Israel hat weitere Top-Führungsfiguren des Irans getötet. Der einflussreiche Generalsekretär des Sicherheitsrats, Ali Laridschani, sei bei einem "gezielten Angriff" in der Nacht ums Leben gekommen, erklärte der israelische Verteidigungsminister Israel Katz. Der 67-jährige Laridschani war zuletzt zu einer zentralen Figur im iranischen Machtapparat aufgestiegen.
Der Iran bestätigte Laridschanis Tod am späten Abend. Die Nachricht wurde in den iranischen Staatsmedien verkündet.
Auch Kommandeur der iranischen Basidsch-Einheiten getötet
Außerdem wurde der Kommandeur der iranischen Basidsch-Einheiten, Brigadegeneral Gholamresa Soleimani, getötet. Die Basidsch-Einheiten unter Soleimanis Führung seien für die blutige Niederschlagung der Proteste im Iran im Januar verantwortlich, schrieb die israelische Armee. Der Iran bestätigte Soleimanis Tod ebenfalls am Abend.
Israel hat im Iran-Krieg bereits Dutzende führende Persönlichkeiten des iranischen Machtapparats getötet, darunter Irans obersten Führer Ali Chamenei. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte nach der Tötung Laridschanis: "Wir untergraben dieses Regime, um den Iranern die Gelegenheit zu geben, es zu entfernen. Das wird nicht schnell oder einfach passieren, doch wenn wir hartnäckig bleiben, werden sie die Chance haben, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen."
Tötung Laridschanis macht Verhandlungslösung unwahrscheinlicher
Laridschanis Tod würde die Entscheidungsstrukturen des Landes nicht lahmlegen, "da das System darauf ausgelegt ist, solche Verluste zu verkraften", schrieb der Iran-Experte Hamidreza Aziz auf X. Allerdings könne sein Verlust "den Kreis erfahrener politischer Entscheidungsträger allmählich verkleinern und den Einfluss stärker in Richtung militärisch geprägter Akteure verschieben", so der Gastwissenschaftler bei der Stiftung Wissenschaft und Politik.
Laridschani galt als wichtige Stimme, die den Iran auch nach außen vertrat. Seine Tötung dürfte es für die USA folglich erschweren, eine Verhandlungslösung für ein mögliches Ende des Krieges zu finden, so Simon Wolfgang Fuchs, Professor für Islamwissenschaften an der Hebräischen Universität in Jerusalem auf X. Dies sei ganz im Interesse Israels.
Laridschani vertrat moderatere Positionen
Aus Sicht des israelischen Iran-Kenners Meir Javedanfar war Laridschani ein vergleichsweise kompetenter Politiker im iranischen politischen System. Israel und die USA wollten aber, dass der Iran von inkompetenten Personen geführt werde, schrieb er auf X. Das würde "zum endgültigen Zusammenbruch des Regimes beitragen, ganz im Sinne der Wünsche Israels, der USA und eines Großteils der (iranischen) Bevölkerung."
Laridschani studierte Mathematik und galt als "Mann des Systems", vertrat in den vergangenen Jahren jedoch auch wiederholt moderatere Positionen. Wie viele heutige Politiker machte er zunächst Karriere bei den Revolutionsgarden und stieg bis zum Brigadegeneral auf, ehe er Anfang der Neunzigerjahre aus dem aktiven Dienst ausschied.
Modschtaba Chamenei schließt Waffenstillstand aus
Der neue Oberste Führer der Islamischen Republik, Modschtaba Chamenei, schloss unterdessen einen Waffenstillstand kategorisch aus. Ein hochrangiger iranischer Regierungsvertreter sagte, Chamenei habe Vorschläge zur Deeskalation zurückgewiesen, die von zwei Vermittlerstaaten überbracht worden seien. Es sei nicht der richtige Zeitpunkt für Frieden, bis die USA und Israel "in die Knie gezwungen sind, ihre Niederlage akzeptieren und Entschädigung zahlen", wurde der Ajatollah zitiert. Auch die US-Regierung unter Donald Trump hatte Insidern zufolge bereits Mitte März diplomatische Vorstöße von Verbündeten abgelehnt.
Bei den israelisch-amerikanischen Angriffen im Iran sind nach Angaben von Aktivisten vom Montag bislang mehr als 3.000 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Toten seien mindestens 1.319 Zivilisten, darunter 206 Kinder, teilte das in den USA ansässige Menschenrechtsnetzwerk HRANA mit. Demnach wurden 1.122 Militärangehörige getötet. Weitere 599 Tote konnten weder dem Militär noch der Zivilbevölkerung eindeutig zugeordnet werden.
Prekäre humanitäre Lage im Libanon
Militärisch ließen beide Seiten keine Nachsicht erkennen. Der Iran feuerte in der Nacht Raketen auf Israel ab, was die anhaltende Schlagkraft der Führung in Teheran trotz wochenlanger Angriffe unterstreicht. Israels Armee nahm nach eigenen Angaben "Infrastruktur des iranischen Regimes" in Teheran sowie Hisbollah-Stellungen in Beirut ins Visier. Das israelische Militär hat Pläne für mindestens drei weitere Kriegswochen ausgearbeitet.
Prekär ist die humanitäre Lage im Libanon. "Die Vertreibung nimmt unglaublich schnell zu", sagte der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, Imran Riza. Hunderttausende hätten ihre Häuser verlassen müssen, viele nur mit den Kleidern am Leib. Nach Angaben der Regierung in Beirut ist fast ein Fünftel der Bevölkerung auf der Flucht. Bei der israelischen Offensive sind demnach bislang über 800 Menschen getötet worden.
Karte: Aktuelle militärische Lage im Nahen Osten
Mit Informationen von dpa und Reuters
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
