erster Symptome besonders ansteckend. Angesichts der langen Inkubationszeit könnten in den kommenden Tagen möglicherweise noch weitere Infektionsfälle unter den Passagieren und Besatzungsmitgliedern auftreten, so ein WHO-Experte.
Die WHO nimmt an, dass die Infektionskette auf der "Hondius" auf ein niederländisches Ehepaar zurückgeht, das am 1. April an Bord ging. Der Mann hatte sich vermutlich als Erster angesteckt und entwickelte am 6. April Fieber, Kopf- und Bauchschmerzen sowie Durchfall. Am 11. April starb er.
Experten: Kein Risiko für umfassende Ausbreitung
"Die betroffenen Personen werden international nachverfolgt, Hochrisikokontakte werden beobachtet oder quarantänisiert, symptomatische Personen werden rasch getestet und isoliert, und die Krankenhäuser wissen nun, worauf sie achten müssen", so der Virologe Schmidt-Chanasit.
Das sogenannte "Andesvirus" ist das einzige Hantavirus, das in seltenen Fällen bei engem, anhaltenden Kontakt auch von Mensch zu Mensch weitergegeben werden kann. In den vergangenen Jahrzehnten hatte es einige wenige erfasste Ausbrüche in Südamerika gegeben, die alle rasch wieder abebbten. Auch im aktuellen Fall sehen Experten kein Risiko für eine umfassende Ausbreitung des Erregers.
Mit Informationen von dpa und AFP
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