Ab April, also ab dem morgigen Dienstag, gelten neue Regeln für das Elterngeld: Die Einkommensgrenze liegt künftig niedriger. Paare, die ab dem 1. April Kinder bekommen, haben dann Anspruch auf die Leistung, wenn sie zusammen nicht mehr als 175.000 Euro zu versteuerndes Jahreseinkommen haben. Diese neue Grenze gilt auch bei Alleinerziehenden.
Die Meinungen zum Elterngeld gehen in Deutschland weit auseinander. Vor einigen Wochen zeigte sich der Präsident des Münchner ifo-Instituts, Clemens Fuest, offen dafür, die Leistung abzuschaffen. "Es ist ein klassischer Fall von nice-to-have, aber nicht prioritär", sagte Fuest der "Welt am Sonntag". Viele Empfänger seien finanziell gut gestellt, deshalb stelle sich die Frage der Bedürftigkeit. Wer 150.000 Euro im Jahr verdiene, könne vielleicht auch selbst vorsorgen, sagte Fuest bei BR24live.
Familienbund der Katholiken lobt Elterngeld
Der Familienbund der Katholiken sieht das anders. "Das Elterngeld wurde eingeführt, um Eltern den finanziellen Spielraum zu geben, sich in den ersten Lebensmonaten ihres Kindes auf dessen Betreuung und Erziehung konzentrieren zu können", sagte der Präsident des Familienbunds, Ulrich Hoffmann. Es trage dazu bei, "die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern und schafft eine Grundlage für eine den Wünschen der Eltern entsprechende Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit".
"Eine Kürzung oder gar Abschaffung würde die Familienpolitik massiv zurückwerfen und vor allem Eltern mit niedrigerem Einkommen besonders hart treffen", warnte Hoffmann. Nötig sei vielmehr eine Erhöhung des monatlichen Mindestbetrags von aktuell 300 Euro. Laut Hoffmann belegen Studien die positiven Wirkungen auf die wirtschaftliche Stabilität von Familien, die Frauenerwerbstätigkeit und die Realisierung von Kinderwünschen.
Auch die Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, ist gegen Kürzungen. Sie würde beim Elterngeld "nicht ansetzen", um Einsparungen im Haushalt vorzunehmen, sagte Schnitzer jüngst dem "Tagesspiegel". Sie sieht die Gefahr, dass vor allem gut ausgebildete Frauen dem Arbeitsmarkt verloren gingen. "Wir wollen diese Frauen nicht für den Arbeitsmarkt verlieren, wollen aber gleichzeitig auch nicht, dass diese Frauen sich gegen Kinder entscheiden."
Bund stellt jährlich rund acht Milliarden Euro bereit
Im Bundeshaushalt sind für das Elterngeld pro Jahr etwa acht Milliarden Euro vorgesehen. Rund 1,67 Millionen Väter und Mütter in Deutschland erhielten im vergangenen Jahr Elterngeld. Damit sank die Zahl der Empfänger im Vergleich zum Jahr 2023 um rund 95.000 Menschen oder 5,4 Prozent. Der Wert ging im dritten Jahr in Folge zurück. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum ging die Zahl der Geburten nach vorläufigen Angaben um etwa 15 Prozent zurück.
Das Elterngeld bezeichnet die Lohnersatzleistung, die Mütter und Väter nach der Geburt eines Kindes erhalten, wenn sie zu Hause bleiben. Die Höhe des Elterngelds orientiert sich am Verdienst. Der Höchstsatz beträgt 1.800 Euro pro Monat.
Mit Informationen von dpa und KNA
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