Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche bei den Pfadfindern: Eine aktuelle Studie (externer Link) listet 344 Opfer zwischen 1973 und 2024 auf. Sie haben sexuelle Übergriffe und ein Drittel von ihnen sogar Vergewaltigungen erlebt. 60 Prozent der Betroffenen waren Mädchen und junge Frauen, zwei Drittel waren zwischen 13 und 17 Jahren alt. Etwa die Hälfte der Taten fand während Pfadfinderfahrten oder -lagern statt. Die 161 mutmaßlichen Täter waren bis auf drei männlich und jeder Zweite von ihnen zum Tatzeitpunkt zwischen 18 und 24 Jahre alt.
Schwere psychische Folgen für die Opfer
Durchgeführt haben die Studie das Berliner Bildungs- und Forschungsinstitut "Dissens" und das Forschungsinstitut IPP in München (externe Links) . Die beiden Institute hatten seit 2023 rund 1.300 Seiten Akten gesichtet und 79 Interviews mit ehemaligen und aktiven Pfadfindern geführt. Die Studie wurde am Dienstagvormittag in der Zentrale des Verbandes Christlicher Pfadfinder*innen (VCP) (externer Link) in Kassel vorgestellt. Bei der Pressekonferenz sprach Marlene Kowalski vom VCP von einem der "dunkelsten Kapitel" in der Geschichte ihres Verbandes.
Die Opfer der sexualisierten Gewalt berichteten von schweren psychischen Folgen. Die Betroffene Miriam Glas schilderte etwa, dass sie, wie viele andere auch, sich damals Vorwürfe gemacht und die Verantwortung für die Taten übernommen habe. Fachleute sprechen hier typischerweise von Schuldumkehr, die die Täter meist auch beabsichtigen. Glas ermutigte auch andere Betroffene, sich zu melden.
Frühere Studie von zweitem Pfadfinderverband
Der Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP) hatte vor knapp zwei Jahren eine ähnliche Studie vorgestellt, bei der ebenfalls das IPP federführend war. Die Untersuchung geht von mindestens 50 Beschuldigten und 123 Betroffenen aus.
Der BdP hat in Deutschland nach eigenen Angaben rund 30.000 Mitglieder, der VCP ist mit rund 47.000 Mitgliedern größer und vor allem durch die evangelische Kirche geprägt.
Mit Informationen von dpa, epd und KNA
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