Mit den großen Karnevalszügen hat der Straßenkarneval an Rosenmontag seinen Höhepunkt erreicht. In Köln setzte sich am Vormittag der größte Zug mit circa 11.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, 60 Kapellen und 21 Persiflagewagen in Bewegung. In Mainz startete der Zug pünktlich um 11.11 Uhr.
Mit besonderer Spannung erwartet wurden diesmal die Düsseldorfer Rosenmontagswagen, weil Wagenbauer Jacques Tilly aktuell von der russischen Justiz verfolgt wird. Dennoch ist der russische Präsident Wladimir Putin gleich dreimal auf den 13 Motivwagen in Düsseldorf vertreten: Einmal steuert er eine blaue Drohne mit der Aufschrift AfD, ein weiterer Wagen zeigt ihn mit US-Präsident Donald Trump, wie beide Europa verspeisen.
Wagenbauer Tilly: "Duell mit sehr ungleichen Waffen"
Der dritte Putin-Wagen nimmt die juristische Verfolgung Tillys ins Visier: Ein grimmig dreinschauender Putin spießt einen kleinen Karnevalsnarren mit dem Schwert auf. "Dieser Wagen ist unser närrischer Kommentar zu der ganzen Sache", sagte Tilly der Deutschen Presse-Agentur. "Es ist ein Duell mit sehr ungleichen Waffen. Auf der einen Seite die Waffen des russischen Staates, die recht scharf sind. Und dann eben unsere Waffe, das ist einfach nur die Satire, die ist nur aus Pappe, die kann nicht töten. Es ist ein sehr ungleiches Duell», erläuterte der 62-Jährige.
Die Kölner Karnevalisten solidarisierten sich mit Tilly, indem ihr Präsident Christoph Kuckelkorn an seinem Wagen die kölsche Losung "Mer all sin Tilly" (Wir alle sind Tilly) befestigte. "Was ihm da widerfahren ist, ist unsagbar, für uns nicht aushaltbar, und da ist natürlich auch ganz klar, dass wir zusammenstehen wie eine Wand", sagte Kuckelkorn zu der Solidarität mit Tilly. Mitglieder des ukrainischen Hilfsvereins Blau-Gelbes Kreuz, die im Kölner Rosenmontagszug mitlaufen, zeigten Plakate mit früheren Putin-Satiren von Tilly auch aus Köln.
Söder gleich zweimal Thema im Karneval
Ein weiterer Düsseldorfer Wagen prangert das iranische Mullah-Regime an. Sexualstraftäter Jeffrey Epstein feiert eine dämonische "Wiederauferstehung" als Pappmaché-Figur mit Hörnern und Flügeln. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sind ebenfalls mit von der Partie: Sie fahren einen Verbrenner in Form eines fossilen Dinosauriers, der längst zum Skelett geworden ist.
Die Kölner Persiflagewagen zeigen unter anderem US-Präsident Trump, dessen Gesäß mit Küssen etwa von "Merz", "Macron" und "Nato" übersät ist. Auf einem anderen Wagen sieht man eine blaue AfD-Schlange, die im Stil der Python Kaa aus dem "Dschungelbuch" einen deutschen Michel umschlingt.
In Mainz schießt Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) mit Pfeil und Bogen auf heranfliegende Drohnen. Trump zerdrückt die Freiheitsstatue beim Tanzen, und Söder fährt mit Bier, Fleischbergen und "Worscht gegen Wokeness" mit.
700.000 Zuschauer in Düsseldorf
Nach Angaben der Stadt Düsseldorf waren wie im Vorjahr rund 700.000 Menschen an der Strecke des Rosenmontagszuges in der Landeshauptstadt unterwegs. Das Festkomitee Kölner Karneval nennt auf Nachfrage keine konkrete Zahl und spricht am späten Nachmittag von mehreren Hunderttausend Zuschauern beim Zug in der Domstadt.
Die Düsseldorfer Polizei zog am Abend Bilanz und sprach von friedlichen Karnevalisten. Nach den vorläufigen Zahlen erhielten 42 Menschen (Vorjahr 26) einen Platzverweis für die Innenstadt. Zwei Personen kamen in Polizeigewahrsam (1). Wegen Taschendiebstahls schrieben die Beamten zwei Strafanzeigen und wegen Körperverletzung drei (im Vorjahr jeweils 2). Wegen eines Sexualdelikts gab es in der Nacht auf Rosenmontag eine Anzeige.
Die Polizei in Köln vermeldete am Abend, nachdem der Zug durch war: "keine besonderen Vorkommnisse." Nach Angaben des Festkomitees wurden nach einer Gewitterwarnung vorsorglich gegen 16.30 Uhr die noch verbliebenen Pferde und Kutschen aus dem Zug genommen. Der Deutsche Wetterdienst hatte vor Gewittern mit starken Böen gewarnt.
Mit Material der dpa.
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