Militärexperte Gustav Gressel: "Schockierenderweise könnte Putins Plan aufgehen."
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Militärexperte Gustav Gressel: "Schockierenderweise könnte Putins Plan aufgehen."
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Militärexperte Gustav Gressel: "Schockierenderweise könnte Putins Plan aufgehen."

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Militärexperte Gressel: "Putins Plan könnte aufgehen"

Militärexperte Gressel: "Putins Plan könnte aufgehen"

Fünf Kriegsjahre, kein Durchbruch, aber Putins Plan könnte trotzdem aufgehen. Nicht an der Front, sondern in Europa. Militärexperte Gustav Gressel erklärt im BR24-Interview, wo dieser Krieg wirklich entschieden wird.

Über dieses Thema berichtet: Possoch klärt am .

Drohnenangriffe auf die Ukraine im Rekordtempo, wachsende Kriegsmüdigkeit in Europa und Russland spielt auf Zeit. Geht Putins Strategie auf? Gustav Gressel, Militärexperte an der Landesverteidigungsakademie Wien und einer der profiliertesten Kenner russischer Strategie, sagt im BR24-Interview für "Possoch klärt", warum die größte Gefahr für die Ukraine gerade nicht an der Front liegt und warum Putin entweder alles gewinnt oder alles verliert.

BR24: Geht Putins Plan auf, länger durchzuhalten als der Westen?

Gustav Gressel: Schockierenderweise könnte er aufgehen, ja. In Europa stehen entscheidende Wahlen an, in Deutschland läuft es innenpolitisch nicht rund, Amerika hat die Koalition bereits verlassen. Also, die Hoffnung Russlands ist zurzeit begründet.

Putin weiß nicht, wie schlecht es seiner Armee wirklich geht

BR24: An der Front gibt es keine russischen Durchbrüche. Woher kommt Putins Optimismus?

Gressel: Zum einen dürfte Putin gar nicht wissen, wie schlecht es seinen Streitkräften wirklich geht. Die Lageberichte, die nach oben weitergeleitet werden, sind geschönt, das sieht man an geleakten Karten aus dem Verteidigungsministerium. Zum anderen macht der Luftkrieg Russland Hoffnung: mehr ballistische Raketen, neue Jetdrohnen, knappe Patriot-Munition in der Ukraine. Das macht das Bombardieren ziviler Infrastruktur billig und vermeintlich erfolgversprechend. Aber strategische Bombenkampagnen haben in der Geschichte fast nie dazu geführt, dass eine Bevölkerung kapituliert, meist verhärtet sich der Widerstandswille. Russland weiß das. Aber das heißt nicht, dass es Russland nicht versucht.

BR24: Russland zerstört nicht nur Energie, sondern auch alles, was die ukrainische Staatlichkeit ausmacht. Ist das Kalkül?

Gressel: Krankenhäuser, Schulen, Bibliotheken, Getreideverteiler, IT-Infrastruktur – das ist dieselbe Strategie, die Russland in Syrien gefahren hat: Alles zerstören, womit die Gegenseite zeigen könnte, dass sie regieren kann. Die Bevölkerung soll keine andere Wahl sehen als Unterwerfung. Empirisch gesehen geht das fast immer nach hinten los. Aber ob es Russland aufhält? Nein.

"Russische Propaganda überfordert demokratische Parteien"

BR24: Merz war in Kiew, versprach eine Milliarde und erntet daheim Skepsis. Ist das Russlands eigentliches Ziel?

Gressel: Genau das. Russland wartet das nicht passiv ab, sondern führt es herbei über soziale Medien, befreundete Influencer, gezielte Desinformation. Die Botschaft: Die Milliarde für die Ukraine fehlt euch zu Hause. Was diese Propaganda unterschlägt: Die Opportunitätskosten eines russischen Sieges wären um ein Vielfaches höher. Aber der deutsche Staat, CDU, SPD und zum Teil auch die Grünen sind mit dieser Informationskriegsführung schlicht überfordert. Und bei verunsicherten Menschen, die sich um ihre eigene wirtschaftliche Zukunft sorgen, fällt Propaganda auf fruchtbaren Boden.

BR24: Wo wird dieser Krieg also wirklich entschieden?

Gressel: Der Krieg wird natürlich an der realen Front entschieden, also an der Kontaktlinie oder Killzone, und darüber natürlich auch im finanziellen Hinterland: Russlands Oblaste verschulden sich massiv durch Freiwilligenprämien, ukrainische Schläge auf russische Raffinerien unterminieren die Staatskassen. Wenn Russlands Finanzierungsmotor ins Stottern gerät, öffnen sich für die Ukraine wieder Chancen. Wenn umgekehrt die westliche Finanzierung wegbricht, steht die Ukraine vor dem Kollaps. Der Krieg ist militärisch noch nicht entschieden, und wie und ob er sich militärisch entscheidet, entscheidet sich in erster Linie durch die Finanzierung.

Im Video: Zermürbt Putin die Ukraine jetzt endgültig und gewinnt den Krieg? Possoch klärt!

Ganz groß gewinnen oder ganz groß verlieren

BR24: Kann Putin diesen Krieg politisch gewinnen, ohne ihn militärisch zu gewinnen?

Gressel: Ich habe Schwierigkeiten, mir einen Waffenstillstand vorzustellen, den Putin als Sieg verkaufen könnte. Dafür hat er zu viel auf diesen Krieg gesetzt, persönlich und historisch. Er ist in der Situation: Entweder er bricht den Westen von der Ukraine ab und vernichtet sie, dann hat er seinen Sieg, wenn auch zu horrenden Kosten. Oder er überschätzt sich, drückt länger als seine Armee kann, und es kommt zu Auflösungserscheinungen wie 1917.

Kompromisslösungen schlägt er aus, totale Unterwerfung verlangt er von der Ukraine, die sie nicht geben wird. Und solange seine eigenen Lagekarten hunderte Kilometer von der Realität entfernt sind, wird er von seinen Maximalforderungen nicht runtergehen. Lawrow hat es klar gesagt: Europa hat Russland den Krieg erklärt. Diese systemische Konfrontation werden wir uns nicht ersparen. Da sollte man die Russen ernst nehmen und auf das hören, was sie sagen. Das haben wir verabsäumt, 2007 bei Putins Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz zu tun, und vielleicht sollten wir den Fehler nicht nochmal machen.

BR24: Danke für das Gespräch.

Anmerkung der Redaktion: Das Interview wurde vor Bekanntwerden des Diesel-Deals zwischen den USA und Russland geführt.

Dieser Artikel ist erstmals am 10. Oktober 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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