Der Publizist und Sicherheitsexperte Peter Neumann im ZDF.
Der Publizist und Sicherheitsexperte Peter Neumann im ZDF.
Bild
Der Publizist und Sicherheitsexperte Peter Neumann im ZDF.
Bildrechte: picture alliance / teutopress
Schlagwörter
Bildrechte: picture alliance / teutopress
Videobeitrag

Der Publizist und Sicherheitsexperte Peter Neumann im ZDF.

Videobeitrag
>

Sicherheitsexperte Neumann: Europa muss mit am Tisch sitzen

Sicherheitsexperte Neumann: Europa muss mit am Tisch sitzen

Der Sicherheitsexperte Peter Neumann warnt vor der Münchner Sicherheitskonferenz: Wenn die Europäer nicht auf der Speisekarte stehen, sondern mit am Tisch sitzen wollen, müssen sie enger zusammenrücken. Dazu kann er sich diverse Formate vorstellen.

Über dieses Thema berichtet: BR24live am .

Peter Neumann, Professor für Sicherheitsstudien am King’s College in London, hat die Europäer vor Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz zu einer engeren Zusammenarbeit aufgefordert. Im Gespräch mit BR24 erklärte der gebürtige Würzburger: Was derzeit entstehe, sei eine Welt der Großmächte, in der Amerika, Russland, China ihre jeweiligen Einflusssphären definieren. "Europa hat da keinen Platz am Tisch, Europa hat nur dann einen Platz am Tisch, wenn sich die europäischen Mittelmächte zusammentun und aus ihnen quasi eine Großmacht entsteht", so Neumann.

"Nicht auf der Speisekarte stehen, sondern am Tisch sitzen"

Es sei wichtig, dass die Staats- und Regierungschefs, die zur Sicherheitskonferenz kommen, "sich verständigen und noch enger als bisher koordinieren, sodass sie eben nicht auf der Speisekarte stehen, sondern am Tisch sitzen", forderte Neumann. Zudem müsse es den Europäern gelingen, schnellere Entscheidungen zu treffen. Es brauche dazu unterschiedliche Formate, betonte er und ergänzte: "Die EU ist ein Format, aber wir wissen natürlich - mit 27 Ländern, einige davon, die aktiv sabotieren - was dann passiert."

Die EU sei nach wie vor die Basis, "aber basierend darauf muss es mehr pragmatische, flexible Formate geben". Er könne sich etwa eine Zusammenarbeit von Deutschland, Frankreich oder Großbritannien vorstellen, obwohl Großbritannien nicht mehr in der EU ist. Aber auch Deutschland-Italien, Deutschland-Polen oder die baltischen Staaten und Skandinavien könnten Allianzen bilden. "Ganz viel ist vorstellbar und das sollte erlaubt sein", so Neumann.

"Starke Antwort": Neumann will auch über "Hackbacks" reden

Auf die hybriden Angriffe Russlands etwa durch Cyberattacken, durch Sabotage, oder verschiedene andere Aktionen in Deutschland und anderen europäischen Ländern fordert Neumann eine "starke Antwort". "Erstens natürlich eine defensive Antwort (...) Aber ich denke, gerade auch bei der Sicherheitskonferenz sollten wir darüber nachdenken: Was können wir möglicherweise tun, um Russland davor abzuschrecken?" Er sprach sich dafür aus, "auch offensiver tätig zu sein, sogenannte Hackbacks, wo wir Cyberangriffe eben nicht nur abwehren, sondern eben auch die Quelle dieser Cyber-Angriffe außer Kraft setzen". All das seien Themen, die in München diskutiert werden müssten.

Experte glaubt nicht an gemäßigteres Auftreten von Trump

Dass sich US-Präsident Donald Trump in Zukunft gemäßigter gibt, glaubt Neumann indes nicht. "Ich glaube das, was in Grönland passiert ist, hat ihm auch so ein bisschen seine Grenzen aufgezeigt. Die Finanzmärkte haben sich negativ entwickelt, er hat auch ein bisschen Pushback bekommen von seinen eigenen republikanischen Senatoren und Abgeordneten", so Neumann. Vielleicht habe man dieser Tage ein bisschen Ruhe, "aber das könnte sich auch sehr schnell wieder ändern."

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!