Sachsen, Leipzig: Im Transplantationszentrum am Universitätsklinikum wird eine Niere beim Empfänger transplantiert.
Sachsen, Leipzig: Im Transplantationszentrum am Universitätsklinikum wird eine Niere beim Empfänger transplantiert.
Bild
(Symbolbild) Mehr als 8.000 Menschen warten in Deutschland auf eine Organspende.
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Waltraud Grubitzsch
Schlagwörter
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Waltraud Grubitzsch
Audiobeitrag

(Symbolbild) Mehr als 8.000 Menschen warten in Deutschland auf eine Organspende.

Audiobeitrag
>

Organspende? Bitte (kein) Widerspruch!

Organspende? Bitte (kein) Widerspruch!

Mehr als 8.000 Menschen warten in Deutschland auf eine Organspende. Rund 1.000 von ihnen sterben jedes Jahr. Eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten will die Regeln für die Organspende deshalb ändern.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Die jetzige Regelung bei den Organspenden führe zu unhaltbaren Zuständen, sagt Sabine Dittmar, SPD-Abgeordnete aus Bad Kissingen. "Hinter diesen Zahlen stehen Menschen, stehen Familien, stehen Schicksale, stehen Hoffnungen, stehen Bangen und Warten. Und seit Jahren verändern sich diese Zahlen nicht." Der CSU-Abgeordnete Peter Aumer aus Regensburg ist sich mit Dittmar einig – auch er plädiert für die Einführung der sogenannten Widerspruchsregelung.

Wer nicht aktiv zu Lebzeiten einer Organspende widerspricht, kann nach dem Tod quasi automatisch zum Organspender werden. Gemeinsam mit Abgeordneten von CDU, Grünen und Linken wollen Aumer und Dittmar einen entsprechenden Gruppenantrag in den Bundestag einbringen.

Zu wenige Organspender in Deutschland

Der Hintergrund: Deutschland liegt bei den Organspenden deutlich hinter anderen Ländern zurück. Während in Kroatien etwa 30 Menschen pro eine Million Einwohner nach dem Tod zu Organspendern werden, sind es in Deutschland nur rund elf. Bayern lag dabei vergangenes Jahr leicht unter dem gesamtdeutschen Durchschnitt.

Dabei stehen rund 85 Prozent der Deutschen in Umfragen einer Organspende positiv gegenüber. Viele europäische Länder mit mehr Spendern haben die Widerspruchsregelung. In Deutschland dagegen gilt die Zustimmungsregelung: einer möglichen Organspende nach dem Tod muss zu Lebzeiten aktiv zugestimmt werden – oder die Angehörigen entscheiden nach dem mutmaßlichen Willen des Verstorbenen.

Das Problem: Viele, die bereit wären, nach dem Tod ihre Organe zu spenden, dokumentieren diese Bereitschaft nicht. Im Organspende-Register haben sich seit dem Start im März 2024 gerade einmal rund 547.000 Deutsche bislang registriert. Viele andere haben zwar irgendwann einmal einen Organspende-Ausweis ausgefüllt, aber nicht im Portemonnaie dabei. Und oft werden auch die Angehörigen nicht informiert.

Angehörige oft überfordert

Angehörige, die den Wunsch des Verstorbenen nicht explizit kennen, entscheiden dann auch häufiger gegen eine Organspende. "Ganz oft habe ich erlebt, wie überfordert und ratlos die Angehörigen verständlicherweise in dieser Situation sind", erklärt der Grünen-Abgeordnete Ansgar Grau, der früher ärztlicher Direktor einer Klinik war.

Allerdings soll auch niemand unfreiwillig zum Organspender werden. Im Gesetzentwurf sind deshalb viele Ausnahmen vorgesehen – so ist geregelt, dass etwa Minderjährige nicht gegen ihren Willen Organspender werden können oder dass nicht geschäftsfähige Personen zu Organspendern werden. In der Regel gilt aber: Wer aus welchem Grund auch immer nach dem Tod keine Organe spenden will, der muss aktiv widersprechen.

Widerspruchsregelung: Eingriff in Patientenrechte?

Das kritisiert der Vorsitzende der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch: "Eine selbstbestimmte Entscheidung braucht Information, Klarheit, Offenheit und die fehlt in vielen Teilen. Denn wer schweigt, stimmt in Deutschland nicht automatisch zu."

Allerdings – mehr Information heißt nicht unbedingt mehr Organspender. 2020 hatte der Bundestag entschieden, an der aktuell gültigen Zustimmungsregelung festzuhalten – das heißt, nur wer zustimmt, wird auch zum Organspender. Gleichzeitig sollte breiter über die Organspende informiert werden. Aber trotzdem blieb die Zahl der Organspender niedrig.

Organspende: neuer Vorstoß im Bundestag

2020 wurde die Widerspruchsregelung im Bundestag abgelehnt. Ein zweiter Versuch 2024 scheiterte, weil die Ampel-Koalition vorzeitig zerbrach. Doch Sabine Dittmar und Peter Aumer sind optimistisch, dass es im dritten Anlauf klappt. Auch wenn eine andere Gruppe von Abgeordneten sich gegen den Antrag ausspricht. Dittmar erzählt: Viele, die beim letzten Mal noch ablehnend waren, hätten ihre Meinung geändert. Denn sie sähen inzwischen, dass andere Maßnahmen nicht ausgereicht hätten, um die Zahl der Spender zu erhöhen.

Zunächst soll es eine Orientierungsdebatte im Bundestag geben, bis zum Sommer eine erste Lesung. Wenn die Mehrzahl der Abgeordneten zustimme, könnte das Gesetz dann noch vor Jahresende verabschiedet werden.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!