Der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck kritisiert die US-Angriffe auf Iran. Mit Blick auf die USA sagt Overbeck, einen Krieg anzufangen, der nicht rechtlich abgesichert ist, bleibe Unrecht. Ähnlich sieht es "Pax Christi": In einer Mitteilung verurteilt der Bundesvorstand der katholischen Friedensbewegung die Luftangriffe gegen Iran.
- Zum Artikel: Iran-Krieg: Welche Rolle spielt das Völkerrecht?
Nahost: "Gewaltspirale aus Schlag und Gegenschlag durchbrechen"
Diese werden wohl nicht zum ersehnten Regime-Change führen, so Pax Christi, sondern im Gegenteil zu noch mehr Gewalt im Land, wie auch zu Angst, Leid und Tod in der gesamten Region. Die Friedensbewegung fordert deshalb von deutschen Verantwortungsträgern eine klare Distanzierung: "Die Bundesregierung hat bisher den völkerrechtswidrigen Angriff nicht verurteilt. Das muss sie tun, wenn sie zum Völkerrecht steht."
In der evangelischen Kirche zeigt sich der Auslandsbischof der EKD Frank Kopania besorgt über die aktuellen Entwicklungen in Iran und mahnt ein Ende der militärischen Auseinandersetzung an. Auf Anfrage des evangelischen Pressedienstes schreibt er: "Wir rufen eindringlich dazu auf, die Gewaltspirale aus Schlag und Gegenschlag zu durchbrechen. Der Schutz der Zivilbevölkerung, Deeskalation und das Suchen politischer Lösungen ist das Gebot der Stunde."
Landesbischof Kopp: Krieg ist entsetzlich – aber …
Eher zurückhaltend äußerte sich diese Woche der evangelische Landesbischof Christian Kopp beim Pressegespräch im Münchner Presseclub: "Krieg ist immer das Entsetzlichste, was man sich vorstellen kann. Wenn man sich vorstellt, wie sich die Menschen in der Region jetzt fühlen: Das ist absolut furchtbar. Und gleichzeitig hat ja auch diese Gottesdiktatur in Iran zu unendlich viel Leid geführt."
Irankrieg: Muslime in Deutschland äußern sich kaum öffentlich
Von muslimischer Seite gibt es bislang kaum öffentliche Äußerungen, mehrere BR-Anfragen an Imame liefen ins Leere. Der bundesweite Koordinationsrat der Muslime, in dem beispielsweise die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion DITIB und der Zentralrat der Muslime in Deutschland organisiert sind, mahnt ein Ende der Kampfhandlungen an.
Ohne die USA und Israel konkret zu benennen, schreibt die muslimische Dachorganisation: "Nachhaltiger Frieden entsteht nicht durch militärische Stärke, sondern durch Dialog, Verhandlungen und die konsequente Achtung des Völkerrechts."
Oberrabbiner: Iran habe islamische Revolution exportiert
Deutlich anders positionieren sich jüdische Vertreter: Auf BR-Anfrage stellt sich der Oberrabbiner und Präsident der Konferenz Europäischer Rabbiner, Pinchas Goldschmidt, demonstrativ hinter das Vorgehen Israels und der USA.
Irans Mullahs hätten die islamische Revolution in weite Teile des Nahen Ostens exportiert, so Goldschmidt, und hätten dabei eine Spur gescheiterter Staaten und Regionen hinterlassen – darunter Syrien, Libanon, Jemen und Gaza. Weiter schreibt er: "In dem Moment, in dem die iranische Regierung ihre Aggression gegen die eigene Bevölkerung und den Westen beendet und die Produktion von Massenvernichtungswaffen einstellt, kann eine Einigung erreicht werden."
Josef Schuster: "Angriffe gerechtfertigt, da es akute Bedrohung für Israel"
Auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, stellt im BR-Interview unmissverständlich klar: "Ich halte die Angriffe für gerechtfertigt, da es eine akute Bedrohung für Israel gab und leider auch noch gibt, bedingt durch ein Atomprogramm des Iran mit klaren existenziellen Drohungen gegen Israel und die Menschen, die dort leben. Man darf auch nicht vergessen, dass wir bereits Anschläge von iranischen Agenten in Deutschland gesehen haben."
Dass Frieden der absolut erstrebenswerte Zustand ist, darin seien sich sicher alle Religionen einig, so Schuster. Aber zum Frieden gehörten immer mehrere Parteien, so der Zentralratsvorsitzende. Papst Leo XIV. rief am Rande eines Gesprächs mit Journalisten in Castel Gandolfo zum Gebet und zur Arbeit für Frieden auf, damit Dialog und eine Lösung ohne Waffengewalt gefunden werden könnten.
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