In Wien sind vielen die Bilder aus dem August 2024 noch in Erinnerung: Tausende Taylor-Swift-Fans ("Swifties") belagern die Innenstadt. Sie fallen sich in die Arme, singen gemeinsam Taylor-Swift-Songs und spenden sich gegenseitig Trost. Die drei geplanten Konzerte des Country-Popstars im Wiener Ernst-Happel Stadion sind ausgefallen, wegen einer Terror-Warnung. Sie kam vom US-amerikanischen Geheimdienst CIA.
Nach Festnahme von Selbstmordanschlag gesprochen
Beran A., wird festgenommen, ein heute 21-jähriger Österreicher mit nordmazedonischen Wurzeln. Er gibt zunächst zu, dass er "Ungläubige" in der Menge vor dem Stadion töten wollte, mit einem Fahrzeug, mit Sprengstoff und mit Messern. Er habe einen Selbstmordanschlag geplant. Später wird seine Verteidigung von einem "unreifen Jugendlichen" sprechen, der nur "geprahlt" habe.
Beran A. wohnte damals bei seinen Eltern, in der 15.000-Einwohner-Gemeinde Ternitz in Niederösterreich. Während sie im Urlaub waren, soll er mit Chemikalien Sprengstoff hergestellt haben. Seine Verteidigung sprach von einer geringen Menge, vergleichbar mit einem Tischfeuerwerk. Für die Ermittler handelte es sich um hochgefährliches Material. Sie gehen von einer konkreten Anschlagsabsicht aus.
Angeklagter soll sich über TikTok radikalisiert haben
Beran A. habe sich vor allem über TikTok radikalisiert. Dort sei er auf Hassprediger gestoßen. Die Rede war von einer "Blitz-Radikalisierung" und von einer "Tiktokisierung" des Terrors. Der Angeklagte habe online einen Treueschwur auf die Terrorgruppe IS abgeleistet. Unterstützt wurde er dabei von einem heute 16-jährigen Jugendlichen aus Frankfurt (Oder), der aus Syrien stammt. Er habe Beran A. in Chats angestachelt und für ihn aus dem Arabischen übersetzt, unter anderem beim IS-Treueschwur und bei Anleitungen zum Bombenbau. Der Syrer wurde zu einer anderthalbjährigen Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt.
Beran A. drohen für das geplante Attentat auf das Taylor-Swift-Konzert bis zu zehn Jahre Haft, wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Laut österreichischen Medien will die Verteidigung versuchen, den Angeklagten als geläutert darzustellen und seine Anschlagspläne als nicht sehr weit fortgeschritten, mit dem Ziel, die Strafe abzumildern.
Geplanter Anschlag auf Swift-Konzert nicht der einzige Vorwurf
Allerdings ist der geplante Anschlag auf das Taylor-Swift-Konzert nicht das Einzige, was Beran A. vorgeworfen wird. Mit ihm auf der Anklagebank des Landgerichts in Wiener Neustadt sitzt auch sein Freund, Arda K., ein 21-jähriger slowakischer Staatsbürger mit türkischen Wurzeln.
Die beiden sollen, zusammen mit einem dritten Mann, einen weiteren Terroranschlag geplant haben, noch vor den Taylor-Swift-Konzerten. Dieses Attentat sollte gleichzeitig in drei verschiedenen Städten und Ländern stattfinden, durch Beran A. in Dubai, durch Arda K. in Istanbul und durch den dritten Mann, Hasan E., in Mekka.
Freund des Angeklagten beging Messerattacke
Hasan E. ist ein heute 21-jähriger Niederösterreicher mit türkischen Wurzeln. Er zog den Plan als Einziger durch, reiste nach Mekka, stach dort mit einem Messer auf einen Sicherheitsmann ein und verletzte weitere Personen. Hasan E. ist in Saudi-Arabien in Haft, ihm droht dort die Todesstrafe.
Für Beran A. ist die Messerattacke seines Freundes in Mekka heikler als der geplante Anschlag auf das Taylor-Swift-Konzert. Denn hier könnte er für eine so genannte "Beitragstäterschaft" an einem terroristischen Mordversuch verurteilt werden. Darauf stehen in Österreich bis zu 20 Jahre Haft. Österreichische Medien gehen davon aus, dass die Verteidigung eine Beteiligung von Beran A. am Anschlag in Mekka abstreiten wird und hier auf unschuldig plädiert.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
