Er soll ihre jüngste Schwester erdrosselt haben, vor über 40 Jahren in Aschaffenburg: Für Christine P. ist es nicht leicht, mit dem Mann konfrontiert zu sein. Am Landgericht Aschaffenburg beginnt der Prozess zum Cold Case Maria Köhler. Als Nebenklägerin wird Christine P. dem heute 67-Jährigen in die Augen schauen müssen. Für die Schwester der Getöteten ist der Prozess wichtig: "Auch wenn die Maria dadurch nicht mehr leben wird – ich hoffe, dass er seine gerechte Strafe kriegt", sagt Christine P. zu BR24.
Vor Gericht muss sich ab heute Maria Köhlers Ex-Freund verantworten. Dabei geht es um die Frage: War es Mord oder Totschlag? Mord verjährt nicht.
Ex-Freund soll Maria Köhler 1984 erdrosselt haben
Es war der 30. Juli 1984 in einem Wohnheim für angehende Pflegekräfte des Aschaffenburger Krankenhauses. Mit einem Schal soll der dringend Tatverdächtige Maria Köhler in ihrem Zimmer erdrosselt haben – eine 19-jährige Schwesternschülerin. Eine Vorgesetzte fand die Leiche zwei Tage später.
Die Polizei hat damals sehr schnell vermutet, dass Marias Ex-Freund der Täter sein könnte. Davon ist auch Marias Schwester überzeugt: "Sie hat mir erzählt, er wollte sie heiraten – dass er hier bleiben kann, weil seine Aufenthaltserlaubnis zu Ende geht."
Verdächtiger am Tatort gesehen, dann in die Türkei geflohen
Der damals 25-Jährige wurde am Tattag auf dem Krankenhausgelände gesehen – und auch in Marias Wohnheim. Kurz darauf verließ er überraschend Aschaffenburg. Am Frankfurter Flughafen nahm er die Mittagsmaschine nach Istanbul. Zwei Tage lang lag Maria tot auf ihrem Zimmer. Mehr als 40 Jahre fehlte vom mutmaßlichen Täter jede Spur.
Vor 40 Jahren erdrosselt: Überführt dieses Holodeck einen Mörder?
Cold-Case-Ermittler kamen dem Mann auf die Spur
Die Cold-Case-Ermittler Jörg Albert und Mike Schloth werden als Zeugen eine wichtige Rolle im Prozess spielen. 41 Jahre nach der Tat haben die Ermittler der Aschaffenburger Kriminalpolizei die Spur des mutmaßlichen Täters wieder aufgenommen. Lange glaubte die Polizei, er hätte sich abgesetzt – in die Türkei.
Doch dann stellte sich heraus: Der dringend Tatverdächtige lebte 16 Jahre in Aschaffenburg, in unmittelbarer Nähe zum damaligen Tatort – mit falschem Pass und neuem Namen. "Natürlich waren wir überrascht. Er hat nicht unweit von der Dienststelle gewohnt, hier in Aschaffenburg. Und dann denkt man sich schon: Wie dreist, hierher zurückzukommen und dann ganz normal hier zu leben", sagt Ermittler Mike Schloth. 2015 hat der mutmaßliche Täter Aschaffenburg dann verlassen, ging wieder in die Türkei.
Eifersucht als Motiv für Mord an Maria Köhler?
Nun sitzt der heute 67-Jährige auf der Anklagebank. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er Maria aus Eifersucht tötete, die Trennung nicht habe akzeptieren wollen. In der Anklageschrift führt sie außerdem Besitzansprüche und verletzte männliche Ehre an. Durch eine Heirat mit der 19-Jährigen habe der Türke damals auf ein dauerhaftes Bleiberecht in Deutschland gehofft. Durch ihre Trennung von ihm habe sich diese Hoffnung zerschlagen.
Verdächtiger 2025 festgenommen und nach Deutschland überführt
Im Spätsommer vergangen Jahres wurde der wegen Mordes Angeklagte an der türkisch-syrischen Grenze verhaftet und nach Deutschland ausgeflogen. Neun Monate, nachdem die Cold-Case-Ermittler der Aschaffenburger Kriminalpolizei den Fall neu aufgerollt hatten – in enger Zusammenarbeit mit BKA, LKA, dem Los Angeles Police Department sowie türkischen Behörden.
67-Jähriger hat Tötung damaliger Freundin bereits gestanden
Bei seiner Vernehmung in Deutschland hat der 67-Jährige gestanden, seine damalige Ex-Freundin Maria Köhler getötet zu haben. Oberstaatsanwalt Jürgen Bundschuh sagte bei einer Pressekonferenz: "Die Vernehmung war sehr umfangreich gewesen, sie hat um die drei Stunden gedauert. Der Beschuldigte hat sofort zu Beginn die Tötung der Frau Köhler eingeräumt."
Ob er nun auch wegen Mordes verurteilt wird, ist dennoch ungewiss. "Denkbar wäre es zum Beispiel, dass er wegen Totschlags verurteilt wird. Dieser wäre aber verjährt und hätte in der Konsequenz einen Freispruch zur Folge", so Cold-Case-Ermittler Jörg Albert.
Bis zum 29. Juni sind insgesamt fünf Verhandlungstage angesetzt.
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