Die Existenz der Luftrettung in Deutschland könnte gefährdet sein. Davor warnen die drei großen Organisationen ADAC Luftrettung, DRF Luftrettung und Johanniter Luftrettung in einer gemeinsamen Erklärung. Hintergrund ist ein Referentenentwurf (externer Link) des Gesundheitsministeriums zum Gesetz zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung.
Verbände: Kritik an Grundlohnrate als Maßstab
Die Organisationen kritisieren geplante Sparmaßnahmen bei der Finanzierung der Luftrettung. Künftig sollen Vergütungssteigerungen an die sogenannte Grundlohnrate gekoppelt werden. Laut dem Entwurf sollen bei "Rettungsdiensten und Krankentransportunternehmen" die Preis- und Vergütungssteigerungen "mit der Grundlohnrate als fester Obergrenze begrenzt" werden.
Im Gesundheitswesen dient die Grundlohnrate als Deckel für Vergütungssteigerungen. Praktisch heißt das: Honorare oder Budgets sollen grundsätzlich nicht stärker steigen als die Einnahmenbasis der Kassen. Die bisherige Regelung sah Ausnahmen für Rettungsdienste vor, die künftig nicht mehr gelten sollen.
Die Grundlohnrate bilde zwar die Lohnentwicklung der Gesamtwirtschaft ab, spiegele nach Angaben der Betreiber jedoch nicht die tatsächlichen Kosten der Luftrettung ab – etwa für speziell ausgebildete Pilotinnen und Piloten, Notärztinnen und Notärzte sowie hochmoderne Hubschrauber. "Der sichere Betrieb von Luftfahrzeugen setzt eine Vielzahl hochqualifizierter Fachkräfte voraus", heißt es in der Pressemitteilung der Verbände. Nur mit wettbewerbsfähigen Vergütungen sei eine sichere und stabile Infrastruktur der Luftrettung zu gewährleisten.
Schnelle Hilfe aus der Luft – in Bayern unverzichtbar
Gerade auch für Regionen in Oberbayern oder dem Allgäu sei die Luftrettung unverzichtbar. Wegen der Alpen, vieler Ausflugsziele und teils längerer Wege zu spezialisierten Kliniken komme den Rettungshubschraubern hier eine besonders wichtige Rolle zu. Im vergangenen Jahr wurden die drei Organisationen deutschlandweit zu rund 90.000 Einsätzen alarmiert.
"Die geplanten Einsparungen im Bereich Luftrettung stehen in keinem Verhältnis zum immensen Schaden, der für die notfallmedizinische Versorgung entsteht", erklären die Betreiber der Luftrettungsorganisationen.
Hebammen, Zahnärzte, Rettungsdienste: Hier soll gespart werden
Neben der Luftrettung soll nach dem Referentenentwurf auch in anderen Bereichen des Gesundheitswesens gespart werden. Geplant ist, dass Preis- und Honorarsteigerungen etwa für Zahnärzte, Hebammen, Heilmittelerbringer, Reha- und Vorsorgeeinrichtungen sowie Rettungsdienste nur noch im Rahmen der Grundlohnrate steigen dürfen.
Ein Referentenentwurf kann bis zum Kabinettsbeschluss und anschließend im parlamentarischen Gesetzgebungsverfahren noch geändert werden. Die Betreiber der Luftrettungsorganisationen fordern daher Änderungen in dem Entwurf, damit die Finanzierung der Luftrettung – und damit die schnelle Hilfe aus der Luft – auch künftig gesichert bleibt.
Mit Informationen von dpa
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