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Warum der Führerschein auch 2026 teuer bleibt – außer ...

Warum der Führerschein auch 2026 teuer bleibt – außer ...

... man hofft auf mehr Tempo in der Politik. Oder beachtet selbst einige hilfreiche Tipps. Alle wichtigen Infos zur geplanten Reform der Fahrerlaubnis in Deutschland. Und warum die Lage aktuell für viele bayerische Fahrschulen schwierig ist.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Den Führerschein machen, das ist in Deutschland unverändert teuer. Laut dem ADAC [externer Link] liegen die Kosten für die Klasse B zwischen 2.500 und 4.500 Euro. Noch teurer wird es, wenn man Prüfungen wiederholen muss. Nach der Ankündigung von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), den Führerschein einfacher und bezahlbarer zu machen, warten viele erst einmal ab. Weil: Warum jetzt für viel Geld den Führerschein machen, wenn er bald deutlich günstiger sein könnte?

Auf den ersten Blick ist das nachvollziehbar und schlau. Doch auf den zweiten Blick offenbart der abwartende Ansatz Probleme. Bisher ist gar nicht klar, ob und wann der Führerschein weniger kostet. Schnieders Ministerium hat bislang nur Eckpunkte einer Reform vorgelegt. Der Minister sagte zuletzt, die Änderungen würden frühestens Anfang 2027 greifen. Auch dann werde es nicht automatisch billiger als der aktuelle Durchschnitt von 3.400 Euro. Sondern: Der Markt werde die Preise regeln. Schnieders Fazit: "Abwarten lohnt sich nicht."

Fahrlehrer-Verband: "Schwierige Situation für die Branche"

Schwierig ist Schnieders Reform-Ankündigung für die Fahrschulen, auch in Bayern. Viele von ihnen verzeichnen seitdem deutlich weniger neue Anmeldungen. "Explosionsartig zurück ging es im November und Dezember", sagt Jürgen Kopp auf BR24-Anfrage. Kopp ist Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände. Teils gebe es sogar Existenzängste. Kurzarbeit und Entlassungen stünden im Raum. "Eine schwierige Situation für die Branche."

Kopp, der auch Geschäftsführer des Landesverbands Bayerischer Fahrlehrer ist, betont: "Unsere Aufgabe ist extrem wichtig: Wir bringen jungen Menschen bei, sicher Auto zu fahren. Die Kosten für einen Führerschein sind nicht erst seit gestern hoch – und auch im nächsten Jahr wird es nicht unbedingt billiger werden." Jetzt abzuwarten und erst mal nicht in die Fahrschule zu gehen, sorge für den gleichen Effekt wie einst der Corona-Lockdown: einen Stau bei Fahrschülern und Prüflingen.

Führerschein: Tipps zum Sparen

Bis der Führerschein günstiger wird, vergeht also noch (viel) Zeit – wenn es überhaupt dazu kommt. Aber schon jetzt gibt es Ansatzpunkte, um die Kosten so niedrig wie möglich zu halten. Zum Beispiel:

  • Preise bei verschiedenen Fahrschulen einholen und vergleichen
  • Kompaktkurse und Kombi-Angebote (inkl. Erste-Hilfe-Kurs usw.) prüfen
  • Prüfungen (insbesondere Theorie) gewissenhaft vorbereiten
  • Ergänzend zum Fahrunterricht auf dem Verkehrsübungsplatz üben (zum Beispiel mit den Eltern)

Geplante Führerschein-Reform: Das ist geplant

Im Oktober hatte Schnieder die Eckpunkte der geplanten Führerschein-Reform vorgestellt. Demnach soll der aktuell knapp 1.200 Fragen umfassende Katalog für die theoretische Prüfung um ein Drittel reduziert werden. Die Pflicht zum Präsenzunterricht in Fahrschulen soll entfallen, Wissen soll auch nur über digitale Wege wie Apps vermittelt werden können. 

In der praktischen Ausbildung sollen öfter Fahrsimulatoren eingesetzt werden können, statt direkt auf der Straße zu fahren. Vorgesehen sind auch weniger verpflichtende Sonderfahrten, etwa nachts oder auf Autobahnen. In der praktischen Fahrprüfung soll die Fahrzeit auf 25 Minuten verkürzt werden. Derzeit üblich ist für Pkw-Führerscheine eine Prüfungsdauer von 55 Minuten.

Jürgen Kopp, Chef der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, bezeichnet die Reform-Eckpunkte als "nette Ideen, die man erstmal mit wissenschaftlichen Erkenntnissen vergleichen müsste". Er warnt davor, in teuren Simulatoren mehr als eine Ergänzung zu sehen: "In echt auf eine Autobahn zu fahren, ist nochmal was ganz anderes." Es funktioniere auch nicht, den Theorie-Teil nur in einer App und nicht vor Ort in der Fahrschule zu lernen.

Führerschein-Reform: ADAC-Verkehrspräsident fordert mehr Tempo

Dass der Bundesverkehrsminister angekündigt hat, die Reform werde frühestens Anfang 2027 greifen, ärgert unterdessen den ADAC. "Wir brauchen eine möglichst rasche Einigung", betonte ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand jüngst in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt]. Die Vorschläge seien definitiv vertretbar und sollten jetzt nicht "verwässert" werden.

Auch eine Praxisprüfung von nur noch 25 Minuten ist "aus ADAC-Sicht ausreichend", sagte Hillebrand. "Meine persönliche Überzeugung: Ob der Prüfling fit ist und bestehen kann, lässt sich schon in den ersten zwei Minuten einschätzen."

Mit Informationen von dpa

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