Bundeskanzlerin a.D. Angela Merkel beim WDR Europaforum im Rahmen der re:publica 2026
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Bundeskanzlerin a.D. Angela Merkel beim WDR Europaforum im Rahmen der re:publica 2026
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Bundeskanzlerin a.D. Angela Merkel beim WDR Europaforum im Rahmen der re:publica 2026

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Merkel: "Demokratie beruht darauf, dass Fakten Fakten sind"

Merkel: "Demokratie beruht darauf, dass Fakten Fakten sind"

Viele wollen hören, was Angela Merkel auf der re:publica zu sagen hat – zur Lage der Nation und der EU, zu Donald Trump und dem Ukrainekrieg. Für ihre Regierungszeit räumt die Ex-Kanzlerin zwei Fehler ein – und sagt, was für sie Demokratie ausmacht.

Über dieses Thema berichtet: News WG am .

"Trotz allem: Hoffnung Europa?" heißt das Motto des WDR Europaforums auf der Digital- und Gesellschaftskonferenz re:publica 2026. Der Andrang ist weit größer als der Veranstaltungsraum, was nicht nur am Thema liegen dürfte, sondern auch am Talk-Gast: Angela Merkel, Bundeskanzlerin von 2005 bis 2021 und seit Dienstag auch Trägerin des Europäischen Verdienstordens.

"Sie kocht nicht nur Kartoffelsuppe in der Uckermark, sie hat was zu sagen", eröffnet ARD-Hauptstadtstudio-Leiter Markus Preiß das Forum. Zwar nicht als Vermittlerin im Ukrainekrieg oder Politpromi im Podcast der Kaulitz-Brüder – das macht die Ex-Kanzlerin im Gesprächsverlauf deutlich. Aber: "Ich bin politische Bürgerin geblieben und mach mir Gedanken."

"Die EU muss sich mehr zutrauen"

Zum Beispiel über die EU, um deren Handlungsfähigkeit sie sich sorgt. "Die USA haben eine Sicherheitsstrategie entwickelt, in der sie im Grunde dem Multilateralismus und allen internationalen Organisationen den Kampf ansagen – und damit den Institutionen der EU", sagt Merkel. "Das hatten wir so mit den USA noch nicht in der Geschichte."

Gegen die militärische und wirtschaftliche Macht der Supermächte könne ein einzelnes EU-Land nicht bestehen; auch nicht die EU, wenn einzelne Mitglieder nationale Beschlüsse über das EU-Recht stellten. Dann "können Sie jede Vereinbarung in Europa nach einem Regierungswechsel wieder zur Diskussion stellen", so die Bundeskanzlerin a.D. (außer Dienst).

"Diplomatie ist die zweite Seite der Medaille"

Handlungsfähigkeit – das heißt für Merkel auch: Fragen der eigenen Sicherheit darf Europa nicht Verhandlungen des russischen mit dem US-Präsidenten überlassen. Zum militärischen Engagement müsse das diplomatische Eintreten für Europas Interessen treten. "Diplomatie ist immer die zweite Seite der Medaille, schon im Kalten Krieg – militärische Abschreckung und diplomatische Aktivität".

Ihren Vorgänger Gerhard Schröder oder sich selbst sieht sie dabei nicht als Akteure. "Das ist Aufgabe der amtierenden Politiker. Ich wäre 2014 nach der Besetzung der Krim nicht auf die Idee gekommen, jemanden zu fragen, ob er für mich [zu den Krim-Verhandlungen] nach Minsk fährt."

"Im Nachhinein ist mir das eher peinlich"

Apropos Schröder: Zweimal überrascht Angela Merkel im re:publica-Gespräch durch Selbstkritik. Beim Thema Klimaschutz – "da haben wir, gemessen an dem, was wir wissen, zu wenig gemacht". Und was ihr Verhalten als Oppositionsführerin im Irakkrieg 2003 angeht, als sie den USA-kritischen Kurs der rot-grünen Regierung nicht mittragen wollte: "Da hab ich einen Artikel in der Washington Post geschrieben. Ich habe mich damals abgesetzt und kam groß raus bei Präsident Bush, Motto: 'Nicht alle Deutschen denken wie Schröder'." Im Nachhinein sei ihr das eher peinlich: "Das macht man nicht."

Thema AfD: Wer ist das Volk?

Deutlich wird Merkel, als es um Umfrageerfolge der AfD in Sachsen-Anhalt geht. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht Ergebnisse vorwegnehmen, die nicht eingetreten sind." Die AfD versuche stets umzudeuten, wer 'das Volk' ist, wer dazugehört. Dabei sei klar: "Jeder deutsche Staatsbürger hat die gleichen Rechte und Pflichten und gehört zum Volk."

Statt sich über die AfD zu definieren, sollten die anderen Parteien daher "lauter, klarer und deutlicher" sagen, was sie wollten. Als Vorbild sieht sie den niederländischen Regierungschef Rob Jetten, dessen liberale D66 bei der Wahl 2025 mit einer klaren Erzählung, wie er sich sein Land vorstellt, den Siegeszug des Rechtspopulisten Geert Wilders gebrochen hatte. "Wenn ihr euer Land gerne habt, erzählt eure Geschichte, wie ihr es seht!"

Wesenskerne der Demokratie: Anerkennung von Fakten und Bereitschaft zum Kompromiss

Und dann formuliert Merkel, was sie für unverzichtbar hält. Zum ersten: den Kompromiss als Wesen der Demokratie. "Auch jede Form familiären Zusammenlebens beginnt mit einem Kompromiss – oder jeder geht seiner Wege." Und: "Unsere Demokratie beruht darauf, dass Fakten Fakten sind und Stimmungen Stimmungen." Letztere seien zulässig, könnten aber Fakten nicht ersetzen. "Wenn wir damit anfangen, sind wir auf dem Holzweg."

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