Schwindet der herausragende politische Einfluss der katholischen Kirche?
Schwindet der herausragende politische Einfluss der katholischen Kirche?
Bild
Schwindet der herausragende politische Einfluss der katholischen Kirche?
Bildrechte: Bildrechte: picture alliance/dpa | Karl-Josef Hildenbrand
Schlagwörter
Bildrechte: Bildrechte: picture alliance/dpa | Karl-Josef Hildenbrand
Videobeitrag

Schwindet der herausragende politische Einfluss der katholischen Kirche?

Videobeitrag
>

Katholikentag: Debatte um den politischen Einfluss der Kirche

Katholikentag: Debatte um den politischen Einfluss der Kirche

Während die katholische Kirche in der Debatte um Synodalität intern um demokratische Prozesse ringt, steht beim Katholikentag auch die Frage im Raum: Wie groß ist der politische Einfluss der Kirche noch – und wie groß soll er in Zukunft sein?

Über dieses Thema berichtet: Rundschau Magazin am .

Demokratie in der Kirche – damit ist es aus Sicht vieler Gläubiger nicht immer weit her. Und trotzdem findet diese Kombination gerade einen prominenten Platz im Herzen des Katholikentags in Würzburg. Dafür wurde die Marienkapelle am Unteren Markt extra umgebaut – in eine "Demokratiekirche". Wo sonst gebetet und gesungen wird, finden nun täglich mehrere Gesprächsrunden gleichzeitig statt. Die Teilnehmer diskutieren Fragen wie: "War Jesus Klima-Aktivist?", aber auch: "Wie umgehen mit extremen Parteien?"

Statt Kirchenbänken und Predigt: Papphocker und Diskussion über Themen, die bewegen, so das Konzept. Ein zivilgesellschaftlicher Begegnungs- und Diskursraum, "um die Demokratie zu stärken", erklärt Katharina Leniger vom Referat Spiritualität im Bistum Würzburg, die die Demokratiekirche mit initiiert hat. Neben Workshops und Expertenrunde sind auch mehrere Ausstellungen aufgebaut: zum Kirchenasyl, aber auch zum Krieg in der Ukraine. Ein Künstler hat Ikonen auf Munitionskisten gemalt.

Söder: "Kirche ist keine NGO"

Doch wie viel politischer Einfluss auf die Demokratie ist von der katholischen Kirche überhaupt gewünscht? "Der Katholikentag hat immer eine starke politische Dimension", so machte Gastgeberbischof Franz Jung den eigenen Anspruch zum Auftakt deutlich. "Kirche ist keine NGO", hatte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kurz zuvor zu Bedenken gegeben. Nicht zum ersten Mal zeigt sich: gerade die C-Parteien sind sich mit den Kirchen nicht immer einig, wieviel politische Einmischung gut ist. Mit rund 19 Millionen Gläubigen gehört die katholische Kirche nach wie vor zu den größten Organisationen des Landes. Doch angesichts sinkender Mitgliederzahlen kämpft sie zunehmend auch politisch um ihren Status als moralische und gesellschaftliche Instanz.

Vor gut einem Jahr bemängelten sowohl Söder als auch Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU), die Kirche würde sich zu sehr in tagesaktuelle Themen einmischen – etwa beim Tempolimit. Dass sie wenig Absichten hat, das zu ändern, machte Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), jetzt in Würzburg deutlich. Sie betonte: "Wir müssen uns einmischen!" In einer gemeinsamen Erklärung betonten auch die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Kirsten Fehrs, und der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, gerade Kirchen seien "Orte, an denen Menschen einander zuhören, Unterschiede aushalten und gemeinsam nach Lösungen suchen". Willmer wies außerdem darauf hin, dass der christliche Glaube nicht an eine bestimmte kulturelle oder politische Ordnung gebunden sei.

AfD auf Katholikentag nicht vertreten

Spannungen zwischen der Kirche und den politisch Verantwortlichen sind historisch aber nichts Neues – sie waren sogar konstituierend für die Anfänge des Katholikentags 1848. Damals trafen sich Christen in Mainz zur ersten "Generalversammlung des katholischen Vereins Deutschlands" und reagierten damit auf die staatliche Einmischung in kirchliche Angelegenheiten im sogenannten Kulturkampf unter Bismarck. Fortan traf man sich jährlich. Nur aufgrund der NS-Diktatur pausierte der Katholikentag für mehrere Jahre. 1933 hatten die Nationalsozialisten eine "Treueerklärung für Führer und Reich" bei der Veranstaltung gefordert – die Verantwortlichen sagten das Treffen lieber ab.

Trotz aller Uneinigkeiten, die aktuell häufig zwischen Kirche und Politik zu herrschen scheinen, zeigt der Katholikentag: Die große Bühne der katholischen Kirche ist auch immer noch eine große Bühne für die Politik. Im Programm findet sich das Who’s who der Landes- und Bundespolitik. Der Kanzler, der Bundespräsident, der bayerische Ministerpräsident und die Bundestagspräsidentin sind auf dem Katholikentag präsent. Lediglich Deutschlands größte Oppositionspartei, die AfD, fehlt gänzlich. Sowohl die deutschen Bischöfe als auch das ZdK hatten wiederholt betont, dass die politischen Positionen der Partei nicht mit christlichen Werten vereinbar seien. Mit Anhängern der AfD wolle man aber gerne ins Gespräch kommen, so Stetter-Karp. Man scheue nicht vor kontroversen Debatten zurück – wie in der "Demokratiekirche" in der Marienkapelle am Unteren Markt.

Mit Informationen von KNA, epd und dpa

Sie interessieren sich für Religion, Kirche, Glaube, Spiritualität oder ethische Fragen? Dann abonnieren Sie den Newsletter der Fachredaktion Religion und Orientierung.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.