Eine junge Frau sitzt bei offener Tür in ihrem Auto. (Symbolbild)
Eine junge Frau sitzt bei offener Tür in ihrem Auto. (Symbolbild)
Bild
Die Bundesregierung will den Führerschein bezahlbar machen. Dazu stellt der Verkehrsminister eine Reform der Führerscheinprüfung vor.
Bildrechte: picture alliance / dpa Themendienst | Christin Klose
Schlagwörter
Bildrechte: picture alliance / dpa Themendienst | Christin Klose
Audiobeitrag

Die Bundesregierung will den Führerschein bezahlbar machen. Dazu stellt der Verkehrsminister eine Reform der Führerscheinprüfung vor.

Audiobeitrag
>

So soll der Führerschein günstiger werden

So soll der Führerschein günstiger werden

Die Bundesregierung will den Führerschein bezahlbar machen. Dazu stellt der Verkehrsminister eine Reform der Führerscheinprüfung vor. Bereits bekannte Vorschläge wurden konkretisiert. Experten sind sich uneins.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Tiktok am .

Die Kosten für den Führerschein sind in den vergangenen fünf Jahren überdurchschnittlich stark angestiegen – laut Statistischem Bundesamt deutlich stärker als in anderen Bereichen. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) beziffert den Führerscheinpreis im Schnitt auf 3.400 Euro – in mehreren Regionen 4.000 Euro oder noch mehr. Schnieder: "Der Führerschein ist in Deutschland einfach zu teuer." Mit einem Bündel an Maßnahmen soll der Preis gedrückt werden. Dazu sind verschiedene Änderungen in der theoretischen und praktischen Ausbildung geplant.

Was soll sich im Theorieteil ändern?

Die Fahrschulen sollen künftig selbst entscheiden dürfen, ob sie den Theorieunterricht vor Ort in der Fahrschule oder digital, zum Beispiel über eine App, anbieten. Der digitale Weg könnte den Fahrschulen Miet- und Ausstattungskosten sparen. Außerdem sollen zahlreiche Dokumentationspflichten entfallen und die Zahl der Prüfungsfragen reduziert werden – von bisher rund 1.170 Fragen auf circa 840.

Was soll sich im Praxisteil ändern?

In der praktischen Ausbildung soll sich am meisten ändern. So soll es für den Pkw-Führerschein weniger verpflichtende Sonderfahrten geben – statt bisher zwölf nur noch drei, je eine auf der Autobahn, über Land- und Bundesstraßen und bei Dunkelheit.

Das Fahren mit Gangschaltung kann nach den Plänen an Fahrsimulatoren geübt werden. Außerdem sollen die Prüfungszeiten kürzer werden und sich an den EU-Richtlinien orientieren. Die Prüfungsdauer für die Führerscheinklassen A und B sollte nicht länger als 40 Minuten sein, heißt es in dem Reformpapier des Verkehrsministeriums.

Das sieht auch vor, eine auf fünf Jahre befristete "Experimentierklausel" für die sogenannte Laienausbildung einzuführen. Konkret heißt das: Fahrschülerinnen und Fahrschüler können dann mit Nahestehenden, beispielsweise den Eltern, unter bestimmten Auflagen einen Teil der praktischen Ausbildung durchführen. In Österreich und Luxemburg gibt es dieses Modell bereits. Dort ist der Führerschein auch deshalb günstiger. In Luxemburg kostet der Führerschein durchschnittlich 1.500 Euro.

Die Laienausbildung kann für diejenigen mit Eltern oder Verwandten, die ein Auto haben und über Zeit verfügen, von Vorteil sein. Alle anderen müssen auf den Unterricht mit Fahrschullehrer zurückgreifen und haben keine Ersparnis.

Um wie viel wird der Führerschein günstiger?

Wer Verkehrsminister Schnieder genau beobachtet, merkt, dass er auf diese Frage zunehmend ausweichend reagiert. Es könne kein festes Preisschild geben, sagt er. Das heißt, wie viel seine geplanten Maßnahmen an Einsparung bringen, kann der CDU-Politiker nicht beziffern, auch nicht ungefähr.

Experten sind skeptisch, ob und wie viel die Reform des Ministers bringt. Marc-Philipp Waschke-Deden vom Auto Club Europa (ACE) erklärt: "Alles in allem ist nach wie vor nicht absehbar, wie umfangreich die finanziellen Entlastungen mit der Reform werden." Entscheidend sei die Anzahl der benötigten Fahrstunden – die oft drei Viertel der Gesamtkosten ausmachten. Unklar ist auch, ob und in welchem Umfang Einsparungen am Ende an die Fahrschüler weitergegeben werden.

Welche Kritik gibt es an den Plänen?

Experten des TÜV warnen vor Abstrichen bei der Sicherheit. Sie sehen die Vorschläge kritisch, die darauf abzielen, Anforderungen pauschal abzusenken – etwa bei der Fahrzeit, Prüfungsdauer und im Fragenkatalog. Es dürfe keine "Fahrprüfung light" geben, bei der Effizienz vor Gründlichkeit stehe. Das bisher erreichte Sicherheitsniveau bei der Fahrausbildung könne mit den von Schnieder geplanten Maßnahmen nicht gehalten werden. Der Minister betont andererseits: "Keiner unserer Vorschläge geht zulasten der Verkehrssicherheit."

Wann treten die neuen Regeln in Kraft?

Im nächsten Schritt sollen die Bundesländer über die Vorschläge des Ministers beraten. Die nächste Verkehrsministerkonferenz findet im März statt. Danach soll das Gesetzesverfahren auf den Weg gebracht werden, kündigt Schnieder an. Wie lange dies dauert, ist offen. Vermutlich tritt die Reform erst zum Jahreswechsel oder 2027 in Kraft.

Auf TikTok: Wird der Führerschein bald günstiger?

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!