Luftansicht von Dubai, Vereinigte Arabische Emirate, vor und nach einem Raketenangriff
Luftansicht von Dubai, Vereinigte Arabische Emirate, vor und nach einem Raketenangriff
Bild
Auch in Dubai gingen Geschosse nieder - Luftansicht vor und nach einem Angriff
Bildrechte: Uncredited/Planet Labs PBC/AP/dpa
Schlagwörter
Bildrechte: Uncredited/Planet Labs PBC/AP/dpa
Audiobeitrag

Auch in Dubai gingen Geschosse nieder - Luftansicht vor und nach einem Angriff

Audiobeitrag
>

Rache oder Strategie? Irans Gegenangriffe auf die Golfstaaten

Rache oder Strategie? Irans Gegenangriffe auf die Golfstaaten

Der Iran richtet seine militärischen Reaktionen auf den Angriffskrieg der USA und Israel nicht allein auf Israel. Nahezu alle arabischen Nachbarstaaten werden von Teheran massiv beschossen, darunter auch zivile Einrichtungen. Was steckt dahinter?

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Mit heftigen Gegenangriffen auf die arabischen Nachbarstaaten reagiert das iranische Regime auf den Angriffskrieg der USA und Israels. Seit der Tötung des iranischen Revolutionsführers Ajatollah Ali Chamenei und seines militärischen Führungsstabs durch die israelische Luftwaffe am Samstagmorgen hat der Iran massiv reagiert. Ins Visier nehmen Irans Streitkräfte und die Revolutionsgarden nicht allein die US-Stützpunkte in der Region. Damit war gerechnet worden.

Angriffe auf zivile Einrichtungen

Nicht gerechnet dürften die Meisten mit den anhaltenden Raketen- und Drohnenangriffen auf die zivilen Einrichtungen in den arabischen Nachbarstaaten haben. Das Ausmaß bis jetzt: Nach Angaben des "Wall Street Journal" feuerte der Iran seit vergangenem Samstag auf die Vereinigten Arabischen Emirate 174 ballistische Raketen, sechs Marschflugkörper und 689 Drohnen.

Auf Kuwait gingen seitdem 97 ballistische Raketen und 283 Drohnen nieder, auf Katar 67 Raketen und 17 Drohnen, auf Bahrain 115 Raketen und 204 Drohnen, auf Jordanien 13 Raketen und mehrere Drohnen, auf Saudi- Arabien sieben Drohnen.

Obgleich es den Golfstaaten bislang gelungen ist, mit ihren aus US-Produktion stammenden Luftabwehrraketen einen Großteil der iranischen Projektile abzuschießen, stellt sich für die Golfstaaten mit jedem weiteren Tag die Frage: Was wird eher zur Neige gehen? Ihre Bestände an ihren wirksamen Luftabwehrraketen oder die Bestände des iranischen Raketen- und Drohnenarsenal?

Teherans Motive für Beschuss der arabischen Staaten

Der Plan gehe auf den am Samstag getöteten Revolutionsführer Chamenei zurück, berichtet die "Financial Times" unter Berufung auf Insider im iranischen Regime. Chamenei habe nach dem sogenannten 12-Tage-Krieg mit Israel und der US-Bombardierung der Nukleareinrichtungen im Juni vergangenen Jahres die Maxime ausgegeben: Im Falle eines direkten Angriffs auf den Iran Chaos im gesamten Nahen und Mittleren Osten anrichten sowie die weltweiten Aktien- und Kapitalmärke erschüttern mit dem Ziel, maximalen Druck auf Washington und Jerusalem auszuüben, die Angriffe einzustellen.

Dieser detailliert ausgearbeitete Plan habe unter anderem Angriffe auf die Erdöl- und Erdgasanlagen der Golfstaaten vorgesehen sowie Attacken, die den Luftverkehr in der Region unterbrechen würden. Wie zur Bestätigung postete Ajatollah Alirezi Arafi, der seit der Tötung Chameneis ins dreiköpfige Übergangsführungsgremium berufen wurde, eine Videobotschaft auf X: "Dieser Krieg geht dank (Chameneis) Planung würdevoll weiter."

Öl- und Gaspreise steigen

Hotels, Flughäfen und Hafenanlagen werden seit Samstagmorgen mit Drohnen angegriffen. Damit soll das Image der Golfstaaten als sicherer Ort für Tourismus, Investitionen und boomende Handelszentren erschüttert werden. Gestern nahmen die iranischen Streitkräfte die Energieeinrichtungen der Ölstaaten ins Visier, in Katar und Saudi-Arabien.

Die Öl- und Gaspreise schießen seit der faktischen Schließung der Straße von Hormus rasant in die Höhe. "Das wird so weitergehen und es wird zu seiner weiteren Eskalation kommen", wie die "Financial Times" einen Insider des Regimes zitiert. Wenn der Chef der Islamischen Republik ins Visier genommen werde, "glauben sie dann, dass nichts passieren wird?"

Golfstaaten: Iran ist jetzt vollkommen isoliert

Der Zorn der arabischen Nachbarstaaten auf den Iran ist groß. Sie hatten sich wochenlang bei der US-Regierung vergeblich gegen einen Angriffskrieg gegen Teheran ausgesprochen und werden nun angegriffen.

Selbst Oman, das bis Ende der letzten Woche die indirekten Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran geführt hatte, meldete am Dienstag Drohnenangriffe. Eine Drohne sei in der Nähe des größten Hafens eingeschlagen, zwei weitere seien im Südwesten des Oman abgeschossen worden. Man werde "alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die Sicherheit des Landes" aufrechtzuerhalten.

Nahezu wortgleich reagieren die anderen angegriffenen Nachbarstaaten, wie Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien. Sie befinden sich in einer politischen wie militärischen Zwickmühle: Sie müssen einerseits ihrer Bevölkerung und vor allem der internationalen Öffentlichkeit zeigen, dass sie für Sicherheit und Schutz sorgen können – was ihnen zunehmend schwerer fallen dürfte.

Und andererseits scheuen die Golfstaaten davor zurück, sich an dem Angriffskrieg der USA und Israels auf die Islamische Republik Iran zu beteiligen. Das würde zu heftigen Protesten in ihren Ländern führen. "Ich weiß, dass es für viele Einwohner eine beängstigende Zeit ist", sagt die Ministerin der Emirate für internationale Zusammenarbeit, Reem Al Hashimy dem US-Sender CNN. "Ich halte es für wichtig, dass wir den Menschen in den Vereinigten Arabischen Emirate erneut versichern, dass wir über eines der besten Raketenabwehrsysteme der Welt verfügen und alles tun, um weiterhin für Sicherheit zu sorgen."

Im Video: Tag Vier im Nahost-Krieg

Heute nun Tag Vier in einem neuen Krieg, an dem wieder Kampfjets, Raketen und Drohnen fliegen.
Bildrechte: BR 2025
Videobeitrag

Heute nun Tag Vier in einem neuen Krieg, an dem wieder Kampfjets, Raketen und Drohnen fliegen.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!