Der Gasspeicher-Verband Ines warnt angesichts historisch niedriger Füllstände vor Engpässen bei der Erdgasversorgung im kommenden Winter. Die deutschen Speicher seien Anfang September nur zu rund 53 Prozent gefüllt, teilte die Initiative Energien Speichern (Ines) am Dienstag in Berlin mit. Dies sei der niedrigste Stand zu diesem Zeitpunkt seit Beginn der Aufzeichnungen vor 15 Jahren. Vor einem Jahr habe der Füllstand rund 71 Prozent betragen. EU-weit liegt der Schnitt aktuell bei knapp 67 Prozent.
Problem bei extrem niedrigen Temperaturen im Winter
Den Szenarien des Verbandes zufolge kann technisch bis zum 1. November noch ein Füllstand von rund 77 Prozent erreicht werden. Dafür müsste sich das Befüllungstempo jedoch erheblich erhöhen. Ein Füllstand von 77 Prozent wäre laut dem Verband bei normalen Wintertemperaturen ausreichend, um die Versorgung zu gewährleisten. "Bei extrem kalten Temperaturen reicht ein Füllstand von rund 77 Prozent hingegen nicht aus", sagte Ines-Geschäftsführer Sebastian Heinermann. Dann könne es im Januar zu Unterdeckungen kommen.
Iran-Krieg und Speicherkosten im Fokus
Die im Vergleich zu den Vorjahren geringe Befüllung der Gasspeicher ist seit Monaten ein Thema. Als Grund für die schleppende Einspeicherung nennt der Verband die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, auf die sich der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran auswirkt. Die nach der Sperrung der Meerenge von Hormus gestiegenen Gaspreise und ein teilweise negativer sogenannter Sommer-Winter-Spread machten die Einspeicherung für Marktakteure unattraktiv. Erdgas für den kommenden Winter ist damit günstiger als solches, das jetzt gekauft und eingelagert werden müsste.
Ines fordert daher ein Maßnahmenpaket, das unter anderem eine Senkung von Speicherkosten vorsieht. "Die Kosten der Speicherung zehren eigentlich das sowieso relativ geringe Marktpotenzial komplett auf", sagte Heinermann.
Reiche-Ministerium wiegelt ab
Das Bundeswirtschaftsministerium sieht bislang keinen Anlass, an der Versorgungssicherheit zu zweifeln. Das Ministerium verweist auf neue Terminals für Flüssigerdgas (LNG) und Pipeline-Lieferungen aus Norwegen und lehnt einen staatlichen Eingriff ab. Insbesondere wegen der Gasspeichervorgaben steht dieser dennoch im Raum.
Die staatlichen Vorgaben besagen, dass die meisten Speicher bis zum 1. November zu mindestens 80 Prozent gefüllt sein müssen, was in vielen Fällen bereits kaum noch möglich ist. Werden die Ziele nicht erreicht, kann der Staat die Befüllung beauftragen – eine Befürchtung ist, dass Gasverkäufer darauf spekulieren, denn der Staat würde dann wohl zu jedem Preis einkaufen.
Linke wirft Bundesregierung "Schockstarre" vor
Die Preise ziehen derweil spürbar an. Kurz vor der Heizsaison seien die Gaspreise am europäischen Großhandelsmarkt "auf den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren gestiegen", erklärte das Preisportal Verivox am Montag. Zwar schlagen sich höhere Beschaffungskosten demnach "nicht unmittelbar in den Bestandstarifen nieder, erhöhen vor dem Winter aber den Preisdruck am Gasmarkt".
Die Linke wirft der Bundesregierung vor, "in Schockstarre" zu verharren. "Bis heute liegen keine konkreten Pläne oder belastbaren Berichte vor, wie sie mögliche Versorgungsengpässe auffangen und die Gasversorgung der Menschen auch in einem kalten Winter sicherstellen will", erklärte der Abgeordnete Jörg Cezanne. Auf Antrag der Fraktion befasst sich der Wirtschaftsausschuss im Bundestag am Dienstagabend mit dem Thema.
Mit Informationen von Reuters, AFP, dpa
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