(Symbolbild) Ein junger Mensch schaut auf ein Smartphone
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(Symbolbild) Social Media und Jugendschutz: Es ist kompliziert
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Social Media und Jugendschutz: Eltern oft kein gutes Vorbild

Social Media und Jugendschutz: Eltern oft kein gutes Vorbild

Die Bundesregierung hat eine Expertenkommission zum "Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt" eingesetzt, die Empfehlungen zusammentragen soll. Ganz so weit ist sie noch nicht, aber einen ersten Zwischenstand gibt es – es ist kompliziert.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

Fast alle nutzen sie täglich, oft stundenlang: soziale Medien. Ob Scrollen, Liken oder Teilen – Plattformen wie Instagram oder TikTok sind aus dem Alltag vieler Kinder und Jugendlicher kaum wegzudenken. Doch wie groß sind die Risiken wirklich – und braucht es strengere Regeln? Mit diesen Fragen beschäftigt sich aktuell die Expertenkommission "Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt", eingesetzt von der Bundesregierung. Ein erster wissenschaftlicher Zwischenstand liegt nun vor. Ein Überblick.

"Geschützte Teilhabe" statt einfacher Verbote

Die zentrale Erkenntnis der Kommission lässt sich knapp zusammenfassen: Es ist kompliziert – einfache Lösungen greifen zu kurz. Statt nur Schutz oder nur Teilhabe geht es den Experten um "geschützte Teilhabe". Grundlage dafür ist der aktuelle wissenschaftliche Forschungsstand, der Risiken zeigt: Cybermobbing, Hassrede und der Zugang zu pornografischen Inhalten können erhebliche psychische Belastungen verursachen.

Olaf Köller, Co-Vorsitzender der Kommission, sagt: "Nicht die Bildschirmzeit allein ist entscheidend, sondern welche Inhalte Kinder und Jugendliche sehen, wie Plattformen gestaltet sind und wie gut Kinder und Jugendliche begleitet werden." Er nennt auch die besorgniserregende Zahl von 300.000 – so viele Kinder und Jugendliche zeigten ein Suchtverhalten.

Gleichzeitig richtet die Kommission den Blick auch auf Erwachsene: Eltern seien oft kein gutes Vorbild, wenn sie selbst ständig am Smartphone hängen oder ihre Kinder früh und lange vor Bildschirme setzen. Das könne sich negativ auf Sprachentwicklung, Verhalten und Aufmerksamkeit auswirken. Die Konsequenz: Verantwortung liegt insbesondere bei Eltern, aber auch bei Schulen, Politik und Gesellschaft. Ein Schlüssel hierfür lautet Medienkompetenz: Die müsse stärker gefördert werden. Bislang gebe es zwar viele Angebote – oftmals seien diese aber nicht verbindlich und variieren je nach Bundesland. Auch würden Kitas bislang zu wenig bei Medienbildung berücksichtigt, heißt es.

Regeln gibt es viele – doch sie greifen oft nicht

Doch: Ist auch ein Social-Media-Verbot denkbar? In Ländern wie Australien sind soziale Medien für unter 16-Jährige verboten. Die Expertenkommission sieht solche Ansätze jedoch kritisch – zumindest auf nationaler Ebene. Sie verweist darauf, dass bereits zahlreiche Regeln zum Jugendschutz existieren: beispielsweise der Digital Services Act auf EU-Ebene, das Jugendschutzgesetz sowie der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag. Ein Mangel an Vorschriften bestehe demnach nicht. Das eigentliche Problem liege vielmehr darin, dass die Regeln komplex sind, oft nicht ineinandergreifen und vor allem kaum durchgesetzt werden.

Zudem könnten nationale Verbote leicht umgangen werden – etwa durch falsche Altersangaben bei der Registrierung. Zwar geben Plattformen wie Instagram oder TikTok ein Mindestalter von meist 13 Jahren vor, eine wirksame Kontrolle findet jedoch kaum statt. Die Kommission deutet daher an: Lösungen müssten auf europäischer Ebene entstehen. Auch die EU-Kommission hat eine Expertenkommission eingesetzt – die Empfehlungen werden bis Sommer erwartet.

Politischer Druck wächst: SPD legt sich fest, Union will warten

Die Experten in Deutschland – von Pädagogen über Ärzte bis hin zu Juristen – arbeiten mit Tempo, der politische Druck nimmt zu. International treiben mehrere Länder Altersgrenzen voran, wie in Australien oder Frankreich.

Auch in Deutschland wird inzwischen intensiver diskutiert: Erst vor kurzem hat die SPD-Bundestagsfraktion ihre Position klargemacht und sich für ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren ausgesprochen. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion arbeitet aktuell noch an einer eigenen Position und will sich auf einem Social-Media-Kongress in dieser Woche austauschen. Das Thema bearbeitet federführend Anja Weisgerber, stellvertretende Fraktionsvorsitzende und CSU-Abgeordnete aus Schweinfurt. Angesichts des Zwischenberichts sagt sie BR24: "Wir wollen deshalb keine pauschalen Verbote, sondern praktikable und differenzierte Lösungen, die funktionieren und umsetzbar sind. (…) Dafür wollen wir die Plattformen – unter anderem bei der Anwendung von Altersverifikationen und altersgerechten Zugängen – stärker in die Pflicht nehmen."

Jugendschutz bei Social Media: Kurs steht, Weg noch offen

Wie genau, bleibt aktuell offen. Die Fraktion will die endgültigen Handlungsempfehlungen der Expertenkommission abwarten, die bis Juni vorliegen sollen. Dafür arbeiten die Mitglieder unter Hochdruck schneller als ursprünglich geplant.

Dieses Tempo und der vorzeitig veröffentlichte Zwischenstand zeigen: Die politische Debatte hat beim Thema Jugendschutz und sozialen Medien eine neue Dynamik bekommen. Oder anders gesagt: Die Frage ist nicht mehr, ob politisch etwas passiert – sondern wie konkrete Schritte am Ende aussehen.

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