Dichte Rauchschwaden steigen aus den Schornsteinen eines Industriegebiets vor einem dramatischen Sonnenuntergang auf.
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Rauchschwaden steigen aus den Schornsteinen eines Industriegebiets auf.
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Klimawandel: Deutliche Warnungen, verhaltene Reaktionen

Klimawandel: Deutliche Warnungen, verhaltene Reaktionen

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen warnt: Mit der aktuellen Klimapolitik steuert die Welt auf 2,6 Grad Erwärmung zu. Trotz eines Sommers der Extreme bleiben die Reaktionen in Politik und Gesellschaft verhalten. Woran liegt das?

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Anfang September veröffentlichte das Umweltprogramm der Vereinten Nationen seinen jährlichen Bericht zur Erderwärmung. Die zentrale Erkenntnis: Das Ziel des Pariser Klimaabkommens, die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, wird in absehbarer Zeit nicht erreicht. Selbst unter optimistischen Szenarien erwartet der Bericht eine Erwärmung von 1,8 Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter.

Gleichzeitig liegt hinter Deutschland ein Sommer der Extreme: Waldbrände, Niedrigwasser und zahlreiche Hitzetote. Der Deutsche Wetterdienst meldete einen neuen Temperaturrekord von 41,8 Grad. Selbst Anfang Oktober erholen sich die historisch niedrigen Pegelstände vieler Gewässer nur langsam.

Mangelnder politischer Handlungsdruck

Für Lena Partzsch, Politikwissenschaftlerin an der Freien Universität Berlin und Expertin für Umwelt- und Klimapolitik, ist die Botschaft des UN-Berichts eindeutig: "Jeder Bruchteil eines Grades, in dem sich das Klima mehr oder weniger erwärmt, spielt eine Rolle." Je geringer die Erwärmung, desto weniger Extremwetter, Hitzewellen oder Meeresspiegelanstieg seien zu erwarten – soweit bekannt.

Doch Dringlichkeit allein führe nicht automatisch zu politischer Priorität. Oft brauche es konkrete Ereignisse oder Akteure, die ein Thema auf die politische Agenda setzen, erklärt Partzsch. Solche Impulse kamen in den vergangenen Jahren etwa durch das Pariser Klimaabkommen oder Protestbewegungen wie Fridays for Future.

16.000 Hitzetote im Sommer 2026

Der zurückliegende Sommer hätte ein solcher Impuls sein können. Nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts kam es zu 16.000 hitzebedingten Sterbefällen in Deutschland. Bundesumweltminister Carsten Schneider spricht von wirtschaftlichen Ausfällen in Höhe von 500 Millionen Euro pro Hitzetag.

Für Politikwissenschaftlerin Partzsch ist das ein klares Zeichen, dass "Klimapolitik auch ein soziales Thema ist." Der Klimawandel könne damit nicht länger nur als Umweltthema oder Problem zukünftiger Generationen verstanden werden.

Unzureichende Klimapolitik

Dennoch bewertet Partzsch die aktuelle Klimapolitik als unzureichend. Wenn auf Niedrigwasser mit der Aufhebung des Sonntagsfahrverbots reagiert würde, nutze das zwar kurzfristig der Wirtschaft, heize das Klima langfristig jedoch weiter an. Sie fordert daher mehr Verbindlichkeit, vor allem angesichts der doppelten Herausforderung aus Klimaschutz und Klimaanpassung.

"Es ist Problem politischer Verantwortlichkeit, weil wir in der Klimapolitik Ziele festgelegt haben, aber keine Maßnahmen. Wir müssen viel mehr sagen, wer dafür verantwortlich ist, dass bestimmte Maßnahmen umgesetzt werden", so die Politikwissenschaftlerin, die an der FU zu Klima- und Umweltpolitik forscht. Erschwerend komme hinzu, dass Klimapolitik derzeit mit anderen Krisen konkurriere. Sicherheitsfragen, internationale Konflikte und wirtschaftliche Sorgen bestimmten viele politische Debatten.

Rückgang bei Klimabewegungen

Auch wenn die Verantwortung in erster Linie bei der Politik liegt, könne gesellschaftlicher Druck politischen Wandel beschleunigen, so Partzsch. Doch genau dieser Druck hat nachgelassen, wie das Beispiel Fridays for Future zeigt. Lukas Maggioni engagierte sich von 2019 bis 2022 in München und auf Bundesebene. Die Anfangszeit beschreibt er als Phase des Aufbruchs: "Alle haben wahnsinnig viel gearbeitet, alle waren wahnsinnig investiert." Mit der Zeit ließ dieser Schwung jedoch nach. Wo im September 2019 laut Veranstaltern noch rund 1,4 Millionen Menschen beim deutschlandweiten Klimastreik demonstrierten, waren es 2025 nur noch etwa 50.000.

Maggioni erlebte diese Entwicklung aus nächster Nähe. Für seinen Ausstieg seien vor allem persönliche Veränderungen ausschlaggebend gewesen. Mit Studienbeginn und neuen Lebensumständen hätten sich die Prioritäten verschoben. Auch inhaltliche Differenzen hätten zu einer gewissen Entfremdung beigetragen. Den Rückgang bewertet der ehemalige Aktivist jedoch nicht als Resignation, eher als natürlichen Prozess. Viele Engagierte seien Schülerinnen, Schüler oder Studierende. Durch Umzug, Studium oder Berufsleben seien sie schlicht aus der Bewegung rausgewachsen.

Verantwortung der Politik

Klimaschutz bleibt für Lukas Maggioni ein wichtiges Thema. Doch weil derzeit andere Themen die politische Agenda bestimmten, sei es gerade "ein Kampf gegen Windmühlen" dem Klimawandel wirksam zu begegnen. Wissenschaftlerin Lena Partzsch von der FU Berlin fordert aber genau das: "Der Umweltminister müsste eigentlich viel stärker in die Pflicht genommen werden, weil eben der Klimaschutz, die Klimaanpassung nicht so erfolgen, wie es sein sollte."

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