In den Berghängen, die Teheran zu zwei Dritteln umschließen, waren am späten Abend große Explosionen zu sehen. Welches Ziel dort angegriffen worden ist, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen – es könnten Stellungen der iranischen Luftabwehr gewesen sein, aber auch Treibstofflager des Regimes. Am frühen Morgen gingen die Angriffe auf die Stadt weiter. Auch aus anderen Städten melden iranische Medien Luftschläge.
Welches Ziel verfolgen die USA im Iran?
Welches Ziel die Angriffe haben, darüber gibt es weiter widersprüchliche Aussagen. Israel scheint am Maximalziel Regimewechsel festzuhalten. Und auch US-Präsident Donald Trump hat in einem Zeitungsinterview davon gesprochen, es wäre nicht wünschenswert, festige sich nach dem Krieg eine geschwächte, aber nicht minder radikale Führung in Teheran.
Gleichzeitig zieht er Vergleiche mit der Militäroperation in Venezuela vor drei Monaten, wo der Machtapparat ohne politische Reformen erhalten geblieben ist, solange er Rücksicht auf US-Interessen nimmt. Andere US-Regierungsmitglieder wie Verteidigungsminister Pete Hegseth nennen rein militärische Kriegsziele, wie die Zerstörung der Marine und des Atomprogramms.
Spekulationen um Bewaffnung der Kurden
Das iranische Regime scheint sich darauf vorzubereiten, dass Israel und die Vereinigten Staaten den Druck von innen erhöhen. Aus mehreren Städten berichten Anwohner über eine hohe Zahl von Sicherheitskräften und Milizen auf den Straßen, die auch Checkpoints errichtet haben.
Zuvor hatte es Gerüchte gegeben, dass der US-Geheimdienst CIA kurdische Volksgruppen bewaffnen wolle. Ziel sei ein Bodeneinsatz im westlichen Iran in den kommenden Tagen, berichtete der US-Sender CNN. Die irakischen Kurden haben zahlreiche Kämpfer an der rund 1.500 Kilometer langen Grenze zum Iran stationiert und teilweise auch Verbindungen zur kurdischen Minderheit im Iran. Reuters meldete, iranische Kurdenmilizen hätten in den vergangenen Tagen mit den Vereinigten Staaten darüber beraten, ob und wie sie die iranischen Sicherheitskräfte im westlichen Teil des Landes angreifen sollen.
Das Weiße Haus bestätigte zwar, dass Trump mit kurdischen Anführern in der Region gesprochen habe. Die Behauptung, der US-Präsident habe der Bewaffnung der Kurden zugestimmt, sei jedoch falsch und sollte nicht verbreitet werden. Der Präsident der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak, Nechirvan Barsani, unterstrich, er wolle keine Eskalation, "die das Leben und die Sicherheit unserer Bevölkerung gefährden".
Iran greift kurdisches Hauptquartier im Irak an
Der Iran griff unterdessen nach eigenen Angaben ein Hauptquartier kurdischer Einheiten im Irak an. Das Hauptquartier sei mit drei Raketen attackiert worden, berichtete die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna. Der iranische Geheimdienst erklärte zudem, er habe Posten "separatistischer Gruppen" ins Visier genommen, die über die Westgrenzen eindringen wollten.
Die Türkei beobachtet die Meldungen über kurdische Aktivitäten mit Sorge. Sie hat insbesondere die kurdisch-iranische Miliz PJAK im Blick. Die Gruppe bedrohe die Sicherheit des Iran und die Stabilität der Region, teilte das Verteidigungsministerium in Ankara mit. Die Partei für ein Freies Leben in Kurdistan (PJAK) gilt als iranischer Ableger der PKK, die von der Türkei, den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft wird.
Karte: Aktuelle militärische Lage im Nahen Osten
Iranische Drohne trifft Flughafen in Aserbaidschan
Fünf Tage nach Beginn der US-israelischen Angriffe gegen den Iran kam es auch in Israel erneut zu Gegenangriffen des Iran: Die israelischen Streitkräfte alarmierten mehrfach die Bevölkerung mit Luftalarm angesichts iranischer Raketenangriffe. In Jerusalem waren Explosionen zu hören.
Auch aus den Golfstaaten wurden erneut zahlreiche iranische Angriffe gemeldet. Detonationen gab es in Bahrains Hauptstadt Manama und der katarischen Hauptstadt Doha. In der emiratischen Hauptstadt Abu Dhabi wurden sechs Menschen durch herabfallende Trümmerteile einer abgefangenen Drohne verletzt. Ein US-Öltanker im Persischen Golf wurde nach Angaben der iranischen Revolutionsgarden von einer Rakete getroffen.
Eine iranische Drohne traf einen Flughafen in Aserbaidschan. Sie sei in einem Terminalgebäude des Flughafens Nachitschewan eingeschlagen, erklärte das aserbaidschanische Außenministerium. Zwei Menschen seien dabei verletzt worden. Das Verteidigungsministerium in Baku bereitet nach eigenen Angaben notwendige Vergeltungsmaßnahmen vor.
Im Video: Iranischer Angriff auf Kurden im Irak
Zerstörungen in Beirut, Libanon
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