Den deutschen Wäldern machen die Folgen von Hitze, Trockenheit und Schädlingen weiterhin zu schaffen. Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) sprach bei der Vorstellung neuer Daten dennoch von einer Stabilisierung trotz ungünstigerer Wetterbedingungen im vergangenen Jahr. "Der Zustand unseres Waldes hat sich im Vergleich zu 2024 insgesamt nicht weiter verschlechtert." Die Zahl neu abgestorbener Bäume ging laut Ministerium zurück. Der Wald hat sich demnach aber bis heute nicht von den "Dürrejahren" 2018 bis 2020 erholt.
Auf die Krone kommt es an
Die Daten stammen aus der jährlichen Waldzustandserhebung, die seit den 1980er-Jahren über ein Netz von Stichproben vorgenommen wird. Dabei wird der Zustand der Baumkronen eingeschätzt. Nach der neuen Waldzustandserhebung für 2025 sind sichtbare Nadel- und Blattverluste der Baumkronen "weiterhin auf einem sehr hohen Niveau" und haben sich im Vergleich zu 2024 kaum verändert. Jeder fünfte Baum ist demnach gesund – vier von fünf Bäumen sind also nach wie vor krank.
Bei Eichen liegt der Anteil der Bäume mit deutlich lichteren Kronen der neuen Erhebung zufolge weiterhin bei 51 Prozent. Bei Kiefern gab es einen deutlichen Anstieg auf 31 Prozent nach 24 Prozent 2024. Bei Buchen sank der Anteil von 46 Prozent auf 38 Prozent, bei Fichten von 39 Prozent auf 38 Prozent.
Umweltverbände kritisieren Agrarminister Rainer
Minister Rainer sagte, er wolle die Waldbesitzer beim "Umbau hin zu produktiven und artenreichen Mischwäldern, die Klimaveränderungen trotzen", unterstützen. Dafür wolle er insbesondere Bürokratie abbauen.
Der WWF wirft Rainer dagegen vor, eine rein auf Profit ausgerichtete Forstwirtschaft zu befördern. "Wer den Wald vor allem als Holzacker betrachtet, verkennt seine universelle Bedeutung", so der WWF-Programmleiter Wald, Peer Cyriacks. Die überwiegende Nutzung der Wälder als wirtschaftliche Forste habe sie anfälliger für Klimawandel und Waldbrände gemacht. Der WWF forderte die Bundesregierung auf, ihren Widerstand gegen das EU-Gesetz zur Wiederherstellung der Natur aufzugeben. "Diese Blockade ist nicht nur kurzsichtig, sondern klare Klientelpolitik zugunsten einer Forstwirtschaft, die weiterhin zu sehr auf nicht heimische Nadelhölzer wie die Douglasie setzt."
Ähnlich äußerte sich der Naturschutzbund Nabu. "Unsere Wälder leiden weiterhin unter Trockenstress, Hitze und Schädlingsdruck. Wir brauchen jetzt konsequent klimaresiliente Waldökosysteme, die mit den Folgen der Klimakrise besser umgehen können", sagte Nabu-Waldexperte Sven Selbert. Wälder müssten gestärkt werden, um ihre Funktion für Klima-, Wasser- und Artenschutz aufrechterhalten zu können. "Dazu gehören mehr natürliche Waldentwicklung, vielfältige Mischwälder mit heimischen Baumarten, der Schutz alter Wälder und deutlich mehr Raum für natürliche Prozesse."
Der Trend zeigt nach unten
Derweil schwingen bei den Forschern noch weitere ernste Befürchtungen über die Zukunft des Waldes mit. "Trotz der vergleichsweise günstigen Witterung mit mehr Regen, vor allem im Juli 2025, ist der Zustand der Bäume immer noch schlechter als in den Jahren vor der großen Dürre 2018 bis 2020", erklärte die Forstökologin Nicole Wellbrock, leitende Autorin der Waldzustandserhebung. Das deute auf einen langfristig negativen Trend des Waldzustandes im Klimawandel hin.
Für die neue Ausgabe der Erhebung wurde den Angaben zufolge ein verändertes Verfahren angewendet. Erstmals seit 1984 basiere der Bericht auf der Beobachtung von 46.531 Bäumen in einem Raster von acht Quadratkilometern. Damit seien etwa viermal so viele Bäume ausgewertet worden wie in den Vorjahren. Erfasst wurden insgesamt 38 Baumarten. Rund 76 Prozent davon gehörten zu den vier Hauptbaumarten Fichte, Kiefer, Buche und Eiche.
Karte: So trocken sind die Böden in Deutschland
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Mit Informationen von dpa
Im Video:
Nach wie vor haben sich die allermeisten Bäume im deutschen Wald nicht von Hitze und Trockenheit der letzten Jahre erholt.
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