In Frankreich ist es bei Schülerprotesten erneut zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. In Straßburg und Lyon lieferten sich Protestierende und Sicherheitskräfte Auseinandersetzungen, wie Fernsehbilder der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag zeigten.
Proteste gegen Lehrermangel weiten sich landesweit aus
Auf den Aufnahmen waren unter anderem schwarze Rauchwolken zu sehen. Die Polizei setzte Tränengas ein. Landesweit beteiligten sich Tausende Menschen an den Kundgebungen gegen den Lehrermangel und den maroden Zustand von Schulgebäuden. Nach Angaben der Schülergewerkschaft wurden rund 1.800 Gymnasien blockiert oder blieben geschlossen. Die Proteste hatten vor zwei Wochen in den Vororten von Paris begonnen und sich danach auf das ganze Land ausgeweitet. Die Regierung reagierte mit dem Einsatz von Spezialeinheiten der Polizei und sprach von städtischer Gewalt.
Tausende Festnahmen und Hunderte Verletzte bei Protesten
Am Montag verlor ein 15-Jähriger im Norden des Landes eine Hand, als er eine Tränengasgranate der Polizei aufhob. Nach Angaben des Innenministeriums wurden seit Beginn der Proteste 6.100 Menschen festgenommen, die meisten von ihnen Minderjährige. Zudem wurden mindestens 715 Polizisten und 215 Jugendliche verletzt. Sowohl die Regierung als auch der rechtspopulistische Rassemblement National (RN) von Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen werfen der linksextremen Partei Unbeugsames Frankreich (LFI) vor, die Proteste anzustacheln. Diese weist die Anschuldigungen zurück. Ministerpräsident Sebastien Lecornu wies die Minister an, Vorschläge zur Lösung der Probleme bis Ende Oktober vorzulegen.
Hohe Schulden erschweren Finanzierung der Reformen
Unter anderem sollen der Ausfall von Lehrkräften verringert und die Sanierung maroder Gebäude angegangen werden. Die Suche nach finanziellen Mitteln dürfte sich jedoch schwierig gestalten: Frankreich kämpft mit einem hohen Haushaltsdefizit und schwachem Wachstum. Die Rendite für zehnjährige französische Staatsanleihen stieg in der vergangenen Woche auf ein 24-Jahres-Hoch von über fünf Prozent. Finanzminister Roland Lescure erklärte am Dienstag, ein Eingreifen der Europäischen Zentralbank sei nicht erforderlich.
Zusammenstöße in Belgien
Ähnlich die Situation in Belgien. Auch hier kam es bei Schülerprotesten zu Ausschreitungen mit mehreren Verletzten. In Lüttich seien am Montag 22 Polizeibeamte leicht verletzt worden, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga berichtete. Teilnehmer hätten die Polizei etwa mit Steinen und Feuerwerkskörpern beworfen.
Den Berichten zufolge kam es zu Straßenblockaden, kleinen Bränden und eingeschlagenen Fensterscheiben. Gegen die Demonstranten seien ein Wasserwerfer und Tränengas eingesetzt worden. Den Angaben nach versammelten sich mehr als tausend Demonstrantinnen und Demonstranten, um ihren Unmut über das Schulsystem auszudrücken. Seit dem Start der Proteste am vergangenen Donnerstag wurden etliche Personen festgenommen, darunter auch 17 Minderjährige.
Mit Informationen von Reuters und dpa.
Aus Sorge um ihre Zukunft gehen in Frankreich seit Tagen Zehntausende Schülerinnen und Schüler auf die Straße.
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