Carsten Linnemann an einem CDU-Rednerpult
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Carsten Linnemann übernimmt das Amt des Gesundheitsministers. Er war bisher CDU-Generalsekretär.
Bildrechte: picture alliance / Ipon | Stefan Boness
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Carsten Linnemann übernimmt das Amt des Gesundheitsministers. Er war bisher CDU-Generalsekretär.

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Neuer Gesundheitsminister: Jetzt muss Linnemann liefern

Neuer Gesundheitsminister: Jetzt muss Linnemann liefern

Als CDU-Generalsekretär prägte Carsten Linnemann Debatten mit Slogans. Als Gesundheitsminister muss er nun beweisen, dass aus Forderungen Reformen werden. Die Zeit drängt.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Carsten Linnemann erhält heute seine Ernennungsurkunde als neuer Gesundheitsminister. Dann liegen über 1.000 Tage als CDU-Generalsekretär hinter ihm – geprägt von einem neuen CDU-Grundsatzprogramm, einem eigenen "Einfach mal machen"-Podcast, Selfie-Videos und einem neuen Logo für die Partei: Drei aufsteigende Streifen in schwarz-rot-gold sind zu sehen, die Aufbruch symbolisieren sollen – das soll Linnemann jetzt auch. "Der Bundeskanzler hat mich gebeten, das Amt des Bundesgesundheitsministers zu übernehmen", sagt er. Neben dem Pflichtgefühl schwingt auch Wehmut mit beim Ex-CDU-Generalsekretär: "Das war genau mein Ding, ein Herzensanliegen. Das waren die schönsten drei Jahre meines beruflichen Lebens."

Linnemann-Video 2025: "Warum wird der Gesundheitsminister?"

Der 48-Jährige übernimmt ein Ministerium, das er selbst am Tag der Kanzlerwahl 2025 als Beleg angeführt hatte, warum man Menschen nicht in beliebige Ämter setzen sollte: "Die Leute hätten gesagt: Warum wird der Gesundheitsminister? Was hat der damit zu tun? Deswegen: Schuster, bleib bei deinen Leisten." Der Satz wird ihn begleiten. Heute sieht er es anders – und der Kanzler verteidigt seine Wahl: Linnemann habe in den Koalitionsverhandlungen den Gesundheitsbereich mitverhandelt, "er weiß also, wovon er spricht."

Dass Linnemann an die Spitze rückt, hat weniger mit Gesundheitspolitik zu tun als vielmehr mit einem Domino-Effekt: Jens Spahn trat als Unionsfraktionschef zurück, Thorsten Frei rückte nach, das Kanzleramt wurde frei, Nina Warken zieht dorthin. Am Ende der Kette stand ein Ministerium ohne Führung und ein verfügbarer, vor allem loyaler Generalsekretär.

Gesundheitsministerium: Laufende Reformen, neuer Minister

Was er jetzt als Gesundheitsminister erbt, ist ein Ressort im laufenden Betrieb: Die Reform der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) ist vom Bundestag beschlossen: Rund 19 Milliarden Euro sollen im nächsten Jahr eingespart werden. Ein Sparpaket, damit die Beiträge nicht explodieren. Bis Jahresende soll die zuständige "Finanzkommission Gesundheit" ihren zweiten Bericht vorlegen: die mittel- und langfristigen Strukturreformen, das eigentlich Schwere. Oder wie Kanzler Friedrich Merz die Erwartung an Linnemann formuliert: Damit werden "jetzt wirklich große Reformvorhaben dieser Wahlperiode umgesetzt."

Wofür Linnemann steht

Die größte Herausforderung wird für Linnemann die Finanzierung der Pflegeversicherung sein: Seit Anfang Juni liegt lediglich ein Entwurf vor, die Regierung konnte sich bislang noch nicht einigen. Geplant sind Einsparungen von rund 11 Milliarden Euro allein für das Jahr 2027. Heimbewohner sollen länger selbst zahlen, die Einstufung in Pflegegrade wird strenger, pflegende Angehörige könnten Rentenansprüche verlieren.

Eine der ersten Aufgaben für Linnemann daher: ein Gesetz vollenden und gegen Widerstand aus den eigenen Reihen und der Bevölkerung verteidigen. Er weiß, dass sein Slogan "Einfach mal machen" hier nicht greift. Als designierter Minister klingt er bereits leiser, atmet fast schwer: Er gehe "auch mit Demut diese Aufgabe an, aber auch mit großem, großem Respekt."

Seine Vorgängerin, die Juristin Nina Warken, hat sich in vierzehn Monaten eingearbeitet, ein unpopuläres Sparpaket durchgebracht – und wurde dafür ins Kanzleramt befördert. Im promovierten Volkswirt Linnemann sieht der Kanzler einen Minister, "der standfest und reformwillig zugleich ist, auch im Gegenwind." Und den gibt es reichlich: Kaum ein Feld hat mehr und stärkere Lobbyverbände als das Gesundheitswesen.

Wie sich Linnemann zur Gesundheitspolitik geäußert hat

Die haben genau hingehört, wie sich Linnemann bereits in der Vergangenheit zu Gesundheitsthemen geäußert hat – als Generalsekretär. Vor kurzem forderte er: Zehn Krankenkassen statt der heute mehr als 90. "Können Sie ja machen", sagte er bei n-tv, indem man eine Schwelle bei 250.000 Mitgliedern ziehe. Die Fachkommission, die das Gesundheitsministerium berät, sieht das anders. Auch Oliver Blatt vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen hält bis heute nichts von Linnemanns Idee: "Wir haben uns dazu auch schon mal ausgetauscht und ich hatte den Eindruck, dass er meinen Argumenten nicht ganz verschlossen war." Ein Kurswechsel: denkbar.

Laut und fordernd klang Linnemann beim Reizthema Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag und dem Aus für die telefonische Krankschreibung: Er trieb beides in der Debatte voran. Der Hausärzteverband spricht von einer "absoluten Katastrophe" und verweist auf Studien, wonach die Telefon-AU den Krankenstand nicht treibe.

Als Generalsekretär konnte Linnemann fordern. Als Minister muss er liefern. Die Zeit drängt – und doch bittet Linnemann genau um das Gegenteil: "Ich werde hier und da ein bisschen Zeit benötigen, tiefer einzusteigen – die brauche ich." Doch genau die hat das Gesundheitssystem nicht.

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