ARCHIV - 08.03.2022, Sachsen-Anhalt, Bad Lauchstädt: Ein Manometer zeigt den Druck im Erdgasnetz auf dem Gelände des Untergrund-Gasspeichers der VNG AG an. Die Speicheranlage kombiniert die Speichertypen Kavernen- und Porenspeicher. Hierbei wird das Gas entweder in großen Hohlräumen (Kavernen) im Salzstock oder in porösem Gestein gespeichert.  (zu dpa: «Geringe Gas-Füllstände - Panter fordert Bund zum Handeln auf») Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
ARCHIV - 08.03.2022, Sachsen-Anhalt, Bad Lauchstädt: Ein Manometer zeigt den Druck im Erdgasnetz auf dem Gelände des Untergrund-Gasspeichers der VNG AG an. Die Speicheranlage kombiniert die Speichertypen Kavernen- und Porenspeicher. Hierbei wird das Gas entweder in großen Hohlräumen (Kavernen) im Salzstock oder in porösem Gestein gespeichert.  (zu dpa: «Geringe Gas-Füllstände - Panter fordert Bund zum Handeln auf») Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Gasspeicher: Muss die Regierung eingreifen?
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Gasspeicher: Muss die Regierung eingreifen?

Gasspeicher: Muss die Regierung eingreifen?

Die deutschen Gasreserven sind weniger umfangreich als sonst. Die Bundesregierung sieht aktuell keinen Grund zur Sorge und setzt darauf, dass sich die Speicher bis zum Winter füllen. Doch die Uhr tickt – und der politische Druck steigt.

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Eigentlich nutzen Gashändler den Sommer, um günstig Vorräte für die kalte Jahreszeit anzulegen. So waren die deutschen Speicher im vergangenen Jahr um diese Zeit im Schnitt bereits zu zwei Dritteln gefüllt. Im Moment liegen die Füllstände der zuständigen Bundesbehörde zufolge unterm Strich aber nur bei rund der Hälfte der Kapazitäten. In der Branche ist von einem historischen Tiefstand die Rede. Gerade die Speicher in Bayern melden vergleichsweise niedrige Werte.

Gasspeicher: Bundesregierung wartet ab

Die Bundesregierung erklärt die schleppende Einspeicherung im Wesentlichen mit der Situation auf dem Weltmarkt. Infolge des Irankriegs sind die Energiepreise generell deutlich gestiegen. Außerdem ist laut Regierung weniger Flüssiggas verfügbar – wegen der Einschränkungen des Schiffsverkehrs in der Meerenge von Hormus. "Das erschwert und verteuert die Beschaffung und beeinflusst auch die Wirtschaftlichkeit der Einspeicherung", heißt es aus dem Wirtschaftsministerium. Mit anderen Worten: Für Unternehmen rechnet es sich im Moment nicht, die Gasspeicher im großen Stil zu befüllen.

Dennoch hält es das Ministerium für unwahrscheinlich, dass im nächsten Winter das Gas knapp wird. Deutschland sei breiter aufgestellt als während der Energiekrise nach dem Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine. Das Gas kommt inzwischen vor allem über Pipelines aus Norwegen, über Flüssiggas-Terminals an der Küste sowie über Nachbarländer.

Wirtschaftsministerium warnt vor Eingriffen auf Gasmarkt

Die Vorgänger-Regierung von SPD, Grünen und FDP kaufte damals für viel Geld große Mengen Gas, um eine Mangellage im Winter zu verhindern. Für eine solche Aktion sieht Schwarz-Rot jedoch keinen Grund – im Gegenteil. Die Befürchtung: Tritt der Staat als Käufer auf, steigt die Nachfrage und damit womöglich auch das Preisniveau. Aus Sicht des Bundeswirtschaftsministeriums ist es in erster Linie die Aufgabe der Unternehmen, für den Winter vorzusorgen. "Wir […] fordern die Händler auf, einzuspeichern", so eine Sprecherin von Ministerin Katherina Reiche (CDU).

Doch nicht alle in Berlin sehen das so. Die Grünen zum Beispiel warnen schon seit Wochen davor, die Befüllung der Gasspeicher dem Markt zu überlassen. Aus Sicht der Oppositionspartei handelt die Regierung fahrlässig. Ähnlich die Kritik der Linken: Parteichefin Ines Schwerdtner wirft Schwarz-Rot vor, "Beamten-Mikado" zu spielen. Die Gasversorgung im kommenden Winter dürfe nicht vom Zufall abhängen.

Gasversorgung: Linke sehen Staat in der Pflicht

Die Linken verlangen, dass der Staat die Gasspeicher füllt. Und der Verband der Betreiber von Gasfernleitungen fordert die Politik auf, Händler zu verpflichten, "ausreichende Mengen über Speicher bis zum Winterende abzusichern". Auch in München wächst die Nervosität. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sieht Eingriffe in den Markt zwar grundsätzlich skeptisch. "Aber wenn sich eine Versorgungslücke abzeichnet, darf der Staat nicht erst reagieren, wenn der Winter vor der Tür steht."

Branchenkenner befürchten, dass allein Flüssiggas (LNG) in der kalten Jahreszeit keine Speicherlücken füllen kann. Denn die deutschen Terminals für LNG-Schiffe könnten nur einen Bruchteil des Gesamtbedarfs an einem Wintertag abwickeln. Und das Wirtschaftsministerium spricht selbst von geopolitischen Entwicklungen, die "zu zusätzlichen Belastungen" führen können.

Gasspeicher: nicht mehr viel Zeit zum Befüllen

Gemeint ist die instabile Lage im Nahen Osten. Doch auch anderswo gibt es Bedrohungen. Gaspipelines etwa zählen zur kritischen Infrastruktur. Sie gelten in Zeiten hybrider Gefahren als potenzielles Sabotageziel.

Den gesetzlichen Vorgaben zufolge haben die Betreiber von Gasspeichern theoretisch noch bis Anfang November Zeit. Dann müssen sie auf einen Füllstand von 80 Prozent kommen – mit einigen Ausnahmen. Noch sei das Ziel erreichbar, stellt die Chefin des Branchenverbands BDEW, Kerstin Andreae, im Deutschlandfunk fest. "Aber es wird immer enger."

Im Video: So steht es um die Gasspeicher in Deutschland

Symbolbild: Eine Gasflamme.
Bildrechte: BR
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Symbolbild: Eine Gasflamme.

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