Kükentöten verboten: Bruderhähne oder Geschlechtsbestimmung im Ei, das sogenannte Sexing? Welche Alternativen Brütereien suchen – und wo es hakt.
Kükentöten verboten: Bruderhähne oder Geschlechtsbestimmung im Ei, das sogenannte Sexing? Welche Alternativen Brütereien suchen – und wo es hakt.
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Kükentöten verboten: Bruderhähne oder Geschlechtsbestimmung im Ei, das sogenannte Sexing? Welche Alternativen Brütereien suchen – und wo es hakt.
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Kükentöten verboten: Bruderhähne oder Geschlechtsbestimmung im Ei, das sogenannte Sexing? Welche Alternativen Brütereien suchen – und wo es hakt.

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Kurskorrektur: Bioverband erlaubt Geschlechtsbestimmung im Ei

Kurskorrektur: Bioverband erlaubt Geschlechtsbestimmung im Ei

Der Bioverband "Biokreis" erlaubt seinen Mitgliedern, dass männliche Eier in der Brüterei aussortiert werden dürfen. Der Zwang, Gockel aufzuziehen, entfällt. Damit verabschiedet sich der Verband von einer Richtlinie, die bisher galt.

Über dieses Thema berichtet: Unser Land am .

Das Töten männlicher Küken war in Deutschland lange Zeit ein heiß umstrittenes Thema. Seit 2022 ist es hierzulande verboten. Seitdem gibt es zwei Möglichkeiten, mit männlichen Tieren der Legerassen umzugehen: Entweder sie werden schon als Eier aussortiert oder als sogenannte Bruderhähne aufgezogen. Bei den vier großen Bioverbänden (Bioland, Naturland, Demeter und Biokreis) war der Bruderhahn bisher Pflicht. Doch Biokreis schert jetzt aus.

Bruderhähne: "Wertlose Männer"

Bei Hühnern gibt es im Prinzip zwei große Zuchtlinien. Die einen setzen schnell Fleisch an, sie sind gute Futterverwerter. Ein solches Masthuhn wiegt am ersten Tag seines Lebens circa 40 Gramm, nach fünf bis neun Wochen erreichen die Tiere ihr Schlachtgewicht von 1,5 bis 2,5 Kilogramm. Bei der anderen Zuchtlinie sind die Weibchen auf möglichst hohe Legeleistung gezüchtet. Die Männchen sind wirtschaftlich uninteressant. Sie setzen kaum Fleisch an. Sie wurden früher als Küken aussortiert, mit Gas getötet und dann etwa in Zoos verfüttert.

Deutsche Biobranche setzte auf Bruderhahn

Die deutschen Bioverbände haben für sich die Richtlinie erlassen, dass die Brüder von Legehennen immer aufgezogen werden müssen. Aber auch die werden am Ende geschlachtet. Nach etwa 11 Wochen Mast wiegt ein Bruderhahn 500 bis 600 Gramm, die Hälfte davon sind Knochen. Für den Verzehr bleiben 200 bis 300 Gramm. Die EU hat für das Europäische Biosiegel den Bruderhahn nicht verpflichtend eingeführt. Hier dürfen die männlichen Eier bis einschließlich des 12. Tages aussortiert werden. Diese Regelung gilt auch bei den kleineren Anbauverbänden: Biopark, Ecoland und Verbund Ökohöfe.

Nachhaltiger ohne Männchen

Diesen Weg geht jetzt auch der Bioverband "Biokreis". Die Mitgliederversammlung hat beschlossen, dass ihr Verband als erster der deutschen Bioverbände die Pflicht zum Bruderhahn aufgibt. Den Mitgliedern ist jetzt Geschlechtsbestimmung im Ei erlaubt, das heißt: die Männchen werden aussortiert - im Ei. Thorsten Block, Vorstandsvorsitzender von Biokreis, nennt die Nachhaltigkeit als ein Hauptargument. Als schlechte Futterverwerter verbrauchen Bruderhähne viele Ressourcen. "Aber es ist nicht nur das Futter - auch das Wasser, das verbraucht wird, Auslaufflächen, die genutzt werden, Ställe, die gebaut werden, für das System und das muss man alles betrachten."

Biokreis macht Kurskorrektur

Aus Sicht von Thorsten Block hat sein Verband in der Vergangenheit nicht die richtige Entscheidung getroffen, die Geschlechtsbestimmung im Ei nicht zu erlauben und ausschließlich auf den Bruderhahn zu setzen. "Es war ein Hype, es war Marketing, es hat geheißen, wir sehen darin etwas Gutes. Aber man muss sehen: Es hat sich vieles verändert seitdem."

Verbraucher meiden den Bruderhahn

Zum einen habe die Vermarktung des Bruderhahns nicht geklappt. Für die Verbraucher sei es gewöhnungsbedürftig, dass das Fleisch eine andere Farbe und anderen Geschmack habe. Auch der hohe Preis dürfte viele Kunden abgeschreckt haben. Zudem müssen Legehennenhalter eine Art Solidaritätszuschlag für die Bruderhähne zahlen, was Bioeier teurer macht.

Technik wird immer besser

Biokreis setzt darauf, dass die Technik zur Geschlechtsbestimmung im Ei immer besser geworden ist. Die neu beschlossene Regelung sieht vor, dass das Geschlecht bis zum 9. Tag bestimmt werden muss, in Zukunft soll es der 7. Tag werden.

Wunschlösung: Zweinutzungshuhn

Die attraktivste Lösung für die Bioverbände wäre eine Züchtung, die beides wirtschaftlich sinnvoll kann: Eier legen und Fleisch ansetzen. Also Zweinutzungshühner. Landwirtin Christine Steckermeier hält auf ihrem Nebenerwerbshof im niederbayerischen Neufraunhofen 1.800 solcher Hühner. Aus Überzeugung: "Sie sind sehr robust, man braucht selten einen Tierarzt." Allerdings legen sie weniger Eier als Hochleistungsrassen. Der Unterschied müsste über den Preis ausgeglichen werden, wozu der Handel nicht bereit sei. In ihrem Hofladen verlangt sie 40 Cent pro Ei, 55 Cent wäre ihr Traum, doch das sei in einer ländlichen Gegend nicht machbar. Auch an Zweinutzungsrassen wird weiter geforscht. Christine Steckermeier hofft auf eine neue Züchtung. Die Tiere, die sie demnächst bekommt, sollen mehr Eier legen und so die Wirtschaftlichkeit verbessern.

Disclaimer: Wir haben am 16.07.2026 eine Korrektur vorgenommen. Zuvor hatten wir berichtet, dass "Biokreis" der erste und bisher einzige Verband in Deutschland sei, der keine Pflicht zur Bruderhahnaufzucht mehr hat. Dies war allerdings bei kleineren Bioverbänden bereits der Fall.

Im Audio: Interview mit dem Biokreis-Vorstandsvorsitzenden Thorsten Block zu den Hintergründen der Entscheidung

Der Verband Biokreis erlaubt als erster Ökoverband die Geschlechtsbestimmung im Ei. Jutta Schilcher hat mit dem Vorstandsvorsitzenden Thorsten Block gesprochen.
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Der Verband Biokreis erlaubt als erster Ökoverband die Geschlechtsbestimmung im Ei. Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden Thorsten Block.

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