Musik hören, Freunde treffen und einfach feiern - bei großen Festivals wie "Rock im Park" in Nürnberg steht das im Vordergrund. Der anfallende Müll fällt da gedanklich schon mal hinten runter. Das bemängelt nun die Deutsche Umwelthilfe (DUH) zum Start der Festivalsaison. Es brauche angepasste Abfallkonzepte, so die Forderung.
Zu viel Einweg, schlechte Mülltrennung und viele Toilettenabfälle
Die Naturschützer bemängeln vor allem das hohe Müllaufkommen bei deutschen Musikfestivals. Es gebe zu viele Getränke und Speisen in Einwegverpackungen, schlechte Mülltrennung und einen zu hohen Anteil an Chemietoiletten, so Barbara Metz, die Bundesgeschäftsführerin der Umwelthilfe.
Zudem seien kostenlose Wegwerfartikel von Firmen ein Problem. Mit einer Petition für abfallärmere Festivals sollen Veranstalter jetzt dazu gebracht werden, "100 Prozent Mehrweg, saubere Mülltrennung und Kompost-Toiletten als Standard auf Festivals zu etablieren".
"Rock im Park" in Nürnberg noch vergleichsweise positiv - trotz Nachholbedarf
Die Umwelthilfe verweist in ihrer Petition auf eine Umfrage unter zehn der größten Musikfestivals in Deutschland. Derzufolge gehen nur zwei Festivals "erste Schritte" zu Mehrwegverpackungen bei Getränken und Essen: "Rock am Ring" in der Eifel und das Schwesterfestival "Rock im Park" in Nürnberg. Hier würden an immerhin zwölf von insgesamt 68 Essensständen Mehrwegverpackungen eingesetzt. Auch die Vermeidung von Einweg-Merchandise sei positiv anzumerken.
Auf neun von zehn befragten Festivals werde dagegen der Müll in sogenannten Public Areas auf dem Festivalgelände nicht getrennt, hieß es. Zwei von neun Festivals verzichteten auf ihren Campingplätzen auf eine getrennte Sammlung von Abfällen. Darüber hinaus würden mehrere Veranstalter kein wirksames Müllpfandsystem anbieten.
Umwelthilfe: Festivals kein Ausnahmezustand
Auch bei "Rock im Park" in Nürnberg gibt es laut DUH Nachholbedarf bei Mülltrennung und dem Einsatz von Kompost-Toiletten. Bei Maßnahmen gegen Vermüllung landet das Festival gar im roten Bereich. Zudem könnte es deutlich mehr Speisen in Mehrwegverpackungen geben - wie schon bei Getränken.
"Festivals sollen Spaß machen, aber sie dürfen kein Ausnahmezustand für die Umwelt werden", sagte Metz. Viele Volksfeste und Großveranstaltungen zeigten, dass ein vollständiger Mehrwegeinsatz und konsequente Mülltrennung funktionierten.
Mit Personal besetzte Recyclingstationen bei "Rock im Park"
"Rock am Ring" betonte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, dass dort Nachhaltigkeit als "kontinuierlicher Prozess" verstanden werde, bei dem insbesondere die Vermeidung von Abfällen und die Förderung von Recycling eine zentrale Rolle spielten. "Deshalb arbeiten wir laufend daran, unsere Abfallwirtschaft weiterzuentwickeln und Ressourcen möglichst lange im Kreislauf zu halten", teilte der Veranstalter mit. Dasselbe teilte Rock im Park auf Anfrage mit.
Bei Rock im Park seien etwa mit Personal besetzte Recyclingstationen eingeführt worden, um die Trennung von Wertstoffen zu verbessern und eine höhere Recyclingquote zu erzielen, teilte ein Sprecher mit. "Darüber hinaus analysieren wir die gesamte Umweltwirkung der Veranstaltung." Die Abfallentsorgung habe 2025 weniger als fünf Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen bei dem Festival ausgemacht.
Umfrage unter zehn Festivals
Die Umfrage der Umwelthilfe fand zwischen Dezember 2025 und Februar 2026 per Fragebogen statt. Befragt wurden demnach die Festivals Fusion, Hurricane, Lollapalooza, MS Dockville, Nature One, Parookaville, Rock am Ring, Rock im Park, Southside und Wacken Open Air. Drei Festivals - Glücksgefühle, Airbeat One und Deichbrand - hätten nicht geantwortet.
Mit Informationen von dpa und epd
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
