Links Selenskyj, rechts Putin, im Hintergrund diffuses Kriegsgeschehen
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Militärisch steckt Putin fest, aber im Westen kippt die Stimmung. Geht Putins Plan jetzt auf?
Bildrechte: pa/CHROMORANGE/Michael Bihlmayer, pa/TASS/Sergei Bobylev, pa/Zoonar/DesignIt; Montage: BR
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Militärisch steckt Putin fest, aber im Westen kippt die Stimmung. Geht Putins Plan jetzt auf?

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Putins Plan B: Gewinnt er den Krieg durch die Hintertür?

Putins Plan B: Gewinnt er den Krieg durch die Hintertür?

Militärisch steckt Russlands Präsident Putin fest, aber im Westen kippt die Stimmung. 42 Prozent der Deutschen lehnen Waffenlieferungen ab. Die AfD setzt deutsche Ukraine-Hilfe unter Druck. Darauf hat Putin gewartet. Geht sein Plan auf? Eine Analyse.

Über dieses Thema berichtet: Possoch klärt am .

Zehn Luftalarme an einem einzigen Freitag Ende September in Kiew, insgesamt fast neun Stunden, sieben Tote. Am Sonntag darauf: über 18 Stunden Alarm, drei Tote. Das ist inzwischen Alltag in der ukrainischen Hauptstadt. Gleichzeitig lehnen 42 Prozent der Befragten für den ARD-DeutschlandTrend Waffenlieferungen an die Ukraine ab, im Osten sogar 54 Prozent – so viel wie noch nie. "Er gewinnt militärisch nicht, will aber politisch gewinnen", sagt Sicherheits- und Verteidigungsexperte Nico Lange im BR24-Interview für "Possoch klärt" über Russlands Präsident Putin. Drei Zermürbungskriege führt Putin gleichzeitig: gegen die Front, gegen die ukrainische Zivilbevölkerung und gegen Deutschland.

Putins Propagandakrieg auf deutschem Boden

Der eigentliche Schauplatz sind die Parlamente, Talkshows und Kommentarspalten des Westens. Russlandexpertin Margarete Klein von der Stiftung Wissenschaft und Politik beschreibt Moskaus Strategie: gezielte Propaganda und Desinformation, um Trennlinien in Deutschland zu vertiefen, das Gefühl zu schüren, die eigene Regierung schütze die Bevölkerung nicht, und damit Deutschland aus seiner Rolle als wichtigstem Ukraine-Unterstützer herauszudrängen.

Die AfD verbreitet mit einem Posting auf der Social-Media-Plattform X die Falschbehauptung, Merz wolle junge Deutsche an die ukrainische Front schicken, das BSW plakatiert zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt einen gierigen ukrainischen Präsidenten Selenskyj und nennt die Hilfe "Abzocke". Beides sei exakt das, was Putin will. Die russische Propaganda müsse nicht selbst jeden erreichen: Sie reiche aus, um einheimische Multiplikatoren anzutreiben, die die Arbeit erledigen. "Das sind die wichtigsten Punkte, um Deutschland aus der Rolle des wichtigsten Unterstützers herauszunehmen", fasst Klein zusammen.

Putins strategischer Bombenkrieg

Zermürben will Putin auch die Menschen in der Ukraine. Russland setzt seit dem Sommer neue, schnellere Kampfdrohnen mit Düsenantrieb ein, gegen die die ukrainische Flugabwehr noch kein Gegenmittel hat. Angegriffen wird nicht mehr nur nachts, sondern fast rund um die Uhr. Das Ziel: den Willen der Bevölkerung brechen.

Boris Ruge, seit August deutscher Botschafter in Kiew, erlebt die Lage direkt: Die Menschen seien angespannt, das öffentliche Leben beeinträchtigt, Brücken würden gesperrt, Kinder in Bunker geschickt. Und dennoch: "Im fünften Jahr dieses Krieges sind die Menschen resilient und darauf gepolt, weiterhin Widerstand zu leisten." Denn sie wüssten, was ihnen blüht, sollte Russland siegen. Militärhistorisch ist Putins Kalkül dabei schwach unterfüttert: Strategischer Bombenkrieg bricht Bevölkerungen selten.

Im Video: Zermürbt Putin die Ukraine jetzt endgültig und gewinnt so den Krieg? Possoch klärt!

Wo wird der Krieg entschieden?

An der Front selbst ist die Lage festgefahren, aber nicht statisch. Beide Seiten experimentieren mit neuen Drohnentaktiken, neuen Führungsstrukturen. Was den Ausschlag geben wird, ist laut Militärexperte Gustav Gressel schlicht: Finanzierung. Russland zahlt massive Prämien für freiwillige Soldaten, über die Oblaste, die damit eine explodierende Schattenverschuldung aufbauen. Ukrainische Schläge auf russische Raffinerien und Ölinfrastruktur treffen genau diese Finanzierungsbasis.

Für die Ukraine gilt dasselbe: Wenn westliche Unterstützung wegbricht, steht die effiziente Verteidigung in Frage. "Der Krieg ist militärisch noch nicht entschieden und wie und ob er sich militärisch entscheidet, entscheidet sich in erster Linie durch die Finanzierung", sagt Gressel.

Boris Ruge, deutscher Botschafter in der Ukraine, benennt die Konsequenzen:

"Wenn diese Unterstützung eingestellt würde, und die Ukraine käme unter noch stärkeren Druck und würde militärisch im schlimmsten Fall unterliegen, dann können wir fest davon ausgehen, dass Millionen Menschen die Ukraine verlassen werden, Richtung Westen, weil sie nicht unter dem Folterstaat von Herrn Putin leben können."

Putin wird diesen Krieg nach Einschätzung der Experten weder militärisch noch politisch gewinnen. Die Frage ist nur, wie viel Schaden bis dahin entsteht und wie lange Europa braucht, um sich zu einer klaren Haltung durchzuringen. Gerade während des Kiew-Besuchs von Kanzler Merz erlebte die ukrainische Hauptstadt die heftigsten Drohnenangriffe seit Langem. Putin hält die Feuerpause, die bislang für Staatsbesuche galt, nicht mehr ein.

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